Monthly Archive for Juni, 2008

Du oder Sie?

Dear Doosie,

warum ich Sie Doosie nenne, fragen Sie? Well, my dear, don’t you understand German – verstehen Sie denn kein Deutsch? I am calling you Doosie, weil ich noch nicht recht weiß, ob ich Du oder Sie zu Ihnen sagen soll.

… schreibt Werner Landsburgh im allen Englischlerner(inne)n und Englischauffrischer(inne)n sehr zu empfehlenden Buch „Dear Doosie“*. Dieselbe Doosie-Frage stellte sich vor einigen Wochen auch im Nestoria-Büro: Sind unsere Nutzer Du oder Sie? Und wie sieht es im Blog aus? Und in den Hilfeseiten? Sind Nutzer Du und Blogleser Sie? Oder andersrum? Oder doch alle Doosie?

Nach langen Diskussionsabenden im Pub möchte ich heute aber doch ein paar Sätze über ebendiese Frage schreiben. Wer je Englisch gelernt hat weiß sicherlich, dass es im Englischen keinen Unterschied zwischen dem formlosen Du und dem förmlichen Sie ( mehr) gibt, jeder sagt zu jedem „you“. So ähnlich ist das auch in Spanisch. Es gibt zwar das förmliche „usted“, aber verwendet wird es kaum noch. Daher gab es die Doosie-Diskussion bisher noch nie im Nestoria-Büro. Die ging mit umso größerer Intensität los, als wir mit dem Erstellen der deutschen Seite begannen.

Während manche die Problematik gar nicht erst durchschauten, argumentierten vor allem die deutschen Muttersprachler für das Sie. Schließlich will man seriös wirken; muss ja nicht jeder wissen, dass wir in kurzen Hosen und Flipflops im Büro sitzen. Mit der Immobiliensuche verbinded man nun mal den Makler und der trägt Anzug und Krawatte -  und Siezt. Blogosphärenerfahrene merkten dann aber ganz richtig an, dass im Internet das Du klar auf dem Vormarsch ist. Viele junge dynamische Firmen duzen den Nutzer, warum als nicht auch wir? Als Vorschlag zur Schlichtung wurde noch eingeworfen, man könne ja der Fraktion der Du-Sie-Vermeider beitreten, die in deutschen Blogs angeblich stark vertreten ist.

Schlussendlich setzten sich aber doch die muttersprachlich förmlichen Deutschen durch und wir besannen uns auf die Vorzüge des Siezens nach Knigge. Bleibt zu fragen: Was sind Ihre (oder Deine?) Gedanken zum Thema? Und wer kennt Länder in denen es das Doosie-Problem auch gibt?

* Werner Landsbergh: Dear Doosie. Erstmal herausgegeben 1997 vom Nymphenburger Verlag und seitdem vielfach neuaufgelegt und fortgesetzt. Erhältlich beim Buchladen Ihres Vertrauens.

Betatester gesucht!

Der Countdown läuft: Für die letzten Tage bevor Nestoria Deutschland die Pforten öffnet suchen wir nach Beta-Testern. Wer Interesse an einem der heiß begehrten Testzugängen hat, melde sich bitte über unser Kontaktformulars. Wir senden dann allen Interessierten eine Email sobald es losgeht. Abgesehen von ein paar Stolpersteinen, von denen wir bis dahin hoffentlich so viele wie möglich gefunden haben, wird die Beta Version schon die kinderleichte und superschnelle Immobiliensuche bieten, die unsere Nutzer in England und Spanien schon gewohnt sind. Dudenfestigkeit ist übrigens für Betatester von Vorteil – wer besser Italienisch kann, ist aber eingeladen sich auf Nestoria Italien als Tester verdient zu machen.

Außerdem würden wir alle Nestoriataner* gern auf das Interview hinweisen, das Ed (einer der Gründer von Nestoria) letzte Woche bei Immobilienportale.com gegeben hat. In dreizehn (!) Fragen wurde so ziemlich alles gefragt, was man über Nestoria wissen kann. Wer trotzdem noch mehr über Nestoria wissen möchte, kann uns gern jederzeit fragen: Hier im Blog, als Kommentar zum Interview auf Immobilienportale.com oder über unser Kontaktformular stellen.

* Die Suche nach der korrekten Bezeichnung für Nestoria-Interessierte ist nach zwei Jahren Betrieb (ja, wir hatten letzte Woche Geburtstag) immer noch nicht abgeschlossen. Wir sollten aber hier anmerken, dass wir mit den Nestorianern nichts zu tun haben.

Was ist eigentlich Vertikale Suche?

Langsam ist es wieder Zeit für ein Update aus dem Hause Nestoria. Seit meinem letzten Eintrag gibt es auf unserem internen Testserver Immobilien in viel mehr Gegenden Deutschlands und der Sprachenkauderwelsch im Nestoria Büro nimmt babylonische Züge an: Spanier versuchen sich an der Aussprache von „kreisfreie Stadt” und „Zollernalbkreis” während Engländer mit Griechen darüber diskutieren, warum die deutschen Postleitzahlen ganz anders funktionieren, als die englischen.

Damit es wenigstens hier im Blog nicht zu Verständnisschwierigkeiten kommt, gibt es heute eine Begriffsklärung. Nestoria ist eine „vertikale Suchmaschine”, was bedeutet das eigentlich? Normale Suchmaschinen kennt ja jeder. Mit Google und Konsorten findet man fast jede Webseite, auf der ein bestimmter Suchbegriff vorkommt. Eine vertikale Suchmaschine hingegen liefert nur Suchergebnisse aus einem begrenzten Themenfeld. Zum Beispiel gibt es vertikale Suchmaschinen für medizinische Themen und für Gesetzestexte; und mit Nestoria eben auch für Immobilien. Statt 1,8 Millionen relevanter und nicht so relevanter Ergebnisse für „Haus kaufen Berlin”, fördert eine Nestoria-Suche nach „Berlin” nur eines zu Tage: Viele Häuser zum Kauf in Berlin (oder auf Wunsch auch Wohnungen zum Kauf oder Häuser zur Miete oder Wohnungen zur Miete).

Relevanz ist ein wichtiges Stichwort, wenn es um vertikale Suche geht. Weil wir uns hier bei Nestoria den ganzen Tag damit beschäftigen, wie Internetnutzer nach Häusern und Wohnungen suchen, wissen wir ziemlich genau, was für einen Wohnungssuchenden relevant ist und was nicht. Die Anzahl der Zimmer im neuen Haus zum Beispiel. Deshalb kann man die bei Nestoria mit einem Klick eingrenzen, bei einer „normalen” Suchmaschine geht das nicht. Das ist wie im richtigen Leben: Beim Bäcker wird man eben viel besser zum Brötchenkauf beraten, als im Supermarkt. Und besser schmeckt’s vom Bäcker sowieso…

Bleibt nur noch eins zu klären: Was ist vertikal an der vertikalen Suche? Gute Frage. Anstatt ein breites Spektrum an Ergebnissen zu liefern, gehen vertikale Suchmaschinen in ihrem Spezialgebiet in die Tiefe. Und Tiefe ist vertikal. Für alle, denen das nicht reicht, gibt es hier noch zwei Links zum Weiterlesen (beide auf Englisch):

Search 3.0: The Blended & Vertical Search Revolution
Are Vertical Search Engines the Answer to Relevance?

Nestoria Interview mit Jochen Topf, Autor des Buches zu OpenStreetMap

Die Leser unseres englischen Blogs kennen sicherlich schon unsere monatlichen Interviews mit einer interessanten Persönlichkeit aus den Bereichen Internetsuche oder Immobilien (oder was uns hier bei Nestoria sonst so interessiert). In eineinhalb Jahren haben wir dort schon allerhand interessantes erfahren, zuletzt zum Beispiel von Salim Mitha, dem Gründer von Wahanda, und Dr. Alex Singleton, wissenschaftlichem Mitarbeiter am Centre for Advanced Spatial Analysis am University College London.

Die Tradition der Interviews wollen wir auch gern hier im deutschen Blog einführen und fangen deshalb heute damit an! Es freut uns besonders, dass Jochen Topf, Co-Autor des Buches über OpenStreetMap, sich bereit erkärt hat, der erste zu sein.

Als Co-Autor des ersten Buches über OpenStreetMap kann wahrscheinlich niemand besser als Sie kurz zusammenfassen was OpenStreetMap ist und wie es dazu kam…

Das OpenStreetMap-Projekt wurde 2004 von Steve Coast in England gegründet, weil er Schwierigkeiten hatte, an Geodaten und Kartenmaterial zu kommen, die wirklich frei sind. Karten unterliegen typischerweise recht restriktiven Lizenzbedingungen und sind vielfach sehr teuer. Und selbst da, wo Karten kostenlos sind, z.B. bei Google Maps, heißt das nicht, das sie nicht mit einer Reihe von Einschränkungen kommen. Eine Weiterverteilung solcher kostenloser Karten ist meist nicht erlaubt und spätestens dann, wenn einem das Kartenbild nicht gefällt, kommt man mit diesen Karten nicht weiter. Es sind ja nur vorgefertigte Online-Karten. Will man die Karten auf anderen Geräten verwenden oder an eigene Bedürfnisse anpassen oder zum Beispiel auch Analysen durchführen, so braucht man die darunterliegenden Geodaten, also quasi die Rohdaten, aus denen die Karten erstellt wurden. Aber die muss man dann sehr teuer bezahlen.

OpenStreetMap hat es sich zum Ziel gesetzt, eine freie Weltkarte zusammenzustellen. Frei heißt dabei, dass die Geodaten und Karten, die vom Projekt zur Verfügung gestellt werden, von jedem kostenlos und ohne Einschränkung genutzt werden können. Das Projekt baut auf der Arbeit zehntausender Freiwilliger auf, die mit GPS-Geräten unterwegs sind, um die Karte der Welt von Grund auf neu zu erschaffen. Jeder kann mitmachen, kann seine Heimatstadt oder seinen Urlaubsort auf die Karte bringen. Aus der Arbeit all dieser freiwilliger entsteht dann eine detaillierte Karte der Welt.

OpenStreetMap wird oft als Wikipedia der Landkarten beschrieben. Mit welchen Problemen hat es als solches Projekt, bei dem riesige Datenmengen von unzähligen Nutzern unterschiedlichen Hintergrunds zusammengetragen werden, zu kämpfen?

Bei einem so großen und globalen Projekt ist da natürlich die Frage der Koordination. Wer macht was? Wie tritt man sich nicht auf die Füße? Wie genau muss ich eine Straße eintragen? Wie eine Ski-Piste? OpenStreetMap hat hier von Anfang an auf einen sehr offenen Ansatz gesetzt. Eingeschränkt wird erstmal nichts, jeder kann überall mitmachen, eigene Daten ergänzen und Daten anderer korrigieren oder auch löschen. Genauso wie in der Wikipedia werden Strukturen nicht von vorneherein vorgegeben, sie ergeben sich nach und nach aus den Diskussionen im Wiki und auf den Mailinglisten und vorallem natürlich dadurch, welche Daten die aktiven Mapper beitragen und in welcher Form. Das geht natürlich nicht ganz ohne Konflikte ab, wie überall, wo viele Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und Meinungen zusammenkommen.

Gegenüber der Wikipedia besteht die Hauptschwierigkeit darin, dass wir ja nicht nur einfach Texte sammeln, die von Menschen gelesen werden. Stattdessen sammelt OSM die rohen Geodaten, die dann erst von einem Programm interpretiert und in Karten umgesetzt werden müssen. Dieser zusätzliche Schritt macht die ganze Sache etwas unanschaulicher und führt zu erhöhtem Koordinierungsaufwand, da die Form, wie Daten erfasst werden, mit der Form, wie sie in Karten oder anderen Anwendungen genutzt werden, zusammenpassen muss.

OpenStreetMap ist noch nicht so “erwachsen” wie die Wikipedia. Gerade die Frage, wie mit Vandalismus und mit Konflikten umzugehen ist, ist noch ungelöst. Hier hat die Wikipedia über die Jahre Mechanismen entwickelt und früher oder später wird auch OpenStreetMap mit diesen Fragen konfrontiert werden.

Welche Position nimmt OpenStreetMap auf dem Markt der Onlinekartendienste (Google, Yahoo!, Microsoft, etc.) ein?

Derzeit nimmt OpenStreetMap hier sicher noch eine Nischenstellung ein. Bisher ist die Karte ja nur in einigen Gegenden vollständig (da aber oft schon deutlich besser als das, was andere zu bieten haben). Der Fortschritt insbesondere der letzten Monate ist aber enorm. Wenn es so weitergeht, wird OpenStreetMap sicher schon bald für viele Bereiche zu einer ernsthaften Konkurrenz für andere Kartendienste heranwachsen. Inzwischen gibt es auch mehrere Firmen, die kommerziellen Support rund um OpenStreetMap anbieten oder, wie Nestoria ja auch, anfangen, die OSM-Karten in Ihre Dienste und Produkte zu integrieren.

Online-Kartografie und Neogeografie sind im Laufe der letzten Jahre zu einem großen Thema geworden. Was denken Sie, erwartet uns in diesem Bereich in nächster Zeit?

Es wird auch für den “Mann auf der Straße” immer einfacher selbst Geodaten beizutragen. Sei es, dass er geokodierte Urlaubsphotos hochlädt, sei es dass er selbst eine Karte im Internet zur Verfügung stellt, auf der jeder die Sichtungen seltener Vögel eintragen kann. Wir haben da aber bisher nur den ersten Schritt getan, nämlich Punkte, Linien, Flächen auf bestehende Karten einzutragen. Ein noch viel größerer Wert wird daraus entstehen, wenn wir alle diese Informationen miteinander verbinden und automatisch weiterverarbeiten. Habe ich das Lärmkataster nicht nur als Karte, sondern als Rohdaten und die Liste aller Schulen und Kindergärten, dann kann ich daraus berechnen, in welchen Gebieten ich mit meiner neuen Familie vielleicht nach einer Wohnung suchen soll.

OpenStreetMap stellt dabei die Basisdaten, wie das Straßenetz, zur Verfügung, die eigentlich jeder braucht. In Zukunft wird es vorallem auch darum gehen, weitere Datenquellen zu erschließen und die Daten aus all diesen verschiedenen Quellen in nutzbarer Form zusammenzubringen.

Und, zu guter Letzt, welche Herausforderungen sehen Sie für vertikale Suchmaschinen wie Nestoria?

Nicht gerade mein Fachgebiet. Aber es ist offensichtlich, dass jede vertikale Suchmaschine gegen Google und andere Suchmaschinen bestehen muss, die über die klassische Webseiten-Suche hinaus mehr und mehr Spezialsuchen anbieten. Um sich dagegen abzusetzen, muss man schon einiges bieten. Wenn ich Ihre Frage etwas näher auf mein Fachgebiet, also Karten und Geodaten beziehe, dann wird es auf absehbare Zeit eine Herausforderung bleiben, eigenen Geodaten und Daten aus verschiedenen Quellen auf sinnvolle Art und Weise zu integrieren.

Herr Topf, vielen Dank für Ihre Zeit und vor allem die interessanten Antworten! Falls dieses Interview bei dem ein oder anderen unserer Leser Interesse an OpenStreetMap geweckt haben, dann empfehlen wir auch einen Blick auf diesen Artikel bei Heise.de, der vielleicht einen weiteren Anreiz gibt, bei OpenStreetMap mitzumachen. Für alle, die sowieso schon dabei sind, hier noch ein Hinweis: Bei der OpenStreetMap State of the Map Konferenz 2008 wird unser Ed als Speaker dabei sein!

Herr Topf hat vollkommen Recht wenn er sagt, dass das sinnvolle Verknüpfen von Geoinformationen aus verschiedenen Quellen für uns eine sehr wichtige Aufgaben ist. Zum Beispiel arbeiten wir momentan intensiv daran, die Suchergebniskarten für Deutschland mit nützlichen Zusatzinformationen anzureichern, wie wir es in UK und Spanien schon tun. Eine OpenStreetMap Version von Nestoria gibt es übrigens in der Tat, einfach statt www in der URL openstreetmap verwenden. Für Großbritannien heißt die URL also http://openstreetmap.nestoria.co.uk und für Deutschland in Bälde http://openstreetmap.nestoria.de. Mehr dazu gibt es im englischen Blog.