Monthly Archive for Februar, 2010

Interview mit Yule Schmidt, Internationalisierungsspezialistin bei Twitter

Unser Interview für den Februar haben wir mit Yule Schmidt geführt, die die deutsche Übersetzung von Twitter, die vor kurzem live gegangen ist, koordiniert hat. Zusammen mit vielen anderen Twitter-Nutzern habe auch ich dabei geholfen die Seite zu übersetzen.

yule_schmidt

Yule Schmidt, Twitter

Hallo Yule. Du arbeitest bei Twitter und warst u.a. für die deutsche Übersetzung der Seite zuständig. Kannst du kurz erklären was du genau bei Twitter so machst?

Ursprünglich wurde ich als Inter- nationalisierungsspezialistin für Deutsch angestellt. Mein Job bestand darin, die Übersetzung der Plattform durch unsere Übersetzer zu koordinieren, sowie einige Dokumente, wie die AGB und Datenschutz- bestimmungen selbst zu übersetzen (wir wollten unsere Übersetzer nicht mit so langen, komplizierten Seiten verschrecken!). Jetzt bin ich hauptsächlich für den Unterhalt der Webseite, sowie die Übersetzung der Hilfsartikel verantwortlich. Ich antworte auch auf alle Hilfsanfragen von deutschen Benutzern. Zur gleichen Zeit arbeiten die anderen Übersetzer und ich immer noch mit den Technikern, um den Übersetzungsprozess für künftige Sprachen mit einem verbesserten Übersetzungs-Tool zu vereinfachen.

Die Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen wurden crowdsourced, d.h. mit Hilfe der Nutzer erstellt. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, statt professionelle Übersetzer anzuheuern?

Erstens wollten wir die Ideen unserer Benutzer unbedingt in unsere Übersetzung integrieren – es sind letzten Endes die Benutzer, die die Plattform benutze. Durch die Debatten im Übersetzungsforum hatte ich ein bißchen Einblick in die Wünsche der Benutzer bekommen – natürlich konnte ich nicht jeden Wunsch erfüllen, aber ich habe versucht, einen Mittelgrund zu erreichen. Ursprünglich wollte ich unbedingt das Wort “Follower” übersetzen – ich dachte, eine Übersetzung wäre tausend Mal besser als das Englische Wort. Aber im Forum (und auch im Tool – denn ich konnte sehen wie viele Leute eine bestimmte Übersetzung gewählt haben) habe ich schnell gemerkt, dass die Benutzer lieber das englische Wort beibehalten wollten, also heißt es heute immer noch “Follower”.

Zweitens wollten wir nicht nur die Webseite ins Deutsche (und Französische, Italienische und Spanische) übersetzen, wir wollten ein wirksames Übersetzungs-Tool entwickeln, das wir für künftige Sprachen benutzen können. Twitter ist jetzt in fünf Sprachen außer Englisch verfügbar, aber für jede Übersetzung hatten wir interne Übersetzungshilfen. Der Übersetzungsleiter(in) für jede Sprache hat alle Übersetzungen überprüft und bearbeitet. Hoffentlich ist unsere Übersetzungsplattform bald für hundert Sprachen verfügbar, aber wir können einen derartig intensiven Übersetzungsprozess nicht für alle künftige Sprachen  beibehalten. Stattdessen wollen wir das Tool einfach perfektionieren. Dann können Leute überall auf der Welt die Plattform in ihre Sprache übersetzen, ohne dass sie unsere Steuerung brauchen.

Wie ist das Projekt gelaufen, glaubst du, dass ihr im nachhinein wieder dieselbe Entscheidung treffen würdet?

Meinerseits war das Projekt wirklich fantastisch; eine tolle Erfahrung.  Natürlich war der ganze Prozess nicht perfekt, aber die FIGS Sprachen waren ja unsere ersten Übersetzungsversuche mit dem Übersetzungs-Tool. Die einzige Sache, die ich in der Zukunft ändern würde, ist die Leistungsanerkennung für  unsere Helfer (also die Benutzer). Wie schon gesagt, habe ich die AGB und Datenschutzbestimmungen alleine übersetzt, weil wir fürchteten, es sei zu mühsam für die Benutzer: Die Übersetzung sollte Spaß machen  und nicht belastend sein. Hoffentlich können wir für die Übersetzer ein bißchen mehr anbieten als ein Abzeichen auf ihrer Profilseite, damit sie uns auch mit solchen Dokumenten helfen werden.

Aber wenn Du gemeint hast, ob ich persönlich die gleichen Übersetzungen wählen würde, kann ich ehrlich “Ja” sagen. Direkt nach dem Start der deutschen Seite dachte ich, dass ich einen furchtbaren Fehler mit meinen Übersetzungsauswahlen gemacht habe, denn ich habe ziemlich viel negatives Feedback von den Übersetzern bekommen. Aber jetzt, da unser User-Basis sich schwer vegrößert und verbreitet hat, beklagen sich Leute viel weniger darüber. Vielleicht hätte ich mich für einige andere Übersetzungen entscheiden sollen, aber ich glaube wirklich, dass die deutsche Plattform ziemlich gut aussieht.

Die Diskussionen unter den Übersetzern waren ja mitunter sehr leidenschaftlich – wie ist denn das Feedback von den deutschen Twitter-Nutzern?

Das Feedback von neuen Twitterern war überwältigend positiv. Ich freue mich riesig, wenn ich positive Erwähnungen von @twitter_de sehe. Du hast aber Recht, dass die Debatten im Forum manchmal ein bißchen aus dem Rahmen fielen. Ich habe viele negative E-Mails wegen der “Du”-Entscheidung erhalten – ich werde immer noch von “Du”-Alpträumen geplagt! Aber andererseits fand ich es eigentlich toll, mit wie viel Leidenschaft die Benutzer sich dem Projekt gewidmet haben. Hoffentlich twittern sie immer noch so, trotz der Übersetzungsentscheidungen. :-)

Was ist für dich die interessanteste Entwicklung im Internet in den letzten Jahren und was müsste noch erfunden/verbessert werden?

Ich bin wirklich vom Echtszeitsinformation-Phänomen angetan,Twitter natürlich eingeschlossen. Es ist erstaunlich, dass man jetzt Informationen erhalten kann mit irgendeinem Apparat, überall auf der Welt und zur gleichen Sekunde, in der es geschieht. Es ist, als ob die ganze Welt auf einmal miteinander kommuniziert. Das finde ich großartig und sehr ermächtigend. Zum Beispiel wird Twitter schon von dem United States Geological Survey (USGS) eingesetzt, weil sie durch Twitter-Benutzer schneller als mit einem Seismographen feststellen können,  wo ein Erdbeben passiert ist und wie stark es war – Leute twittern darüber in dem Moment, in dem es passiert. Das ist der Aspekt von Echtszeitkommunikation, den  ich wirklich aufregend finde – die Technologie ist zwar hervorragend und wir stellen eine tolle Plattform zur Verfügung, aber es sind die Benutzer, die die Inhalte beitragen.

Aber die Ära der Echtzeitkommunikation fängt ja erst an. Zwar steht jetzt viel Information zur Verfügung, aber es ist, meiner Meinung nach, immer noch viel zu viel – eine Informationswelle. Echtszeitskommunikationsanbieter wie Twitter müssen wirklich hart daran arbeiten, irgendwelche Filter zu entwickeln, um den Benutzer einige Einschränkungsmöglichkeiten anzubieten. Sonst ersaufen wir einfach alle in einer Informationsflut. Man kann ja nur so viele Tweets auf einmal verarbeiten . :-)

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg noch bei der Internationalisierung von Twitter! Nestoria findet man bei Twitter übrigens unter @nestoria.

Zeitmaschine SepiaTown

Letztens bekam ich eine Mail von unserem Hausverwalter, als kleines Extra hatte er ein Bild von unserem (denkmalgeschützten) Haus aus dem Jahre 1975 angehängt. Auf diesem kleinen, schwarz-weiss Foto ist nur die Hälfte von dem da, was jetzt steht, und die Hälfte ist noch dazu ziemlich heruntergekommen. Da verzeiht man schonmal die ein oder anderen altersbedingten Probleme mit Wasserleitungen…

Jedenfalls finde ich es immer sehr interessant zu sehen, wie Häuser oder Städte früher aussahen. Da kommt die Seite SepiaTown gelegen.

Screen shot 2010-02-23 at 15.04.57

Dort kann man sich mit Hilfe von Google Maps anschauen, wie bestimmte Orte sich verändert haben. Nutzer können Fotos (oder andere Bilder) hochladen und mit Orten verknüpfen. Dadurch entsteht eine schöne Sammlung von alten Bildern, die sonst vielleicht in Schubladen und alten Fotoalben auf dem Dachboden vergessen wären.

Bisher findet sich für Deutschland noch kein Eintrag, aber das kann ja noch werden. Die anderen Bilder sind aber auch interessant: Zum Beispiel die Tower Bridge in London, 1892 oder wie es in Manhattan aussah lange bevor die Twin Towers gebaut wurden.

So klingt Nestoria

Es ist Freitag, das Wochenende ist zum greifen nah. Zur Einstimmung hier ein kleiner Linktipp: Codeorgan.

codeorgan

Man gibt einfach eine URL an und Codeorgan verwandelt den Code in Musik. Natürlich hab ich das gleich mal mit Nestoria ausprobiert, tatsächlich hören sich unsere internationalen Seiten alle anders an:
Nestoria Italia hat was von Lounge Musik, während Nestoria España mehr in den Elektro/Club Bereich geht. Nestoria UK erinnert mich ein wenig an die 70er, mit der elektronischen Orgel. Und Nestoria Deutschland hat den Funk!
Nett ist auch, dass zwar Drums und Synthesizer variieren, die Grundmelodie aber gleich bleibt. Verschiedene Interpretationen des selben Liedes, sozusagen.

Wenn unsere Programmierer von “schönem Code” sprechen werd ich in Zukunft bei Codeorgan vorbeischauen und prüfen ob der Code nicht nur schön aussieht, sondern sich auch schön anhört. Qualitätskontrolle mal anders!

Schönes Wochenende!

ITO World bei TED

Unsere Freunde von ITO beschäftigen sich vor allem mit Daten und Analyse zum Thema öffentliche Transportmittel und sind in diesem Zuge natürlich auch sehr bei OpenStreetMap engagiert. Vor ein paar Wochen wurden sie von Tim Berners-Lee, dem “Vater des Internet” gebeten, ein Visualisierung zu “Open Data 2009″ für seinen Vortrag bei der TED-Konferenz zu produzieren. ITO entschied sich dafür, die Geschichte von OSM in Haiti nach dem Erdbeben zu erzählen.




Gerade nach einer solchen Katastrophe ist es essentiell, dass Hilfskräfte zuverlässige Ortsdaten zur Verfügung haben um Einsätze koordinieren zu können. Schon nach 12 Stunden sieht man die ersten weißen Blitze aufleuchten die anzeigen, dass die Karte editiert wurde. Grüne Straßen sind Hauptstraßen, rote Nebenstraßen. Viele neue Attribute wurden hinzugefügt, zum Beispiel die Flüchtlingslager in blau. Diese Visualisierung der Tage nach dem Erdbeben zeigen, wie schnell in der Community reagiert wurde. Gerade dies ist einer der unschlagbaren Vorteile von OSM: Die Karten können unglaublich aktuell sein.

In diesem Fall stammen viele der Informationen auch von Satelliten, deren Daten öffentlich zur Verfügung gestellt wurden. In vielen Ländern findet momentan eine Debatte zu freien Daten statt, immer mehr Regierungen stellen statistische Daten online zur Verfügung damit sie in zahlreichen Projekten aufgearbeitet und zugänglich gemacht werden können.

Gute Nachrichten: Weniger Pageviews bei Nestoria!

Hier bei Nestoria freuen wir uns wenn unsere Pageviews (Seitenabrufe) zurückgehen. Der ein oder andere mag sich da verwirrt am Kopf kratzen, aber bei uns funktioniert eben manches anders.

Wir sind zuallererst eine Suchmaschine, und als solche geht es uns vor allem darum unseren Nutzern möglichst schnell und einfach das anzuzeigen, was sie suchen und sie dann weiterzuschicken. Je schneller ein Nutzer glücklich weiterzieht, desto weniger Pageviews generiert er. Deswegen: Weniger Pageviews = zufriedenere Nutzer.

Vor ein paar Wochen haben wir unserer Ergebnisseite ein neues Feature verpasst. Ohne jetzt zu sehr auf die technischen Details einzugehen: Ab sofort aktualisieren sich die Suchergebnisse automatisch, wenn die Karte bewegt oder die Regler verschoben werden. Dadurch müssen Nutzer noch weniger klicken und finden noch schneller was sie suchen.

Wir testen die Neuerung schon seit einer Weile, und bisher war das Feedback positiv. Wenn Sie eine Frage oder Anregung zur Neuerung haben möchten wir das natürlich auch hören.

Neuer Partner bei Nestoria: Immowelt

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Der erste von hoffentlich vielen weiteren Partnern, die wir dieses Jahr bei Nestoria willkommen heißen dürfen, ist Immowelt. Ab sofort können Nutzer auch auf die zahlreichen Angebote aus ganz Deutschland von Immowelt zugreifen. Wir freuen uns über den angenehmen Start in unsere Partnerschaft und hoffen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit!

Nestoria Immobiliensuche in Layar

Letztes Jahr habe ich in diesem Blog noch von der Zukunft mit Augmented Reality geschwärmt, knapp ein halbes Jahr später freuen wir uns ankündigen zu dürfen, dass ab sofort unsere Immobiliensuche für Großbritannien auch in Layar verfügbar ist. In Zusammenarbeit mit Samsung UK wird die Nestoria Suche exklusiv als Bundle mit dem Samsung Galaxy ausgeliefert. Hier ein Video, in dem Matteo vom Nestoria Italia Blog und ich die Funktionen vorstellen:

Layar wird zusammen mit einigen exklusiven Anwendungen auf dem Samsung Galaxy in Großbritannien vorinstalliert sein. Das Handy funktioniert mit Android OS. Layar ist momentan nicht für’s iPhone verfügbar, ist aber für Anfang dieses Jahres angekündigt.