Monthly Archive for August, 2009

Größere Bilder in Wohnungslisten

Nachdem bei uns mehrere Anfragen eingegangen sind, haben wir unser Wohnungslisten-Tool für Webmaster angepasst: Ab sofort kann wer will die Liste auf seiner Seite mit größeren Bildern darstellen.

Für alle die dieses Tool noch nicht kennen: Wohnungslisten sind eine einfache Möglichkeit ausgewählte Immobilienanzeigen auf einer beliebigen Webseite anzuzeigen. Das Aussehen kann einfach angepasst werden.

Hier ein Beispiel mit großen Bildern:

Natürlich kann man nach wie vor noch kleine Bilder anzeigen. Wir hoffen, dass Sie viel Spaß mit diesem neuen Feature haben und freuen uns über Feedback.
Das wirft natürlich die Frage auf, ob demnächst auch auf Nestoria große Bilder in den Ergebnislisten zu sehen sein werden. Die Antwort auf diese Frage ist ein beherztes “Jein”. Vielleicht. Mal sehen. Die Zukunft wird es zeigen.

Marine Traffic – Schiffsverkehr Mashup

Zufällig bin ich vor ein paar Tagen über ein weiteres Highlight im Bereich Google Mashups gestolpert (über Mashups haben wir im Juni bereits mit Christian Heilmann gesprochen). Bei Marine Traffic kann man die aktuellen Positionsdaten des Schiffsverkehrs der Welt auf einer Karte bewundern. Man kann sich einzelne Schiffe raussuchen und herausfinden wo diese sich grade rumtreiben. Anderherum kann man auch Schiffe auf der Karte anklicken und nähere Informationen zu ihnen bekommen. Die Daten sind laut Webseite auf eine Stunde genau.

marinetraffic

Bis vor kurzem hätte ich auch nicht gewusst was man mit so einer Seite überhaupt anfangen soll (es sei denn man ist leidenschaftlicher Hobby-Marinefan). Aber vor ein paar Tagen sind Freunde von mir in die USA gezogen und erwähnten dabei, dass sie über den Namen des Schiffes informiert wurden, das den Container mit ihren Habseligkeiten über den Atlantik befördert. Dank dieser Seite könnten sie nun genau beobachten wo ihr Hausstand sich befindet, oder ob er Piraten zum Opfer gefallen ist.

Vielleicht keine Webseite die man häufig benötigt, aber allemal interessant ist es auch zu sehen, wie dicht der Schiffsverkehr an manchen Orten ist.

Übrigens, man braucht sich nicht die Mühe zu machen ganz nah reinzuzoomen um zu gucken ob man die Schiffe zu sehen bekommt …. die Satellitenfotos von Google sind natürlich nach wie vor NICHT live. Nicht, dass irgendwer auf so eine absurde Idee kommen würde…*räusper*.

Suchmaschinenvergleich

In letzter Zeit ist ja viel über Suchmaschinen geschrieben worden: Microsoft versucht mit Bing Google Konkurrenz zu machen und vor kurzem wurde angekündigt, dass Yahoo und Microsoft eine Partnerschaft auf zehn Jahre eingegangen sind.

bing-yahoo-google
Für viele Leute ist Suchmaschine inzwischen schon fast synonym mit Google, ähnlich wie Taschentuch und Tempo. Doch hat das wirklich mit der Qualität zu tun, oder ist es eher ein aus Gewohnheiten entstandenes Vorurteil?

Bei Blind Search kann man Google, (noch) Yahoo Search und Bing blind vergleichen. Man gibt einfach einen Suchbegriff ein, und die Ergebnisse werden in drei Spalten angezeigt. Dabei ist nicht erkenntlich welche Ergebnisse zu welcher Suchmaschine gehören. Nachdem man abgestimmt hat welche Ergebnisseite am besten ist, wird die Lösung eingeblendet.

Machen Sie doch selber mal den Test! Sind die Ergebnisse für Sie überraschend?

Die Zähmung der Daten

Daten sind die Grundlage des Internets und wie Daten am Besten abgerufen und dargestellt werden ist die große Herausforderung der jedes Unternehmen das im Internet arbeitet gegenübersteht.
Bei Nestoria haben wir Datenbanken die prall mit Immobilienangeboten gefüllt sind. Unsere Hauptaufgabe besteht jedoch darin, diese Daten möglichst einfach für unsere Nutzer abrufbar zu machen, denn Daten die nicht gefunden werden können auch keinem Nutzen. Dazu erheben wir selber Daten, die uns darüber Aufschluss geben sollen, was unsere Nutzer tatsächlich suchen, was sie finden und uns Anstösse geben wie sie noch schneller zu Ergebnissen kommen können.

Die Darstellung von Daten wird bei der Menge an Informationen die inzwischen gesammelt werden können immer wichtiger. So ist in den letzten Jahren ein relativ neues Feld entstanden: Data Visualization oder Informationsvisualisierung. Durch neue Technologien werden die Informationen zudem immer genauer: Wenn eine Visualisierung Flugzeuge über einem Land anzeigt dann, sind das nicht mehr nur statistische Daten, sondern tatsächliche Flugzeuge, die mit GPS ausgestattet sind und sich so genau nachverfolgen lassen. Es entstehen nicht nur Torten- und Balkendiagramme, sondern mitunter Animationen und Filme, die auch für Laien interessant sind. Einige davon möchte ich hier vorstellen.

Blockbuster visualisiert
Filme 1986-2008

Bei der NY Times findet sich eine interaktive Grafik, die die Einnahmen an den Kinokassen von 1986-2008 zeigt. Hier lässt sich zum Beispiel auf einen Blick feststellen, dass a) die Anzahl der Filme die 250-862 Mio. $  einspielen sich seit den 80ern signifikant erhöht hat und dass b) diese Filme dieses Geld in weit kürzerer Zeit einnehmen und eine kürzere Lebensdauer im Kino haben.
Ähnliche interaktive Grafiken zeigen, womit US-Amerikaner ihren Tag verbringen und wie sich die Essgewohnheiten der Briten in den letzten 30 Jahren verändert haben. Daten werden auf eine ansprechende Art aufbereitet und durch die Interaktivität bleibt es bis zu einem gewissen Grad dem Betrachter überlassen, wie Tief er einsteigen oder welche Daten er betrachten möchte.

Britain From Above / BBC
Der britische Fernsehsender BBC hat im August 2008 eine Fernsehreihe gesendet, die Großbritannien von oben erforscht. Unter anderem visualisieren aufwändige Animationen Informationen über das Leben in Großbritannien. Im folgenden Ausschnitt wird gezeigt, wie das Telefonnetz der Insel im Laufe des Tages ausgelastet ist. Dabei ist vor allem die Höhe der Auslastung in Bezug auf Regionen und Zeit interessant.


( weitere Clips bei YouTube)

Eat Local – Visualisierte Daten animiert
In diesem Videoclip aus Kanada, der dazu aufruft lokal hergestellte Lebensmittel zu kaufen, wird der Kontext der Daten noch deutlicher hervorgehoben, indem sie durch Lebensmittel dargestellt werden. Wenn für jede Birne die exportiert wird 700 Birnen importiert werden, und diese im Film vom Himmel fallen, wird das Mengenverhältnis viel anschaulicher. Gleichzeitig ist der Film so liebevoll gestaltet, dass er schon fast ein Kunstwerk ist.

Datenkunst
Dass Daten eben auch Kunst sein können beweisen Jonathan Harris und Sep Kamva, deren Projekt I Want You To Want Me 2008 vom Museum of Modern Art in New York in Auftrag gegeben wurde. Sie visualisieren die Daten verschiedener Online-Dating Dienste dar, die vom Besucher interaktiv betrachtet werden können. Jeder Ballon steht für ein Benutzerprofil, rosa für Frauen, blau für Männer.

Wohin mit der Information?
Bei der Flut von Daten die heute zur Verfügung stehen, und mithilfe von Computern die diese Menge bewältigen können, geht es in Zukunft vor allem darum, diese Daten zugänglich zu machen, sie zu interpretieren und die Schlussfolgerungen so darzustellen, dass sie möglichst einfach verstanden werden können. Natürlich ist diese Interpretation bis zu einem gewissen Grad immer gefärbt, aber auch bei herkömmlichen Abbildungsarten ist das nicht anders.

Data Visualization ist ein gutes Mittel um grosse Mengen an Daten anschaulich zusammenzufassen und wird sicherlich in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.

Happy Birthday OpenStreetMap!

Das OpenStreetMap Projekt feiert diese Tage seinen 5. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! In London wird dies mit einer Party am 22. August begangen (es sind ausdrücklich alle dazu eingeladen, in ihrer Stadt ebenfalls eine Party zu veranstalten!).

Zur Feier des Tages hier zwei Videos, zunächst ein Bericht des WDR über eine Schulklasse in Borgholzhausen/NRW, die im Informatikkurs OSM Daten sammelt. (Wenn es sowas zu meiner Schulzeit schon gegeben hätte…!)

Das zweite Video ist eine Visualisierung der Daten, die alleine im Jahr 2008 zu OSM hinzugefügt wurden. Jedes aufleuchten steht für neue Daten hochgeladen werden. Ein sehr gelunges Beispiel für Datenvisualisierung, das eindrücklich zeigt, in welchen Regionen die Zentren der OSM Community liegen, und in welchen Gegenden noch einiges an Arbeit bevorsteht.

Viel Spass!

Redefreiheit – Volltext-Suche in Immobiliendatenbanken von Lokku Labs

Suchmaschinen wie Google oder Bing sind wie Schweizer Taschenmesser: sie erkunden nicht nur neue Webseiten und Dokumente im Internet, sie rufen sie ab, indizieren sie und bieten Nutzern dank ihren Volltext-Suchfähigkeiten effizienten Zugang zu Information. Volle (oder freie) Textsuche ist eine Methode, die es ermöglicht Wörter und Wortketten in Dokumenten oder Datenbanken zu finden. Im technischen Jargon werden die Dokumente die als Ergebnis einer Suche gefunden werden “Treffer” genannt.
Im Gegensatz zu den allgemeinen Suchmaschinen grenzen die meisten Immobilien-Suchmaschinen durch spezifische Eingabefelder das Nutzerverhalten ein. Die Suche wird durch Felder wie Ort, Preis und andere Kriterien gegliedert, zum Beispiel:

  • Art der Immobilie: Haus oder Wohnung
  • Ausstattung: Zimmer, Badezimmer
  • Attribute wie Garten, Balkon, Parkplatz, Garage etc.

Wir bei Lokku Labs haben und daran gemacht eine Volltext-Suche unserer umfangreichen Immobilien-Datenbank zu ermöglichen. Unsere Prototypen (Gartoo.de) wurden durch Anfragen wie “ Anbindung Flughafen Frankfurt” und “ Altbau Stuck Berlin” getestet.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts sind sehr positiv. Es gelingt uns Treffer für viele interessante Anfragen rund um die Immobilien und Ortsangaben zu erzeugen. Die Herausforderung besteht darin, zu verstehen was die Anfrage bedeutet und die Angebote nach Relevanz für die Suchanfrage zu sortieren. Zum Beispiel ist die Suchanfrage “Häuser zu mieten in Verkauf” ein Fall an dem das gewöhnliche Verständnis von Sprache scheitert. Unsere Aufgabe endet nicht mit dem Sortieren der Ergebnisse, wir werden Suchen die keine zufrieden stellenden Ergebnisse produzieren analysieren um unsere Algorithmen entsprechend anzupassen.
Neben der neuen Suchtechnologie experimentieren wir auch mit einem extrem einfachen Design. Wir planen einen live Test in naher Zukunft, behalten Sie für weitere Informationen Lokku Labs im Auge.

Interview mit Victor Henning von Mendeley

Victor Henning

Victor Henning

Und schon ist der August da und es ist Zeit für unser Interview des Monats. Diesen Monat haben wir mit Victor Henning gesprochen, einem der Gründer von Mendeley. Mendeley ist ein Service, mit dem Akademiker Informationen zu Quellen und Publikationen teilen können und wird im Internet als “das Last.fm für akademische Recherche” bezeichnet.

Mendeley hat ja in den letzten Monaten einiges an Lob einheimsen können. Kannst du unseren Lesern kurz beschreiben wie die Idee zu dem Projekt entstand und wie euer Service funktioniert?
Gerne! Ende 2004 hatten mein Mitgründer Jan Reichelt und ich gerade angefangen zu promovieren – ich an der Bauhaus-Universität Weimar über die Rolle von Emotionen in der Entscheidungstheorie, Jan an der Uni Köln über strategisches Informationsmanagement. Das Doktorandenleben war so großartig wie erwartet, bis auf eine Ausnahme: Literaturrecherche und -verwaltung. Die bestehenden Tools waren derart altbacken, dass man fast dachte, man müsste sie mit Lochkarten füttern.

Wir machten uns also Gedanken, was eine moderne Literaturverwaltungssoftware können sollte, um unsere Forschungsarbeit einfacher zu machen. Die Software sollte unsere Artikel-Sammlung automatisch in eine strukturierte Datenbank verwandeln, indem sie automatisch die Autor, Titel, Jahr, Journal, Keywords etc. ausliest; sie sollte automatisch Bibliographien erstellen; man sollte Artikelsammlungen einfach mit Co-Autoren synchronisieren können; und wir wollten damit PDFs lesen, markern und kommentieren.

Dann ging uns irgendwann ein Licht auf: Wenn man die individuellen Artikel-Datenbanken jedes Nutzers anonym aggregiert, tun sich ganz neue Möglichkeiten auf! Man kann Statistiken über aktuelle Forschungstrends erstellen: Welche Artikel werden gerade gelesen, an welchen Themen arbeiten die Leute? Man kann Empfehlungen generieren: Leute mit den gleichen Forschungsinteressen wie Du lesen gerade diese fünf Artikel, die Du noch nicht kennst – und ein Doktorand in den USA arbeitet an einem ähnlichen Thema wie Du, vielleicht solltet Ihr zusammenarbeiten. Der gleiche Gedanke steckt ja hinter dem Musikdienst Last.fm: Der erfasst, welche Musik die Nutzer gerade hören, und daraus generiert Last.fm Trend-Statistiken und personalisierte Radio-Streams; ebenso kann man Leute mit ähnlichem Musikgeschmack entdecken.

Ein Freund von mir, Paul Foeckler, hatte an der Bauhaus-Universität gerade seine Informatik-Diplomarbeit über Empfehlungssysteme geschrieben und passte daher perfekt ins Konzept: Wir holten ihn als dritten Gründer mit an Bord und legten mit der Entwicklung eines Prototypen los, den wir outgesourced in Weissrussland entwickeln liessen. Mit diesem Prototypen sind wir Mitte 2007 zu Stefan Glänzer gegangen – ehemaliger Ricardo.de-Gründer, zu dem Zeitpunkt Chairman von Last.fm, und einer der erfolgreichsten Business Angels in Europa.

Zum Glück für uns stand gerade der Verkauf von Last.fm an CBS für $280 Millionen Dollar an, so dass Stefan auf der Suche nach einem neuen Projekt war – und so wurde er unser erster Investor, Mitgründer und Chairman. Anfang 2008 siedelten wir die Firma in London an, bauten unser eigenes Entwicklungsteam auf, und sind seit Ende 2008 mit der ersten Public Beta-Version unserer Software am Markt. Eine Übersicht über die Features gibt’s hier: Mendeley Bibliography Manager.

Die Entwicklung dieses Jahr ist vielversprechend: Unsere fünf größten Nutzergruppen sind (in dieser Reihenfolge) MIT, Stanford, University of Michigan, Harvard und Cambridge – wir erreichen also die Forscher an den Top-Unis. Zudem haben wir den Plugg 2009 “Start-Up of the Year“ Award gewonnen, wurden bei den TechCrunch Europe Awards 2009 als “Best Social Innovation Which Benefits Society“ ausgezeichnet und waren Finalisten bei The Next Web 2009.

Mendeley Desktop Programm

Mendeley Desktop

Obwohl alle Gründer eurer Firma aus Deutschland kommen seid ihr in London ansässig. Christian Heilmann hat in unserem Interview letzten Monat davon gesprochen, dass in Deutschland die Sprachbarriere durchaus eine Rolle in der Entwicklung neuer IT-Produkte spielt, da die meisten neuen Informationen auf Englisch veröffentlicht werden. Warum habt ihr euch dafür entschieden eure Firma in Großbritannien zu Gründen? Ist die Situation im wissenschaftlichen Bereich ähnlich und hat das einen Einfluss auf die Entscheidung gehabt?

Die Sprachbarriere war tatsächlich ein Grund: Wissenschaft spielt sich vor allem auf Englisch ab, und unsere wichtigsten Märkte sind in den USA und UK, was bedeutete, dass wir auf Englisch entwickeln mussten. Das ist mit englischen Programmierern natürlich leichter.

Es gab aber noch mehr gute Gründe: Paul und Stefan waren damals bereits in London, einige der besten Unis weltweit sind direkt in der Nähe (Cambridge, Oxford, King’s College, Imperial College, UCL, LSE etc.), London ist die Venture Capital-Hauptstadt Europas, die meisten großen Internetkonzerne haben ihre Europazentralen hier, und man wird auch auf dem amerikanischen Markt anders wahrgenommen. Unser neuer Research Director, Jason Hoyt, der in Stanford in Genetik promoviert und selber ein Forschungs-Start-Up im Silicon Valley gegründet hat, wäre zum Beispiel nicht zu uns gekommen, wenn wir in Deutschland sitzen würden.

Akademiker, vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich, sind ja im allgemeinen nicht grade dafür bekannt technologieaffin zu sein. Dabei ist das Internet ein perfekter Rahmen für internationale Zusammenarbeit und gegenseitige Bereicherung von Forschung. Kannst du da einen Wandel feststellen und welche Rolle spielt euer Service dabei?

Ich glaube nicht, dass sich der Prozentsatz der Early Adopter unter Wissenschaftlern stark von dem in der Gesamtbevölkerung unterscheidet – was ja eigentlich auch erstaunlich ist, da man eigentlich einen höheren Geek- und Nerd-Faktor erwarten würde. Aber dennoch gibt es in jeder Wissenschaftsdisziplin Early Adopter – ein gutes Drittel unserer Nutzer stammt aus dem sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich.

Die meisten Tech- und Internet-Initiativen kommen aber doch aus den Life Sciences, vor allem Computational Biology und Chemie. Es gibt Trends hin zu mehr Offenheit, z.B. arbeitet die “Open Notebook Science”-Bewegung daran, alle von ihren Labormaschinen generierten Daten automatisch auf öffentliche Labor-Blogs zu übertragen und somit wertvolle Rohdaten für andere Wissenschaftler zugänglich zu machen. Einige mit uns befreundete Mediziner und Chemiker sind unter den ersten Google Wave-Hackern. Auch die Open Access-Bewegung, die von Physikern mit arXiv angeführt wurde, hat durch die Public Library of Science (PLoS)-Journals extrem an Qualität gewonnen.

Mendeley versucht ebenfalls, einen Beitrag zu besserer Vernetzung von Daten zu leisten: Wir möchten es einfacher machen, Literatur zu verwalten und auszutauschen, und durch Tagging, semantische Analyse und Forschungstrend-Charts Zusammenhänge zwischen Artikeln und Wissenschaftsdisziplinen zu verdeutlichen. Aus dieser Datenvernetzung kristallisieren sich dann auch Verbindungen zwischen Wissenschaftlern heraus, die an ähnlichen Themen arbeiten.

Google versucht ja mit Google Books Bücher einfacher über das Internet verfügbar zu machen. Wie stehst du zu diesem Ansatz und glaubst du, dass es da Berührungspunkte mit eurem Konzept gibt?

Grundsätzlich finde ich das super – ich habe schon häufiger Dinge in Google Books gefunden, auf die ich sonst keinen einfachen Zugriff gehabt hätte. Interessanterweise gab es aber einige Spannungen zwischen Google und den US-Universitätsbibliotheken, die ihre Bücher zum Scannen bereitgestellt haben. Die Bibliothekare fühlten sich bei Kommunikation und Datenzugriff aussen vor gelassen, nachdem Google ihre Bücher digitalisiert hatte und die Bibliotheken danach nicht mehr brauchte.

Berührungspunkte zu Mendeley gibt es durchaus – aber vielleicht eher im E-Book-Sektor. Wir konzentrieren uns vor allem auf wissenschaftliche Journals und weniger auf Fachbücher, aber viel Content wird in den nächsten Jahren über Amazons Kindle, Sonys E-Reader, den Plastic Logic-Reader etc. verfügbar sein, was die Vertriebsstrukturen im Academic Publishing-Sektor verändern wirbeln wird. Wir wurden schon häufiger von Verlagen angesprochen, ob sie ihren Content nicht über Mendeley verkaufen können – die Vorteile wären ein direkter Zugang zum Workflow des Wissenschaftlers, adaptives Pricing und niedrigere Kauf-Barrieren durch weniger Drop-Off-Points – und daran arbeiten wird. Ebenso haben einige unserer Nutzer uns gebeten, doch mit E-Reader-Herstellern zu kooperieren, damit sie ihre Mendeley-Artikelsammlung auch auf ihrem Reader verwalten können.

Was sind für dich die momentan spannendsten Entwicklungen im Internet? Was fehlt dir noch?

Ui, schwierig. Wie sich das Web weiter auf das iPhone und andere mobile Geräte anpassen wird, finde ich spannend – kein anderes Gerät hat mein Web-Nutzerverhalten so stark beeinflusst wie das iPhone. Und wenn ich Google Wave, HTML5, Google Gears und Adobe Air sehe, verschwimmen die Grenzen zwischen verschiedenen Webseiten, Datenbanken, Desktop- und Web-Apps, On- und Offline immer weiter – wir sind ja auch mit einer Cross-Platform-Desktop-Software und einer Website unterwegs, werden unsere Forschungstrend-Daten über eine API bereitstellen, und Mendeley-Literatursammlungen lassen sich jetzt schon auf anderen Seiten einbetten. Das finde ich faszinierend und nervenaufreibend zugleich: Wir stecken auch mittendrin im Strudel und müssen durchpaddeln.

Was mir noch fehlt: Neulich hatte ich aber die Idee für einen Kochlöffel mit integrierter elektronischer Zunge und gespeicherten Rezepten, der mir sagt, welche Zutat ich jetzt noch hinzufügen muss. Meine Freundin hat mich aber ausgelacht.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit Mendeley weiterhin!