ÖPNV steht für Öffentlicher Personennahverkehr – weiß ja jeder. Und die Anbindung an den ÖPNV ist für viele bei der Wohnungssuche ein wichtiges Kriterium, in Deutschland mehr als in vielen anderen Ländern (wo die Straßen breiter und das Benzin billiger sind). Daher haben wir auf Nestoria.de viel Energie darauf verwendet, unseren Nutzern möglichst viele Informationen über den ÖPNV bereitzustellen – und dabei viel über ÖPNV in Deutschland gelernt.
Wir Nestorianer sind ein ziemlich bunter Haufen, unsere Mitarbeiter kommen aus immerhin sechs verschiedenen Ländern! Eine kurze Umfrage hier im Büro hat ergeben, dass wir Deutschen für zwei Sachen bekannt sind. Erstens: Lange Wörter wie Personennahverkehrsystem. Und zweitens: In Deutschland ist alles bestens organisiert.
Beide Punkte scheinen beim ÖPNV nicht zuzustimmen. Erstens haben sich hier radikale Abkürzungen eingebürgert: U-Bahn anstelle von Untergrundbahn, S-Bahn anstelle von Schnellbahn und so weiter. Und zweitens herrscht heilloses Durcheinander. Oder wissen Sie, was eine U-Bahn von einer Stadtbahn unterscheidet? Oder die Stadtbahn von der Straßenbahn? Nein? Dann ist dieser Blogeintrag wie für Sie geschrieben!
Fangen wir mal mit der Straßenbahn an, die ist nämlich am einfachsten definiert: Eine Straßenbahn fährt überwiegend auf der Straße und hält sich dort an Verkehrsregeln. Die Züge sind den Gegebenheiten des Straßenverkehrs angepasst, haben also Blinker und sind ungefähr genausobreit wie Autos. In der Schweiz sagt man übrigens Tram und in Österreich Bim (sic). Grundlegend anders funktioniert die Stadtbahn. Die fährt auf einem Speziellen “Schienenkörper” (und nicht auf der Straße) und kreuzt diese auch nicht. Deshalb fährt eine Stadtbahn im Schnitt auch fast doppelt so schnell wie eine Straßenbahn. So ähnlich ist das übrigens auch bei der U-Bahn: Die ist unterirdisch so unabhängig vom Straßenverkehr, dass manche Leute denken, das U steht für Unabhängig. Bleibt noch die S-Bahn. Die fährt auch auf Gleisen, allerdings auf normalen Bahnstrecken, die mit dem deutschlandweiten Schienennetz verbunden sind. Die nette Stimme in der Dresdner S-Bahn fühlt sich dem ÖPNV so überlegen, dass sie auf Verbindungen zu ebendiesem speziell hinweist, zum Beispiel am Bahnhof Dresden-Mitte.
Das war die Theorie. Kommen wir zur Praxis. Die Karlsruher nennen ihre Bahn Stadtbahn, geben Ihr das grüne S-Bahn-Logo und fahren damit auf der Straße. In Köln fährt die Stadtbahn (an manchen Stellen) unterirdisch und trägt das blaue U-Bahn-Logo und (an anderen Stellen) oberirdisch und trägt dort das gelb-grüne Bushaltestellenlogo. Die Frankfurter haben eine U-Bahn, die entgegen der Definition regelmäßig die Straße kreuzt (also nich U-nabhängig ist). Dazu kommt noch, dass die Frankfurter U5 von Straßenbahnen befahren wird. Die U4 hingegen ist eine ordentliche U-Bahn, die an keiner Stelle ein anderes Verkehrssystem kreuzt. Und dann gibt es noch die Breisgau-S-Bahn und die Ortenau-S-Bahn, beide aufgrund nicht vorhandenen Ballungsraumes eigentlich ganz normale Bahnstrecken.
Es herrscht also heilloses Chaos in der deutschen ÖPNV-Nomenklatur. Wir haben beim Einpflegen der Daten zum ÖPNV in die Nestoria Ergebnisseiten versucht, immer die Mehrheitlich verwendeten Begriff zu verwenden und alles so klar wie möglich zu präsentieren. Falls uns das irgendwo nicht gelungen ist, würden wir uns über Feedback freuen, zum Beispiel als Kommentar hier im Blog.


