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Interview mit Chris Osborne, Neogeograf

Schlag auf Schlag folgt auch schon das Interview des Monats März. Diesmal haben wir mit Chris Osborne gesprochen, dem Mann der das WhereCampEU organisiert, das diesen Freitag in London beginnt.

Chris organisiert regelmäßig #geomob Events hier in London und hat letztes Jahr mit uns an Wo soll ich hinziehen gearbeitet. Er arbeitet bei ITO World, die erst vor kurzem hier im Blog vorkamen.

Du organisierst das erste WhereCamp in Europa. Kannst du uns erklären was ein WhereCamp ist und wie du auf die Idee gekommen bist eins zu organisieren?*

Ich war letztes Jahr auf meinem ersten WhereCamp im Silicon Valley, direkt nach der Where 2.0 Konferenz, und ich fand die partizipative Natur der Veranstaltung großartig. Es ist eine unstrukturierte Konferenz, oder Unkonferenz, wie die jungen Leute sagen, die einen leeren Fahrplan hat den die Teilnehmer selber gestalten, indem sie Sitzungen oder Lightning Talks veranstalten. Wie der Name schon sagt geht es um Geografie, Orts- und Ortungstechnologien. Als Geografie-Geek hatte ich so viel Spaß, dass ich einfach das erste WhereCamp in der EU organisieren mußte.

Wen erwartest du auf der Veranstaltung?

Ich habe schwer daran gearbeitet ein große Bandbreite an Teilnehmern anzusprechen, ein schneller Blick auf die Ticket-Liste zeigt, dass über 13 verschiedene Länder vertreten sind, mit Leuten die verschiedene Hintergründe haben: Regierung, Web 2.0 Start-ups, nationale Kartografieinstitutionen, OpenStreetMap Leute, Akademiker, Blogger und natürlich ihr von Nestoria.

Du sagst von dir selber, dass du leidenschaftlicher “Neogeograf” bist. Was ist Neogeografie und was ist so spannend daran?
Neogeografie beschäftigt sich mit kollaborativer Kartografie, Karten die von Leuten generiert werden und so die Grenze zwischen Kartneersteller und Kartennutzer verschwinden lassen. Ich interessiere mich sehr für die Möglichkeiten einer erweiterten Demokratie die entstehen, wenn Menschen mehr über ihr Umfeld erfahren und an wichtigen Entscheidungen teilhaben können. Bei ITO World arbeiten wir daran komplexe Transportnetzwerke zu visualisieren, so dass Gemeinschaften sehen können wie Planungsentscheidungen sie betreffen. In meiner eigenen Gegend z.B., Clapton, haben Anwohner diesen Monat eine neue geplante Wohnsiedlung abgelehnt, teilweise wegen dem Mangel an Planung in Bezug auf Transport: Residents continue fight to save Clapton Tram Sheds (englisch).

Was ist für dich die interessanteste Entwicklung  der letzten Jahre in Bezug auf Internet Technologien?

Im Moment interessiere ich mich vor allem dafür, wie Menschen mit Technologie interagieren. Ich habe mich zu lange auf Technologie konzentriert und ich versuche einen Schritt zurück zu gehen und mich mehr mit Nutzerinteraktion zu beschäftigten. Ich glaube der Touchscreen ist etwas das die IT-/Internetnutzung immer weiter vorantreiben wird, es ist ein natürliches Interface das es vorher so noch nicht gegeben hat. Der größte Coup den Apple gelandet hat, war es die Leute davon zu überzeugen, dass das iPhone kein Computer ist, sondern ein Mobiltelefon. Ich erwarte in Zukunft viel mehr eingebettete Touchscreen Geräte an allen möglichen neuen Orten zu sehen.

Worauf wartest du noch, was ist eine Applikation, ein Service etc. die du dir für die Zukunft wünschst?

WhereOnEarthIsMyBus.com

Vielen Dank für das Interview, Chris!

Wir freuen uns schon sehr auf das WhereCampEU, das wir u.a. zusammen mit anderen, weniger bekannten Suchmaschinen wie Google, Bing und Yahoo! als Sponsoren unterstützen.

*aus dem engl. übersetzt, Original bei Nestoria Blog UK

Interview mit Yule Schmidt, Internationalisierungsspezialistin bei Twitter

Unser Interview für den Februar haben wir mit Yule Schmidt geführt, die die deutsche Übersetzung von Twitter, die vor kurzem live gegangen ist, koordiniert hat. Zusammen mit vielen anderen Twitter-Nutzern habe auch ich dabei geholfen die Seite zu übersetzen.

yule_schmidt

Yule Schmidt, Twitter

Hallo Yule. Du arbeitest bei Twitter und warst u.a. für die deutsche Übersetzung der Seite zuständig. Kannst du kurz erklären was du genau bei Twitter so machst?

Ursprünglich wurde ich als Inter- nationalisierungsspezialistin für Deutsch angestellt. Mein Job bestand darin, die Übersetzung der Plattform durch unsere Übersetzer zu koordinieren, sowie einige Dokumente, wie die AGB und Datenschutz- bestimmungen selbst zu übersetzen (wir wollten unsere Übersetzer nicht mit so langen, komplizierten Seiten verschrecken!). Jetzt bin ich hauptsächlich für den Unterhalt der Webseite, sowie die Übersetzung der Hilfsartikel verantwortlich. Ich antworte auch auf alle Hilfsanfragen von deutschen Benutzern. Zur gleichen Zeit arbeiten die anderen Übersetzer und ich immer noch mit den Technikern, um den Übersetzungsprozess für künftige Sprachen mit einem verbesserten Übersetzungs-Tool zu vereinfachen.

Die Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen wurden crowdsourced, d.h. mit Hilfe der Nutzer erstellt. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, statt professionelle Übersetzer anzuheuern?

Erstens wollten wir die Ideen unserer Benutzer unbedingt in unsere Übersetzung integrieren – es sind letzten Endes die Benutzer, die die Plattform benutze. Durch die Debatten im Übersetzungsforum hatte ich ein bißchen Einblick in die Wünsche der Benutzer bekommen – natürlich konnte ich nicht jeden Wunsch erfüllen, aber ich habe versucht, einen Mittelgrund zu erreichen. Ursprünglich wollte ich unbedingt das Wort “Follower” übersetzen – ich dachte, eine Übersetzung wäre tausend Mal besser als das Englische Wort. Aber im Forum (und auch im Tool – denn ich konnte sehen wie viele Leute eine bestimmte Übersetzung gewählt haben) habe ich schnell gemerkt, dass die Benutzer lieber das englische Wort beibehalten wollten, also heißt es heute immer noch “Follower”.

Zweitens wollten wir nicht nur die Webseite ins Deutsche (und Französische, Italienische und Spanische) übersetzen, wir wollten ein wirksames Übersetzungs-Tool entwickeln, das wir für künftige Sprachen benutzen können. Twitter ist jetzt in fünf Sprachen außer Englisch verfügbar, aber für jede Übersetzung hatten wir interne Übersetzungshilfen. Der Übersetzungsleiter(in) für jede Sprache hat alle Übersetzungen überprüft und bearbeitet. Hoffentlich ist unsere Übersetzungsplattform bald für hundert Sprachen verfügbar, aber wir können einen derartig intensiven Übersetzungsprozess nicht für alle künftige Sprachen  beibehalten. Stattdessen wollen wir das Tool einfach perfektionieren. Dann können Leute überall auf der Welt die Plattform in ihre Sprache übersetzen, ohne dass sie unsere Steuerung brauchen.

Wie ist das Projekt gelaufen, glaubst du, dass ihr im nachhinein wieder dieselbe Entscheidung treffen würdet?

Meinerseits war das Projekt wirklich fantastisch; eine tolle Erfahrung.  Natürlich war der ganze Prozess nicht perfekt, aber die FIGS Sprachen waren ja unsere ersten Übersetzungsversuche mit dem Übersetzungs-Tool. Die einzige Sache, die ich in der Zukunft ändern würde, ist die Leistungsanerkennung für  unsere Helfer (also die Benutzer). Wie schon gesagt, habe ich die AGB und Datenschutzbestimmungen alleine übersetzt, weil wir fürchteten, es sei zu mühsam für die Benutzer: Die Übersetzung sollte Spaß machen  und nicht belastend sein. Hoffentlich können wir für die Übersetzer ein bißchen mehr anbieten als ein Abzeichen auf ihrer Profilseite, damit sie uns auch mit solchen Dokumenten helfen werden.

Aber wenn Du gemeint hast, ob ich persönlich die gleichen Übersetzungen wählen würde, kann ich ehrlich “Ja” sagen. Direkt nach dem Start der deutschen Seite dachte ich, dass ich einen furchtbaren Fehler mit meinen Übersetzungsauswahlen gemacht habe, denn ich habe ziemlich viel negatives Feedback von den Übersetzern bekommen. Aber jetzt, da unser User-Basis sich schwer vegrößert und verbreitet hat, beklagen sich Leute viel weniger darüber. Vielleicht hätte ich mich für einige andere Übersetzungen entscheiden sollen, aber ich glaube wirklich, dass die deutsche Plattform ziemlich gut aussieht.

Die Diskussionen unter den Übersetzern waren ja mitunter sehr leidenschaftlich – wie ist denn das Feedback von den deutschen Twitter-Nutzern?

Das Feedback von neuen Twitterern war überwältigend positiv. Ich freue mich riesig, wenn ich positive Erwähnungen von @twitter_de sehe. Du hast aber Recht, dass die Debatten im Forum manchmal ein bißchen aus dem Rahmen fielen. Ich habe viele negative E-Mails wegen der “Du”-Entscheidung erhalten – ich werde immer noch von “Du”-Alpträumen geplagt! Aber andererseits fand ich es eigentlich toll, mit wie viel Leidenschaft die Benutzer sich dem Projekt gewidmet haben. Hoffentlich twittern sie immer noch so, trotz der Übersetzungsentscheidungen. :-)

Was ist für dich die interessanteste Entwicklung im Internet in den letzten Jahren und was müsste noch erfunden/verbessert werden?

Ich bin wirklich vom Echtszeitsinformation-Phänomen angetan,Twitter natürlich eingeschlossen. Es ist erstaunlich, dass man jetzt Informationen erhalten kann mit irgendeinem Apparat, überall auf der Welt und zur gleichen Sekunde, in der es geschieht. Es ist, als ob die ganze Welt auf einmal miteinander kommuniziert. Das finde ich großartig und sehr ermächtigend. Zum Beispiel wird Twitter schon von dem United States Geological Survey (USGS) eingesetzt, weil sie durch Twitter-Benutzer schneller als mit einem Seismographen feststellen können,  wo ein Erdbeben passiert ist und wie stark es war – Leute twittern darüber in dem Moment, in dem es passiert. Das ist der Aspekt von Echtszeitkommunikation, den  ich wirklich aufregend finde – die Technologie ist zwar hervorragend und wir stellen eine tolle Plattform zur Verfügung, aber es sind die Benutzer, die die Inhalte beitragen.

Aber die Ära der Echtzeitkommunikation fängt ja erst an. Zwar steht jetzt viel Information zur Verfügung, aber es ist, meiner Meinung nach, immer noch viel zu viel – eine Informationswelle. Echtszeitskommunikationsanbieter wie Twitter müssen wirklich hart daran arbeiten, irgendwelche Filter zu entwickeln, um den Benutzer einige Einschränkungsmöglichkeiten anzubieten. Sonst ersaufen wir einfach alle in einer Informationsflut. Man kann ja nur so viele Tweets auf einmal verarbeiten . :-)

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg noch bei der Internationalisierung von Twitter! Nestoria findet man bei Twitter übrigens unter @nestoria.

Interview mit Kai Bösel von motoso.de

Auch im November gibt es wie immer ein Interview. Wir haben diesen Monat Kai Bösel vom Internet-Marktplatz motoso.de ein paar Fragen gestellt.

Kai Bösel, Geschäftsführer von motoso.de

Kai Bösel, Geschäftsführer von motoso.de

1. Bei motoso.de geht es um alles rund um’s Auto. Bitte erklär unseren Lesern doch kurz was sie bei motoso erwartet.

motoso.de ist ein Marktplatz für Neu- und Gebrauchtwagen, Ersatzteile, Zubehör und Kfz-Service.
Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die zentrale Anlaufstelle für alle Belange des “mobilen” Lebens zu sein und jedem Interessierten und Suchenden weiterzuhelfen, indem wir Angebot und Nachfrage zusammenführen.
Über unsere teilnehmenden Autohändler, Kfz-Werkstätten, Autoverwerter und Online-Shops bieten wir derzeit über 250.000 Fahrzeuge, über 5 Mio. neue und gebrauchte Ersatzteile, Zubehör und Tuning-Artikel sowie über 3000 gelistete Werkstattpartner.
Und eine Prise “Benzin im Blut” gibt es bei uns auch: In unserer Community “motoZone” betreiben wir einen Blog und es finden immer wieder spannende Aktionen und Promotions statt.

2. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Internet-Marktplatz mit dem Schwerpunkt Auto zu gründen? Seid ihr selber Autobastler oder Tuner?

Mein Gründungskollege Felix Jung und ich haben uns während unser gemeinsamen Zeit bei mobile.de kennengelernt.
Dort haben wir viel mit Internet-Autothemen zu tun gehabt und bemerkt, dass es fast ausschließlich Plattformen und Marktplätze für Fahrzeuge gibt.
Aus dem Grund sind wir 2004 mit motoso.de als erstem Internet-Marktplatz für Autoteile und Zubehör gestartet. 2006 haben wir den Bereich “Werkstatt & Reparaturen” ergänzt und erst Mitte 2008 kam durch die Übernahme des Portals autoanzeigen.de das Thema “Fahrzeuge” hinzu.
Schrauben selbst tun wir nicht – obwohl auch unsere eigenen Fahrzeuge (Chevy Van G10 Bj.’88, Mini Cooper Bj.’91 und Alfa Spider Bj.’91)  recht viel Hilfe benötigen. Aber immerhin wissen wir durch unseren Job, wen wir um Hilfe bitten können.

3. Wie wichtig ist Web 2.0. für euch? Nutzt ihr soziale Netzwerke für eure Seite?

Unser erster Schritt in’s Web 2.0 war unser eigener Blog unter motoblog.de, den wir mittlerweile auf unserem Marktplatz motoso.de eingegliedert haben.
Dort haben wir von unseren Messeauftritten, Motorsport-Events und aus der automobilen Szene berichtet .
Seit 2008 verlängern wir diese Themen auch in unsere Facebook-Fanpage und unseren Twitter-Account.
Auch wenn unsere heavy-User nicht unbedingt diese Kanäle noch nicht massiv nutzen, wollen wir hier “early bird” sein und die Interaktion mit unseren Nutzern suchen.
Außerdem können wir uns so als ehrliche, glaubwürdige und sympathische Marke positionieren, die weiss, was “automobil” abgeht.
Aktuell haben wir in unserer Rubrik “motoVIP” gerade 10 charmante Fragen rund um’s Auto von der aktuellen Miss Tuning beantworten lassen.
Insofern lohnt sich der Besuch der Website auch dann immer mal wieder, wenn man gerade kein Fahrzeug oder Autoteil sucht oder verkaufen möchte.

4. Was sind für dich die interessantesten Entwicklungen oder Applikationen momentan im Internet? Was fehlt dir, was muss noch erfunden werden?

Ehrlich gesagt sind für mich derzeit die vielen kleinen Spiele wie Farmville oder Mafia Wars auf Facebook eine interessante aber auch durchaus fragwürdige Entwicklung.
Ich habe mich bisher noch nicht für so eine Geschichte angemeldet, weil das aus meiner Sicht schlicht Zeitverschwendung ist.
Trotzdem gibt es derzeit nichts, was sich vergleichbar schnell entwickelt und User intensiv bindet.
Daher muss ich vielleicht mal drüber nachdenken, wie man sowas für motoso.de nutzen kann, ohne sich gleich als Kommerz-Bude eine blutige Nase bei den Usern zu holen.

5. Was sind eure Pläne für die Zukunft, in welche Richtung habt ihr vor euch zu entwickeln?

Unsere Investoren sind die 3 großen Tageszeitungsverlage WAZ, Holtzbrinck und Ippen, daher haben wir eine enge Zusammenarbeit mit über 100 Tageszeitungen in Deutschland.
Mit Hilfe dieser Zeitungen haben wir vor, on- und offline starke regionale Marktplätze zu etablieren.
Zwar ist der Wettbewerb der Online-Fahrzeugbörsen groß, aber wir schließen die Lücke zu Print durch die starke Verbindung mit den Tageszeitungen.
Darüber hinaus bieten wir eine umfassende O2P-Technik (Online to Print), mit der Inserate aus unserer Börse direkt in die Tageszeitungen eingebucht werden können.
Diese Tools und Partnerschaften werden wir 2010 ausbauen und vertiefen.
Darüber hinaus entwickeln wir neue hilfreiche Tools wie unsere Werkstattsuche, eMail-Suchaufträge, Werkstattbewertungen etc.

Zum Glück ist das Thema “Auto” krisensicher und immer ein Top-Thema aller Menschen, denn jeder möchte zu jedem Zeitpunkt seine Mobilität möglichst kostengünstig erhalten.
Und bei wem es für einen Neu- oder Gebrauchtwagen nicht reicht, der kann sein aktuelles Fahrzeug mit Hilfe unserer Teile oder Werkstätten auf der Straße halten.

Vielen Dank für das Interview und auch in Zukunft noch viel Erfolg mit motoso.de!

Interview mit Andreas Bogen von Opportuno

Der Oktober hat begonnen und es wird Zeit für ein neues Interview.

Diesen Monat interviewen wir Andreas Bogen, einen der Geschäftsführer von Opportuno, der Job-Suchmaschine für Deutschland.

opportuno

1. Hallo Andreas! Ihr bei Opportuno macht für Stellenangebote was Nestoria für Immobilien macht – ihr findet Stellenangebote im Internet und stellt sie übersichtlich auf eurer Seite dar.
Kannst du unseren Lesern kurz erklären was Opportuno ausmacht und wie ihr auf die Idee gekommen seid, eine Suchmaschine für Stellenangebote anzubieten?

Die ersten Ideen für Opportuno entstanden vor ca. 5 Jahren. Uns ist damals aufgefallen, dass man auf Firmenwebsites meist viel mehr Stellenangebote findet als in den gängigen Jobbörsen. Zunächst haben wir ein kleines Tool für den Eigenbedarf entwickelt, das die Stellenangebote von mehreren Firmenseiten in einer Suche zusammenfasst. Aus diesem Hobbyprojekt wurde in den letzten Jahren eine ausgereifte Suchmaschine. Heute durchsuchen wir über 1.500 Firmenwebsites und Jobbörsen nach Jobs, wobei Firmenseiten nach wie vor unsere Spezialität sind. Wir können fast jede Website in kurzer Zeit anbinden und crawlen auch Daten aus dem sog. “Deep Web”, das für herkömmliche Suchmaschinen unerreichbar ist.

2. Ihr seid in Deutschland ansässig. Man hört ja oft, dass es für IT Start-ups in Deutschland nicht unbedingt einfach ist. Wie nehmt ihr das wahr?

Fakt ist: die USA bieten einige unbestreitbare Vorteile für Internet-Startups. Ein homogener Markt von 300 Mio Menschen mit nur einer Sprache, einem Rechtssystem und einer Medienlandschaft erlaubt Skaleneffekte, von denen wir nur träumen können. Dementsprechend fallen Finanzierungen und Erlöse auch um einiges größer aus als in Deutschland. Und mit prall gefüllten Kassen lassen sich größere Risiken eingehen und ausländische Märkte leichter erobern. Das soll jedoch nicht heißen, dass der Standort Deutschland unattraktiv wäre. Gerade in unserer Branche gibt es viele nationale Eigenheiten, die einer globalen “one size fits all” Strategie entgegenstehen. Gleichzeitig ist Deutschland groß genug, um auch hier zu wachsen. Wer mit seinem Startup die Welt verändern möchte, ist aber vermutlich im Silicon Valley besser aufgehoben.

3. Was ist deiner Meinung nach wichtiger für eine Suchmaschine, der Inhalt der Datenbank oder die visuelle Darstellung der Ergebnisse?

Beides ist wichtig. Wenn die Darstellung schlecht ist, wird niemand die verborgenen “Schätze” entdecken – egal wie gut die Datenbank ist. Ein elegantes Interface kann auf der anderen Seite keinen guten Content ersetzen. Die Qualität der Datenbank ist dabei nicht zu verwechseln mit der Quantität. Einige Jobsuchmaschinen werben mit der schieren Größe ihres Indexes. Diese Zahl lässt sich jedoch leicht manipulieren und sagt nichts über die Qualität der Daten aus. Cuil hatte angeblich auch einen größeren Index als Google…

4. Yahoo und Microsoft schicken sich ja grade an Google Druck zu machen, indem sie sich zusammengeschlossen haben. Gleichzeitig entstehen immer mehr vertikale Suchmaschinen wie Nestoria und Opportuno, die sich auf bestimmte Themen spezialisieren. Wie siehst du diese Entwicklungen?

Google ist mit einem geschätzten Marktanteil von über 90% in Deutschland ganz klar der Gatekeeper, an dem niemand vorbeikommt. Egal ob Onlineportal, Nachrichtenseite oder vertikale Suchmaschine, jeder ist abhängig von Google. Diese Abhängigkeit ganzer Branchen von einem einzigen Unternehmen birgt enorme Risiken. Insofern begrüßen wir den Vorstoß von Yahoo und Microsoft, auch wenn sich in naher Zukunft nicht viel an den Kräfteverhältnissen ändern wird.

5. Was sind die interessantesten Entwicklungen oder Applikationen momentan im Internet? Was fehlt dir, was muss noch erfunden werden?

Unser besonderes Interesse gilt natürlich den Stellenmärkten. Hier sehen wir zwei Trends, die den Markt langsam aber stetig verändern: zum einen werden Suchmaschinen, sowohl allgemein als auch vertikal, als Trafficquellen immer wichtiger. Zum anderen drängen Businessnetzwerke wie Xing und LinkedIn mit eigenen Stellenmärkten in den Markt. Es gibt also auf der einen Seite einen Trend zur breiten Streuung über Suchmaschinen, auf der anderen Seite zur gezielten Kandidatenansprache in der geschlossenen Welt der Businessnetzwerke. Spannend wird die Verknüpfung dieser zwei Trends, die bislang noch niemand erfolgreich umgesetzt hat.

Außerhalb des Jobmarktes finde ich vor allem die Entwicklungen im Mobile Commerce Bereich interessant. Ich warte noch auf ein Handy mit Barcode-Scanner, das mir wirklich einfach und zuverlässig zu jedem beliebigen Produkt Preise, Tests, Erfahrungsberichte, Nährwertangaben (bei Lebensmitteln) und den günstigsten Anbieter in meiner Nähe anzeigt. Es gibt bereits erste Applikationen, die in diese Richtung gehen. Reif für den Massenmarkt sind diese allerdings noch nicht.

Interview mit Klaus Bechtold von GPSies

Diesen Monat haben wir Klaus Bechtold von GPSies zum Interview gebeten. GPSies ist eine Seite die sich an Besitzer von GPS-fähigen Geräten richtet und hat eine stetig wachsende Community von internationalen Nutzern.

GPSies

1.
 Hallo Klaus! Du betreibst ja GPSies jetzt schon seit ein paar Jahren sehr erfolgreich. Kannst du für unsere Leser kurz erklären wie du auf die Idee kamst und was genau GPSies eigentlich ist?

Ganz kurz gesagt: GPSies ist ein Internet-Portal für Outdoor- und Sportstrecken. Bis heute wurden 250.000 Strecken von der Community gesammelt, gespeichert und auf den Karten dargestellt. Naja, das war die Kurzfassung. GPSies ist stark auf die Verwendung mit GPS-Geräten ausgerichtet und bietet als Highlight neben dem Strecken-Editor auch einen Online-GPS-Konverter, der sogar Höhendaten “on-the-fly” in den GPS Track einweben kann – technologisch eine wahre Herausforderung.

Aufgrund der offenen Schnittstellen können auch mobile Geräte, wie z.B. iPhone, BlackBerry oder Android an GPSies angeschlossen werden und Strecken austauschen. Die stark praxisorientierten Funktionen von GPSies werden von der Community geschätzt und geliebt, das Feedback ist überwältigend.
 Auf die Idee bin ich gekommen, weil ich genau so ein Tool gesucht und nicht gefunden hatte. Ich bin selbst Läufer und hatte im Jahr 2006 eine kostenlose Möglichkeit gesucht, wie ich meine aufgezeichneten GPS-Strecken visualisieren konnte – da gab es damals noch nicht viel, eigentlich gar nichts. Da ich neben Hobby-Läufer auch noch Software-Entwickler bin, fing ich an, GPS zu verstehen und das System zu entwickeln. Dass GPSies mal so groß werden würde, ist einfach passiert, das war so nie geplant :-)

2. 
In unserem Blog berichten wir immer wieder gerne über das OpenStreetMap Projekt. Inwiefern ist das für dich interessant und was hältst du davon?

Ich liebe OpenStreetMap (OSM) – das ist die beste Erfindung nach GPSies ;-) ! Spaß beiseite, OSM steht bei GPSies stark im Vordergrund. Zurzeit werden zwei verschiedene OSM Karten bei GPSies angeboten: die Standard-OSM Karte und die eine spezielle Fahrrad-Karte. Die Karten sind super und teilweise genauer als die kommerziellen – hier in Berlin ist das die beste und aktuellste Karte.
 GPSies leistet selbst aktiven einen Beitrag zur Unterstützung von OSM. Jeder Benutzer der GPSies Community kann entscheiden, ob er seine Strecke einfach per Knopfdruck an OSM sendet. Das machen mittlerweile sehr viele und somit ist GPSies sogar weltweit an Platz 15 der ” OpenStreetMap Top 50 users for uploads of GPS data”.

3. 
Was ist für dich momentan die interessanteste Entwicklung im Internet? Was könnte deiner Meinung nach “the next big thing” werden?

Die interessantesten Entwicklungen für mich sind die immer stärker zusammenwachsenden Dienste. Beispielsweise das Senden von Strecken per API an OSM, das Holen von Picasa Bildern auch via API und Einbinden in die GPSies Karte, das Senden neuer Strecken via Twitter-API, usw. Wir Portal-Betreiber kooperieren immer mehr und daraus werden individuelle und nützliche Funktionen, die man sich vorher nie vorstellen konnte. Mein Augenmerk liegt zurzeit stark im mobilen Bereich. GPSies gibt es auch als mobile Variante und ich bemerke auch dort einen starken Anstieg der Nutzung. Auch die von mir entwickelte Android Version wird immer mehr wahrgenommen und installiert (3.500 Installationen seit Juni 2009). Android ist übrigens mein neuestes Steckenpferd, die GPSies Android Version wird um weitere Funktionen ausgebaut.
Im Bereich von Streckenportalen werden sicherlich noch einige nützliche lokal-basierte Dienste hinzukommen (Live-Tracking, Verknüpfung von POI-Diensten wie Qype, servergesteuerte Trainingshilfen, usw.)

4. Was ist deine Erfahrung mit der deutschen Internetcommunity? Im Interview mit Christian Heilmann und Victor Henning erwähnen beide, dass die Sprachbarriere durchaus Hindernis sein kann, da Neuigkeiten oft im englischen Sprachraum veröffentlicht werden. GPSies ist ja inzwischen auch über Deutschland hinaus bekannt. Was sind deine Erfahrungen in Bezug auf Deutschland und die internationale Community?

Für mich gibt es keinen Unterschied, ob ich mit der deutschen oder internationalen Internetcommunity kommuniziere. Die Internetcommunity von GPSies besteht durchweg aus sehr freundlichen und aufgeschlossenen Menschen. In den drei Jahren habe ich schon sehr viele Freundschaften geschlossen, teilweise haben wir uns auch schon gegenseitig besucht. Ich war schon mal in Luxemburg eingeladen, dann mal in Österreich und da Berlin eine sehr große Anziehungskraft hat, hatte ich schon sehr viele Benutzer hier mal auf ein Bier oder zu einem gemeinsamen Lauf getroffen.

Ganz am Anfang der GPSies-Zeit hatte ein großes portugiesisches Mountainbike-Forum die Site entdeckt. Ich kam über die Log-File Analyse drauf und klinkte mich in die Diskussion ein. Die hatten echt super Ideen, darauf wäre ich als Läufer nie gekommen. Da ich die Ideen regelmäßig einen Tag später schon umsetzte, waren die natürlich voll euphorisch und fingen an, mich mit Forums-Karma zu überschütten. Am Schluss versuchten sie sogar einen Flug von Berlin nach Lissabon und ein Mountainbike zu organisieren, damit ich bei einer Challenge mitfahren sollte. Sie hatten sogar schon Ausreden überlegt, mit denen ich meine Frau besänftigen sollte, mal ein paar Tage alleine zu verreisen.

Da ich bei GPSies jeden mit „du“ anspreche, haben wir sehr geringe Kommunikationshürden. Viele der Benutzer sind 50 Jahre und älter, sehr viele Rennrad-Fahrer und Wanderer sind über 70, selbst mit dieser Gruppe lässt sich so umgehen, als ob ich mit einem 20-jährigen kommuniziere. Das liegt aber auch an der Sport-Community, uns verbindet der gleiche Geist. Als Dankeschön für die kostenlosen Dienste von GPSies bekomme ich regelmäßig Post mit Weinflaschen, Rennrad-Trikots oder Laufsocken.

5.
 Wie stellst du dir die Zukunft von GPSies vor?

Hm, das ist eine gute Frage, die ich gar nicht so leicht beantworten kann. Rein technisch und funktional wird GPSies ständig erweitert, das ist noch einfach zu artikulieren. Zurzeit forciere ich wieder die Android Version. Darauf will ich aber jetzt gar nicht eingehen.

Daneben gibt es aber noch einen anderen Punkt: ich betreibe GPSies ja nur nebenberuflich, quasi als Hobby. Die stark gewachsene Community ist neben meinem Hauptjob und meiner Familie, ich habe 2 Kinder, nur noch schwer zu betreuen. Da GPSies immer noch sehr stark wächst muss bald eine Entscheidung her – die kritische Masse ist schon lange erreicht. Mittlerweile habe ich zumindest in der Administration Unterstützung – ein befreundeter Admin hilft mir für ein kleines Salär bei der System-Betreuung. So kann ich mich zumindest um das Marketing, um die Community und um die Weiterentwicklung kümmern. Wenn GPSies jedoch weiter so stark wächst, dann habe ich jetzt schon Bedenken, wie ich das nächste Frühjahr/Sommer bewältigen soll.

Der Betrieb von GPSies (Server-Farm, IVW-Zählpixel, Admin) trägt sich selbst durch die Schaltung von Werbung – jedoch kann ich mit damit alleine nicht in das Risiko der Selbständigkeit begeben. Das Risiko kann ich meiner Familie nicht aufbürden. Ich habe schon mal über einen anteiligen Verkauf von GPSies nachgedacht – da könnte ich als “Kopf” dabei bleiben und das operative Geschäft abgeben. Mal sehen – Anfragen in dieser Richtung hatte ich schon. Ich möchte aber unbedingt, dass alle Funktionen von GPSies kostenlos bleiben. Strecken sind aus meiner Sicht allgemeingut und dürfen nicht verkauft werden.

Vielen Dank für das Interview, Klaus, und viel Erfolg weiterhin mit GPSies!

Interview mit Victor Henning von Mendeley

Victor Henning

Victor Henning

Und schon ist der August da und es ist Zeit für unser Interview des Monats. Diesen Monat haben wir mit Victor Henning gesprochen, einem der Gründer von Mendeley. Mendeley ist ein Service, mit dem Akademiker Informationen zu Quellen und Publikationen teilen können und wird im Internet als “das Last.fm für akademische Recherche” bezeichnet.

Mendeley hat ja in den letzten Monaten einiges an Lob einheimsen können. Kannst du unseren Lesern kurz beschreiben wie die Idee zu dem Projekt entstand und wie euer Service funktioniert?
Gerne! Ende 2004 hatten mein Mitgründer Jan Reichelt und ich gerade angefangen zu promovieren – ich an der Bauhaus-Universität Weimar über die Rolle von Emotionen in der Entscheidungstheorie, Jan an der Uni Köln über strategisches Informationsmanagement. Das Doktorandenleben war so großartig wie erwartet, bis auf eine Ausnahme: Literaturrecherche und -verwaltung. Die bestehenden Tools waren derart altbacken, dass man fast dachte, man müsste sie mit Lochkarten füttern.

Wir machten uns also Gedanken, was eine moderne Literaturverwaltungssoftware können sollte, um unsere Forschungsarbeit einfacher zu machen. Die Software sollte unsere Artikel-Sammlung automatisch in eine strukturierte Datenbank verwandeln, indem sie automatisch die Autor, Titel, Jahr, Journal, Keywords etc. ausliest; sie sollte automatisch Bibliographien erstellen; man sollte Artikelsammlungen einfach mit Co-Autoren synchronisieren können; und wir wollten damit PDFs lesen, markern und kommentieren.

Dann ging uns irgendwann ein Licht auf: Wenn man die individuellen Artikel-Datenbanken jedes Nutzers anonym aggregiert, tun sich ganz neue Möglichkeiten auf! Man kann Statistiken über aktuelle Forschungstrends erstellen: Welche Artikel werden gerade gelesen, an welchen Themen arbeiten die Leute? Man kann Empfehlungen generieren: Leute mit den gleichen Forschungsinteressen wie Du lesen gerade diese fünf Artikel, die Du noch nicht kennst – und ein Doktorand in den USA arbeitet an einem ähnlichen Thema wie Du, vielleicht solltet Ihr zusammenarbeiten. Der gleiche Gedanke steckt ja hinter dem Musikdienst Last.fm: Der erfasst, welche Musik die Nutzer gerade hören, und daraus generiert Last.fm Trend-Statistiken und personalisierte Radio-Streams; ebenso kann man Leute mit ähnlichem Musikgeschmack entdecken.

Ein Freund von mir, Paul Foeckler, hatte an der Bauhaus-Universität gerade seine Informatik-Diplomarbeit über Empfehlungssysteme geschrieben und passte daher perfekt ins Konzept: Wir holten ihn als dritten Gründer mit an Bord und legten mit der Entwicklung eines Prototypen los, den wir outgesourced in Weissrussland entwickeln liessen. Mit diesem Prototypen sind wir Mitte 2007 zu Stefan Glänzer gegangen – ehemaliger Ricardo.de-Gründer, zu dem Zeitpunkt Chairman von Last.fm, und einer der erfolgreichsten Business Angels in Europa.

Zum Glück für uns stand gerade der Verkauf von Last.fm an CBS für $280 Millionen Dollar an, so dass Stefan auf der Suche nach einem neuen Projekt war – und so wurde er unser erster Investor, Mitgründer und Chairman. Anfang 2008 siedelten wir die Firma in London an, bauten unser eigenes Entwicklungsteam auf, und sind seit Ende 2008 mit der ersten Public Beta-Version unserer Software am Markt. Eine Übersicht über die Features gibt’s hier: Mendeley Bibliography Manager.

Die Entwicklung dieses Jahr ist vielversprechend: Unsere fünf größten Nutzergruppen sind (in dieser Reihenfolge) MIT, Stanford, University of Michigan, Harvard und Cambridge – wir erreichen also die Forscher an den Top-Unis. Zudem haben wir den Plugg 2009 “Start-Up of the Year“ Award gewonnen, wurden bei den TechCrunch Europe Awards 2009 als “Best Social Innovation Which Benefits Society“ ausgezeichnet und waren Finalisten bei The Next Web 2009.

Mendeley Desktop Programm

Mendeley Desktop

Obwohl alle Gründer eurer Firma aus Deutschland kommen seid ihr in London ansässig. Christian Heilmann hat in unserem Interview letzten Monat davon gesprochen, dass in Deutschland die Sprachbarriere durchaus eine Rolle in der Entwicklung neuer IT-Produkte spielt, da die meisten neuen Informationen auf Englisch veröffentlicht werden. Warum habt ihr euch dafür entschieden eure Firma in Großbritannien zu Gründen? Ist die Situation im wissenschaftlichen Bereich ähnlich und hat das einen Einfluss auf die Entscheidung gehabt?

Die Sprachbarriere war tatsächlich ein Grund: Wissenschaft spielt sich vor allem auf Englisch ab, und unsere wichtigsten Märkte sind in den USA und UK, was bedeutete, dass wir auf Englisch entwickeln mussten. Das ist mit englischen Programmierern natürlich leichter.

Es gab aber noch mehr gute Gründe: Paul und Stefan waren damals bereits in London, einige der besten Unis weltweit sind direkt in der Nähe (Cambridge, Oxford, King’s College, Imperial College, UCL, LSE etc.), London ist die Venture Capital-Hauptstadt Europas, die meisten großen Internetkonzerne haben ihre Europazentralen hier, und man wird auch auf dem amerikanischen Markt anders wahrgenommen. Unser neuer Research Director, Jason Hoyt, der in Stanford in Genetik promoviert und selber ein Forschungs-Start-Up im Silicon Valley gegründet hat, wäre zum Beispiel nicht zu uns gekommen, wenn wir in Deutschland sitzen würden.

Akademiker, vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich, sind ja im allgemeinen nicht grade dafür bekannt technologieaffin zu sein. Dabei ist das Internet ein perfekter Rahmen für internationale Zusammenarbeit und gegenseitige Bereicherung von Forschung. Kannst du da einen Wandel feststellen und welche Rolle spielt euer Service dabei?

Ich glaube nicht, dass sich der Prozentsatz der Early Adopter unter Wissenschaftlern stark von dem in der Gesamtbevölkerung unterscheidet – was ja eigentlich auch erstaunlich ist, da man eigentlich einen höheren Geek- und Nerd-Faktor erwarten würde. Aber dennoch gibt es in jeder Wissenschaftsdisziplin Early Adopter – ein gutes Drittel unserer Nutzer stammt aus dem sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich.

Die meisten Tech- und Internet-Initiativen kommen aber doch aus den Life Sciences, vor allem Computational Biology und Chemie. Es gibt Trends hin zu mehr Offenheit, z.B. arbeitet die “Open Notebook Science”-Bewegung daran, alle von ihren Labormaschinen generierten Daten automatisch auf öffentliche Labor-Blogs zu übertragen und somit wertvolle Rohdaten für andere Wissenschaftler zugänglich zu machen. Einige mit uns befreundete Mediziner und Chemiker sind unter den ersten Google Wave-Hackern. Auch die Open Access-Bewegung, die von Physikern mit arXiv angeführt wurde, hat durch die Public Library of Science (PLoS)-Journals extrem an Qualität gewonnen.

Mendeley versucht ebenfalls, einen Beitrag zu besserer Vernetzung von Daten zu leisten: Wir möchten es einfacher machen, Literatur zu verwalten und auszutauschen, und durch Tagging, semantische Analyse und Forschungstrend-Charts Zusammenhänge zwischen Artikeln und Wissenschaftsdisziplinen zu verdeutlichen. Aus dieser Datenvernetzung kristallisieren sich dann auch Verbindungen zwischen Wissenschaftlern heraus, die an ähnlichen Themen arbeiten.

Google versucht ja mit Google Books Bücher einfacher über das Internet verfügbar zu machen. Wie stehst du zu diesem Ansatz und glaubst du, dass es da Berührungspunkte mit eurem Konzept gibt?

Grundsätzlich finde ich das super – ich habe schon häufiger Dinge in Google Books gefunden, auf die ich sonst keinen einfachen Zugriff gehabt hätte. Interessanterweise gab es aber einige Spannungen zwischen Google und den US-Universitätsbibliotheken, die ihre Bücher zum Scannen bereitgestellt haben. Die Bibliothekare fühlten sich bei Kommunikation und Datenzugriff aussen vor gelassen, nachdem Google ihre Bücher digitalisiert hatte und die Bibliotheken danach nicht mehr brauchte.

Berührungspunkte zu Mendeley gibt es durchaus – aber vielleicht eher im E-Book-Sektor. Wir konzentrieren uns vor allem auf wissenschaftliche Journals und weniger auf Fachbücher, aber viel Content wird in den nächsten Jahren über Amazons Kindle, Sonys E-Reader, den Plastic Logic-Reader etc. verfügbar sein, was die Vertriebsstrukturen im Academic Publishing-Sektor verändern wirbeln wird. Wir wurden schon häufiger von Verlagen angesprochen, ob sie ihren Content nicht über Mendeley verkaufen können – die Vorteile wären ein direkter Zugang zum Workflow des Wissenschaftlers, adaptives Pricing und niedrigere Kauf-Barrieren durch weniger Drop-Off-Points – und daran arbeiten wird. Ebenso haben einige unserer Nutzer uns gebeten, doch mit E-Reader-Herstellern zu kooperieren, damit sie ihre Mendeley-Artikelsammlung auch auf ihrem Reader verwalten können.

Was sind für dich die momentan spannendsten Entwicklungen im Internet? Was fehlt dir noch?

Ui, schwierig. Wie sich das Web weiter auf das iPhone und andere mobile Geräte anpassen wird, finde ich spannend – kein anderes Gerät hat mein Web-Nutzerverhalten so stark beeinflusst wie das iPhone. Und wenn ich Google Wave, HTML5, Google Gears und Adobe Air sehe, verschwimmen die Grenzen zwischen verschiedenen Webseiten, Datenbanken, Desktop- und Web-Apps, On- und Offline immer weiter – wir sind ja auch mit einer Cross-Platform-Desktop-Software und einer Website unterwegs, werden unsere Forschungstrend-Daten über eine API bereitstellen, und Mendeley-Literatursammlungen lassen sich jetzt schon auf anderen Seiten einbetten. Das finde ich faszinierend und nervenaufreibend zugleich: Wir stecken auch mittendrin im Strudel und müssen durchpaddeln.

Was mir noch fehlt: Neulich hatte ich aber die Idee für einen Kochlöffel mit integrierter elektronischer Zunge und gespeicherten Rezepten, der mir sagt, welche Zutat ich jetzt noch hinzufügen muss. Meine Freundin hat mich aber ausgelacht.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit Mendeley weiterhin!

Interview mit Carsten Germann von Immobild

Der Juli ist da und damit wird es wieder Zeit für unser Interview des Monats. Dieses Mal haben wir mit Carsten Germann vom Immobilien-Blog Immobild.de gesprochen.

Hallo Carsten! Du bist verantwortlicher Redakteur für das Blog Immobild. Kannst du unseren Lesern bitte kurz erklären worum es bei euch geht?

Mit Immobild wollen wir allen Nutzern, die sich für das Thema Immobilien interessieren, tagesaktuell neue Entwicklungen innerhalb der Branche näher bringen. Das Themenspektrum reicht dabei von interessanten Marktdaten, der Präsentation von aktuellen Mietspiegeln und Mietpreis-Indizes über Reportagen zu verschiedenen Immobilienmärkten in Deutschland und Europa bis hin zu signifikanten Trends im Bereich Immobilienfinanzierung. Wie steht es um das Zinsniveau bei der Baufinanzierung? Welches sind die attraktivsten Bürostandorte in Deutschland? Welche Entwicklung nehmen beispielsweise die Immobilienpreise in Hamburg und wo findet man Mietwohnungen? Dies sind nur einige von vielen spannenden Fragen, die unsere Nutzer interessieren und die wir bei Immobild in Form von solidem Infotainment behandeln.

Die ImmoStudie 2009 hat ja bestätigt, dass der Online-Immobilienmarkt auf dem Vormarsch ist und Kleinanzeigen an Wichtigkeit verlieren. Wie siehst Du diese Entwicklung und welche Veränderungen erhoffst du dir in naher Zukunft auf diesem Sektor?

Für das Internet als wichtigstes Vermarktungsmedium für Immobilien ist dies natürlich positiv. Das Internet, so zeigt es u. a. die ImmoStudie 2009, hat seine Vormachtstellung im Vergleich zum Vorjahr noch weiter ausbauen können und wird auch langfristig der wichtigste Vermarktungskanal für Immobilienprofis, aber auch das wichtigste Suchmedium für Immobilieninteressierte bleiben. Eine Prognose über die weitere Nutzung von Zeitungen erscheint mir schwierig, denn in diesem Bereich muss man vor allem abwarten, wie lange die Wirtschafts- und Finanzkrise für Zurückhaltung der Inserenten in den Rubrikenmärkten der Tageszeitungen sorgt.

In UK und den USA hat die Finanzkrise den Immobilienmarkt ja gehörig ins Wanken gebracht. Welche Auswirkungen hat die Krise deiner Meinung nach auf den Online-Markt in Deutschland?

Der Online-Markt in Deutschland kann als Gewinner aus der Krise hervorgehen. Voraussetzung dafür sind steigende Insertionen seitens der Immobilienanbieter bei den großen Immobilienportalen. Ein entsprechend großes Angebot an Immobilien online lockt auch immer mehr Interessenten auf führende Immobilienseiten. Hinzu kommt, und das belegen auch aktuelle Erhebungen wie die ImmoStudie 2009, dass der Stellenwert von Immobilienportalen auf Anbieterseite immer höher wird. Wenn man sieht, dass mehr als 90 Prozent der innerhalb der ImmoStudie befragten Anbieter Immobilienportale als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ einstufen, dann spricht das eindeutig für das Medium Internet als ideale Vermarktungs- und Präsentationsplattform für Immobilien.

Was sind für dich die spannendsten Entwicklungen im Internet im Moment?

Ich finde die sogenannten „Social Networks“ wie Facebook oder wer-kennt-wen.de äußerst spannend aber auch die Fortschritte, die das mobile Internet in jüngerer Vergangenheit gemacht hat. Beim mobilen Internet begeistert mich vor allem die intensive und persönliche Beschäftigung des Nutzers mit den Inhalten. Hier stehen Unterhaltung, Nachrichten und Sport ebenso hoch im Kurs wie die Suche nach Immobilien. Diese Entwicklung zu verfolgen, macht einfach Spaß.

Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg weiterhin mit Immobild.de!

Interview mit Christian Heilmann

Unser Interview für Juni haben wir mit Christian Heilmann geführt. Er ist International Developer Evangelist bei Yahoo und hat u.a. an Yahoo Maps Europe und Yahoo Answers gearbeitet. Heute reist er durch die Welt und hält Vorträge zum Thema Webentwicklung und Mashups. Ausserdem ist er Autor von mehreren Büchern über JavaScript und Ajax.

1. Du bist International Developer Evangelist bei Yahoo. Erklär uns doch bitte kurz was das ist und was genau du machst.

Mein Job ist es mit Entwicklern zu kommunizieren. Das ist schwieriger als man denkt da die normalen Kommunikationskanäle in und von Firmen nicht funktionieren. Marketing und PR sprechen nicht die gleiche Sprache wie Entwickler und der Erfolg einer Firma die Entwicklerprodukte erstellt hängt davon ab, wie einfach es ist diese anzuwenden. Meine Aufgabe ist es Dokumentation und Präsentationen zu erstellen um die ersten Schritte von Entwicklern einfacher zu gestalten. Im Umkehrschluss bin ich auch das Sprachrohr für Entwickler und erkläre deren Ideen und Probleme den Yahoo Entwicklern und Management. Intern bin ich auch einer der Ausbilder für neu eingestellte Entwickler.

2. Die letzten fünf Jahre waren eine sehr innovative Zeit für das Internet, vor allem was “Frontend-Engineering” betrifft. Fass die Neuigkeiten für unsere Leser bitte kurz zusammen. Was sind die Auswirkungen dieser neuen Technologien? Was sind die neusten Projekte die du derzeit spannend findest?

Das beste was in den letzten Jahren passiert ist, ist das unsere Entwicklungsumgebungen viel professioneller wurden. Neuere Browser haben weniger konfuse Fehler und mit Erweiterungen wie Firebug, YSLow, DragonFly und ähnlichem können wir endlich ohne Schwierigkeiten herausfinden was denn die Ursache von Fehlern ist. Bibliotheken wie YUI, JQuery, Dojo und Prototype machen es Entwicklern einfacher funktionierende Seiten und Applikationen zu erstellen ohne sich gross Gedanken über Browserunterschiede machen zu müssen und CSS Lösungen wie YUI Grids, 960 oder Blueprint machen es viel einfacher, Layouts zu erstellen.

Generell ist das was mir derzeit am meisten Spass macht zu beobachten wie sich das Web von einzelnen Seiten zu einer weltweiten Datenbank entwickelt. Anstatt einfach nur Seiten zu erstellen erlauben mehr und mehr Firmen Entwicklern auch mittels APIs an diese Daten zu gelangen, um neue und andere Applikationen mit diesen Daten zu erstellen. Das Web war für begabte Entwickler schon immer eine Fundgrube von Daten und mittels APIs und Systemen wie Pipes, YQL, Google App Engine, Gnip, Amazons S3 und EC2 und so weiter ist es immer einfacher neue Zusammenstellungen von Daten zu erstellen.

Ich arbeite derzeit viel mit Universitäten, Museen, Zeitungen und Firmen um diese Idee Entwicklern in diesen Institutionen näher zu bringen und hatte schon einige Erfolge.

Wenn es um Technologien geht bin ich schwer von Canvas, HTML5 und Aria begeistert, da diese es uns ermöglichen, funktionierende, semantische und barrierefreie Applikationen zu erstellen ohne diese in HTML, CSS und JavaScript simulieren zu müssen. Als “old-school” JavaScript Entwickler bin ich auch sehr glücklich darüber das immer mehr APIs JSON als Ausgabeformat anbieten und serverseitiges JavaScript auch immer mehr eine sinnvolle Alternative darstellt.

Geolocation ist auch ein sehr heisses und interessantes Thema. Mit Systemen wie dem iPhone und Browsern die mittels Geocode, FireEagle, Plazes oder anderen Systemen mir sagen können wo ich bin habe ich einen Bezugspunkt zur realen Welt, den ich mittels Geodaten dann auch die richtigen Ergebnisse liefern kann. Wenn mir mein Handy sagen kann welche Cafes in der Umgebung offen sind und wie gut sie bewertet wurden, dann hab ich mehr Spass in einer neuen Stadt.

3. Welches Modell glaubst du wird gewinnen -  von grossen Firmen wie Yahoo! gesteuerte Projekte wie YUI oder OpenSource Projekte wie JQuery? Warum?

Hmm, es ist immer wieder faszinierend zu sehen wie viele Entwickler meinen es gibt einen riesen Unterschied zwischen diesen Systemen. Das stimmt nicht. YUI ist open source und kann von jedem verwendet, gehostet und geändert werden. YUI3 ist sogar als branch auf Github.

JQuery wird von mehreren Firmen unterstützt, genauso wie Dojo und ist nicht nur ein Untergrund/Geek Projekt. YUI hat einen Vorteil gegenüber anderen Bibliotheken: Yahoo braucht YUI und erstellt die eigenen Sachen damit. Daher kann man sicher gehen das die offiziellen Widgets auf allen Browsern die Yahoo unterstützt funktionieren. Wer für mehrere hundert Millionen Besucher entwickelt hat dann doch ein paar gute Gründe das auch gut zu testen und in mehreren Sprachen und Märkten zu verwenden.

Man kann nicht wirklich sagen, was denn besser ist, da jQuery und YUI verschiedene Philosophien verfolgen. YUI ist ein Framework das von Interface Patterns ueber CSS Lösungen, JavaScript Komponenten und Widgets bis hin zu Testwerkzeugen wie einem Logger, Profiler und Testframework reicht. jQuery will das Entwickler schnell und sicher etwas in so wenig Kode wie möglich erstellen können. Für mich ist YUI eine bessere Lösung wenn man in grösseren Teams und internationalen Produkten arbeitet, jQuery ist dahingegen unschlagbar darin, schnell, viel zu erstellen.

Ich finde es klasse das es viele erfolgreiche Bibliotheken gibt und das die verschiedenen Teams nicht miteinander im Wettbewerb stehen, sondern sich gegenseitig helfen und Fehlerinformationen und Lösungen untereinander austauschen.

4. 2005 erschien Google Maps und die ersten Anwendungen die auf den Karten basierten (Mashups) waren eigentlich unerlaubte da Google keine Schnittstelle hatte und den Zugriff auf die Karten gar nicht direkt erlaubte. 2006 kam dann die Mashup-Welle und jetzt gibt es schon fast 2000 solcher Anwendungen (z.B. hier)
Gibt es etwas das dir in diesem Bereich noch fehlt? Womit könnte man sich in dieser Fülle von Angeboten noch abheben?

Man kann dann doch noch viel mehr mit Karten und Kartensystemen erstellen als wir schon haben. Der Streetview von Google zeigt das schon mal auf. Interessant wird es mit Überlagerungen. Beim Open Hack in London dieses Jahr hat eine der Gruppen eine Graffiti tagging engine für Streetview erstellt mit der man seine Unterschrift in die virtuelle Welt stellen kann. Das verbunden mit Twitter der GPS location auf Handys kann richtig witzig werden. Wenn man mal eine sehr kindische und dann doch witzige Sache sehen will kann ich GPS cocks empfehlen.

Das Problem mit Karten ist, dass diese Copyright haben und daher jeder Kartenbetreiber an die Verlage zahlen muss, daher kann man nicht alles was man gerne freigeben würde auch rausgeben. Als ich an Yahoo Maps arbeitete wurde mir das zum ersten mal bewusst, als Geek und Hacker ist man dann doch immer gewohnt alles umsonst zu bekommen. Irgendeiner muss aber dafür bezahlen.

Was mich derzeit fasziniert ist Daten zu bekommen die ich vorher noch nicht hatte wie zum Beispiel mein Verkehrskamera Mashup oder auch Systeme die es mir erlauben Geo Daten aus Texten zu holen, wie zum Beispiel mein TweetLocations Mashup das Twitter updates analysiert um sie dann auf einer Karte anzuzeigen.

Ich denke das user generated content in Karten mehr und mehr interessant wird, da viele Kartendaten einfach falsch sind oder interessante Informationen die aus dem normalen Sprachgebrauch kommen wie Spitznamen von Städteteilen nicht in den offiziellen Datensätzen vorhanden sind.

In einem der Universitäts Hack Days haben Studenten aus Schottland zum Beispiel eine Lösung gelötet die es mir erlaubte, mittels einer Wii Remote Yahoo maps oder Google Earth zu navigieren, und das konnte was.

5. Als Deutscher der ins Ausland gegangen ist und nun für einen Internet-Giganten arbeitet: Gibt es genügend Innovation in der deutschen Internet-Szene? Oder muss man Deutschland verlassen um an wirklich interessanten Projekte zu arbeiten?

Gute Frage, ich bin seit zehn Jahren nicht mehr in Deutschland und Teil meiner Karriere ist wohl auch das ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war und kein Problem damit hatte mal schnell umzuziehen. Was mich in Deutschland immer zurückgehalten hat war das man für alles eine Lizenz braucht oder erstmal offiziell ausgebildet werden muss. Ich wär wahrscheinlich in Deutschland arbeitslos da ich weder einen Uni Abschluss noch eine Berufsausbildung habe.

Es gibt ne Menge schlauer Entwickler in Deutschland die das Herz auf dem richtigen Fleck haben, ich merke das immer wieder wenn ich mit Webkrauts spreche oder auf Konferenzen wie die EfA oder die Flashforum Konferenz mich mit Leuten unterhalte. Das Problem scheint zu sein das Firmen weniger auf ihre Mitarbeiter und mehr auf die Medien hören. Die Sprachbarriere ist natürlich auch ein Problem. Neueste Informationen gibt es nun einmal erst auf Englisch, da muss man sich dran gewöhnen. Das ist keine amerikanische oder englische Arroganz, es ist einfach so das weltweit Entwickler englisch miteinander kommunizieren (und auch programmieren).

Man muss also nicht Deutschland verlassen um an interessanten Projekten zu arbeiten. Was man machen muss ist die Augen offen zu halten und sich einfach mal trauen etwas Neues zu entwickeln, ohne zu wissen wo das denn genau endet oder ob es ein Erfolg wird. Wenn man ein weltweites Produkt erstellt ist das sogar überaschend einfach, da amerikanische Entwickler sich mit mehrsprachigen Produkten um einiges schwerer tun als Europäer oder Asiaten.

Was mich richtig nervt ist das fast jedes tolle Web 2.0 Produkt aus Amerika dann auch als deutsche Kopie erstellt wird anstatt das man an dem schon etablierten Netzwerk teilnimmt. Ich hatte einige Angebote doch nach Deutschland zu kommen um “ein deutsches Twitter” oder “das deutsche Slideshare” zu erstellen. Da hätte ich mal gar keinen Spass dran, da kopieren dann doch wenig mit Innovation zu tun hat.

6. Warum gibt es 140 Fotos von einem Duzend Leute auf Flickr mit dem
Tag “ The Hair of Christian Heilmann“. Ist das ein Kult?

Weniger, das nennt sich verschrobener englischer Humor. Mein jetzt Ex-Kollege (hatte nichts damit zu tun das er die Firma verlassen hat) Mark “Norm” Norman Francis hat das einfach mal als Tag verwendet um seine Überraschung kund zu tun, dass es doch dann einfach sei mich in einer Gruppe zu finden. Dann hat das Wellen geschlagen und mehr und mehr Flickr Nutzer machten das Gleiche. Interessant werden dann die Zufälle wenn man sieht das die Abgeordnete der Bayernpartei aus meiner Heimatstadt dann doch nicht weit davon entfernt ist.

Nestoria Interview: Olaf Hannemann, OpenSeaMap.org

Nachdem wir hier im Nestoria Blog schon viel über OpenStreetMap geschrieben haben, wollen wir im Nestoria Interview in dieser Woche ein verwandtes aber noch sehr junges Projekt vorstellen: Die OpenSeaMap. Dafür haben wir Olaf Hannemann, einem der Initiatoren von OpenSeaMap, ein paar Fragen gestellt.

1. Hallo Herr Hannemann, Sie sind Mit-Initiator von  OpenSeaMap.org, können Sie das Projekt kurz beschreiben?
Das OpenStreetMap Projekt erfasst bisher hauptsächlich das Land. Für Seezeichen und Hafenanlagen gibt es zur Zeit nur sehr wenige Beschreibungsmöglichkeiten. Ähnlich der Ausgangssituation von OpenStreetMap, besteht aber ein großer Bedarf an frei zugänglichen Karten für die Seefahrt. Kartenmaterial ist oftmals recht teuer. Freie proprietäre Karten, wie z.B. GoogleMaps, sind für die Seefahrt im Internet kaum zu finden. Um diesen Missstand auszugleichen wurde das OpenSeaMap Projekt ins Leben gerufen. Das Ziel ist, als Unterprojekt von OpenStreetMap, Seezeichen in die freie Weltkarte einzutragen und darzustellen.
2. Viele Landratten kennen das Meer nur vom Strand und vom Flugzeug aus. Von dort sieht es meistens flach, blau und leer aus. Was genau wird bei der OpenSeaMap eigentlich erfasst? Welche Herausforderungen gibt es beim Kartografieren der Weltmeere fürs Openstreetmap-Projekt?
Sobald Sie mit einem Schiff auf dem Meer unterwegs sind, werden sie feststellen, dass das Meer nicht nur blau und flach ist ;-) . Es gibt dort sehr viele Dinge zu entdecken. Dort sind z.B Tonnen und Leuchtfeuer, wie der Salzbuckel (Pendant zu Landratte) sagt. Diese Seezeichen zeigen das Fahrwasser an, warnen vor Untiefen oder helfen dem Kapitän den richtigen Hafen zu finden. Alle diese Zeichen sind für die Navigation mit einem Schiff unverzichtbar, da es anders als an Land keinen Straßenverlauf, dem ich folgen kann, gibt. An der Oberfläche ist das Wasser leider wirklich nur flach und blau. 
Es gibt auf dem Wasser ähnlich viele Verkehrsregeln wie an Land. Da gibt es Höchstgeschwindigkeiten, Abzweigungen des Fahrwassers, Ankerverbote und vieles mehr. In OpenSeaMap sollen alle diese Seezeichen und Regeln erfasst und dargestellt werden. Die größte Herausforderung wird es sein eine einfache Möglichkeit zu bieten, diese Daten zu erfassen, da es auf dem Wasser nicht so einfach möglich ist zu einem Punkt zu gehen und diesen für OpenStreetMap zu speichern und einzutragen. Ich muss schon mit einem Schiff dort hinfahren. Leider kann ich aber nicht zu allen Seezeichen hinfahren. Viele sind nur aus der Ferne zu erfassen. Damit wird es schwierig eine genaue Position festzulegen.
Ein weiteres Problem ist, dass wir alle mehr oder weniger mit den Verkehrsregeln an Land aufgewaschen sind und die Bedeutung der Verkehrsschilder schon seit unserer Kindheit kennen. Dies ist bei Seezeichen nicht so. Es gibt nur eine kleinere Gruppe der Freizeit- und Berufsseefahrer, die diese Zeichen lesen und interpretieren können. Aus diesem Grund werden viele, die gerne Seezeichen erfassen würden, Probleme haben die doch recht komplexe Syntax der Zeichen auf Anhieb zu verstehen. Sie müssen sich erst aufwendig in dieses Gebiet einarbeiten. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, arbeiten wir zur Zeit an einem Online-Editor und einem JOSM-Plugin, die es soweit wie möglich vereinfachen sollen Seezeichen zu erfassen.
3. Ein Problem in Deutschland ist, dass kartographische Informationen nicht öffentlich zugänglich sind, obwohl deren Erhebung mit Steuergeldernfinanziert wurde (Details dazu gab es kürzlich in einem Interview zur OpenStreetMap im Chaos Radio). Ist die Situation bei Seekarten ähenlich? Und was sind die Datenquellen für die OpenSeaMap?
Die Situation ist in meinen Augen nicht nur ähnlich sondern eher schwieriger, da es wie oben erwähnt bis jetzt so gut wie keine freien Datenquellen für Seekarten gibt, muss anfänglich wirklich jedes Detail von Hand erfasst werden. Ein Abzeichen von Luftbildern wie z.B. Yahoo ist nicht möglich. Natürlich hoffen auch wir auf eventuelle spätere Datenspenden. 
4. Openstreetmap hat heutzutage schon recht viele Anwendungen gefunden: Es gibt Routenplaner,  Opencyclemap generiert Fahrradkarten aus den Openstreetmapdaten und kommerziell beginnen Firmen, wie auch wir hier bei Nestoria, mit Openstreetmap zu experimentieren. Wo sehen Sie zukünftige Anwendungen für die OpenSeaMap? 
Ich sehe eine ganze Reihe von möglichen Anwendungen. Als erstes wäre da die einfache Anzeige einer freien Seekarte im Netz bzw. auf der eigenen Homepage. Daraus ergibt sich die erweiterte Möglichkeit der Törnplanung für Skipper. So kann man sich die Gebiete die man zu bereisen beabsichtigt schon einmal anschauen und z.B. die Länge des Törns in nautischen Meilen ausmessen. Direkt darauf setzt die nächste Möglichkeit der Erstellung eine Hafenhanbuches auf. Ein Hafenhandbuch beschreibt den entsprechenden Hafen genauer. Es gibt z.B. Eine Beschreibung wie dieser am besten anzusteuern ist oder welche Wassertiefe es an den einzelnen Stegen gibt, ob dort Einkaufsmöglichkeiten sind und vieles mehr. Des Weiteren besteht die Möglichkeit spezielle Karten wie z.B. “Flusswanderkarten” oder “Schöne Törns” zu erstellen. Eine weitere Anwendung wäre das Hochladen der Karten auf Mobile Geräte um diese unterwegs benutzen zu können.
Vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten Herr Hannemann. Meine Hochsee-Erfahrung beschränkt sich auf einige Paddeltouren auf dem Bodensee und im Spreewald – da sind einige Einblicke ins Reich der Salzbuckel doch sehr interessant! Wir werden auf jeden Fall regelmäßig bei der OpenSeaMap vorbeischauen und wünschen dem Projekt viel Erfolg!

Nestoria Interview – Lance Johnson, Nokia Interactive Advertising

In unserem Interview im April haben wir das Vergnügen, mit Lance Johnson, dem globalen Vertriebsleiter von Nokia Interactive Advertising , zu sprechen. Durch Nokia Interactive Advertising können Marken wertvollere Beziehungen mit den weltweit vier Milliarden Mobilfunk-Kunden aufbauen. Lance ist regelmäßiger Redner bei Branchen-Events und war bei einer Reihe von Startups als Berater tätig, bevor er bei Nokia anfing. Davor war er Geschäftsführer von Yahoo!’s Mobile Media, wohin er sich von seiner anfänglichen Position als Verantwortlicher verschiedenster Medienprodukte in Yahoo’s Geschäftsstelle in München hocharbeitete. Lance, der aus Colorado in den USA stammt, hat mit einem Fulbright-Stipendium in Freiburg Ökonomie studiert.

Lance, danke für das Gespräch! Wir haben einige Fragen an dich:

1. Der eine Bereich, den die Finanzkrise scheinbar nicht erreicht hat, ist die Innovation im mobilen Gebiet. In den letzten paar Jahren haben wir eine unglaubliche Anzahl neuer Entwicklungen gesehen, von den traditionellen Schwergewichten wie Nokia, aber auch von Neueinsteigern wie Apple oder Google. Könntest du kurz den momentanen Zustand der mobilen Welt für diejenigen von uns, die nicht dieser Branche angehören, zusammenfassen?

Zur Zeit sind es Dienste, die die Innovationen in der mobilen Welt antreiben, was sowohl Top-Geräte als auch mittlere und niedrigere Geräte angeht. Nokia hat weltweit 37% Marktanteil und wir versuchen, gute Dienste und Inhalte anzubieten, die die Nutzer lieben, da es uns hilft, unsere Verbindung zu den Kunden zu stärken. Dies ist der Grund, dass wir Ovi gelauncht haben, das Dienste wie Nokia Maps enthält, die auf Geräten gebündelt sind.

Wenn Dienste die Innovationen antreiben, dann ist Werbung das, was Umsätze antreiben wird. Verbraucher wollen immer mehr gratis (oder billig) bekommen und sie haben hohe Ansprüche. Indem wir mit Marken zusammenarbeiten, sichern wir Inhalte von hoher Qualität durch ein tragfähiges Geschäftsmodell und führen Verbraucher mit Marken zusammen, an deren Produkten sie wahrscheinlich auch interessiert sind.

Was ich für mobile Werbung und für digital Werbung allgemein für interessant halte, ist dass sich die Grenzen zwischen Werbung und guten Diensten auflösen. Wenn eine Werbekampagne gut gemacht ist, kann sie von direkter Kundenkommunikation kaum zu unterscheiden sein.

2. Mobile Werbung wird seit langem als “das neue große Ding” gehandelt. Welchen Einfluss wird das momentane ökonomische Klima darauf haben? Welche Innovationen siehst du (oder entwickelst du sogar selbst)?

Die Werbebranche hat ohne Zweifel ein schwieriges Jahr. Die meisten Analysten sehen dieses Jahr einen Rückgang der Werbeausgaben von 15-25%. Dass die mobile und interaktive Werbung wächst (wenn auch nur gering), zeugt von deren Effektivität und der wachsenden Bedeutung von mobilen Geräten für die Verbraucher.

Technologie, die die Relevanz von Marketing sichert, ist der Schlüssel, nicht nur für bessere Umsätze der Marken, sondern auch für die Zukunft von Werbung. Wir haben in einer Welt gelebt, wo die Menge an Störungen von verschiedenen Medien beständig gewachsen ist. Digitale Medien können diesen Trend umdrehen und den Verbrauchern wieder die Kontrolle geben. Wenn man eine Marke ist, die eine bestimmte Zielgruppe ansprechen möchte, muss man diese auf Ihren InteressensgebietenPositionsdaten nutzt, wird sehr interessant werden. treffen. Mobile Werbung, die

3. Bei Nestoria lieben wir alles, was mit Geo zu tun hat. Nokia hat neulich den Sprung ins Landkarten-Spiel gewagt, indem es NAVTEQ gekauft hat, Technologiefirma und großer Geodaten-Anbieter. Wir haben ebenfalls gesehen, wie sich Online-Größen wie Googles Latitude und Yahoo!’s FireEagle (um nur einige zu nennen) in das Location-Gebiet manövrieren. Wieso sind alle so scharf auf Location?

Trotz der vielen Fortschritte, die wir bei Nokia und als Branche gemacht haben, glauben wir fest daran, dass das Handy noch wesentlich nützlicher sein kann. Indem wir Daten einsetzen, die auf dein früheres Verhalten, die Vorlieben deiner Freunde und deine jetzigen und früheren Positionen basieren, werden mobile Geräte noch nützlicher sein um deinen Bedürfnissen zuvorzukommen und nützliche Dienste und manchmal Marken-Mitteilungen anzubieten, die hilfreich für dich sind. Je besser das Targeting und die Ergebnisse sind, desto höhere Preise werden die Werbenden zu zahlen bereit sein. Location wird in der zweiten Hälfte von 2009 unser Schwerpunkt sein und wir werden enger mit unserem Tochterunternehmen NAVTEQ zusammenarbeiten.

4. Welche Chancen birgt die mobile Welt für vertikale Suchmaschinen wie Nestoria?

Ich denke, dass es eine Möglichkeit ist, euer Angebot von anderen zu unterscheiden und innovativ zu sein. In Regionen wie Nordamerika und Europa ist Konvergenz wichtig. Die Sättigungsrate von sowohl Computern als auch Handys ist extrem hoch. Verbraucher nutzen auf ihren Handys und Computern Dienste, die nützliche Wege, beides zu verbinden, anbieten sollten. Es gibt viele Anwendungsbeispiele. Wenn ich z.B. online eine Immobilie recherchiere und dann aufs Handy umsteige oder wenn ich unterwegs Informationen sammle, die ich dann benutzen kann. Diese Ideen befinden nicht mehr nur auf dem Reißbrett. Konvergenz kommt und die erfolgreichen vertikalen Suchmaschinen werden Gebrauch von dem einzigartigen Charakter von Handys machen.

Danke Lance! Das klingt nach interessante Zeiten. Falls ihr daran Interesse habt, Lance und den Entwicklungen von mobilen Innovationen zu folgen, ist er bei Twitter unter @lancej zu finden.

Frühere Nestoria-Interviews: Andy Allan, Stephan Uhrenbacher, Albert Warnecke.