Interview mit Andreas Bogen von Opportuno
Der Oktober hat begonnen und es wird Zeit für ein neues Interview. Diesen Monat interviewen wir Andreas Bogen, einen der Geschäftsführer von Opportuno, der Job-Suchmaschine für Deutschland.
1. Hallo Andreas! Ihr bei Opportuno macht für Stellenangebote was Nestoria für Immobilien macht - ihr findet Stellenangebote im Internet und stellt sie übersichtlich auf eurer Seite dar. Kannst du unseren Lesern kurz erklären was Opportuno ausmacht und wie ihr auf die Idee gekommen seid, eine Suchmaschine für Stellenangebote anzubieten?
Die ersten Ideen für Opportuno entstanden vor ca. 5 Jahren. Uns ist damals aufgefallen, dass man auf Firmenwebsites meist viel mehr Stellenangebote findet als in den gängigen Jobbörsen. Zunächst haben wir ein kleines Tool für den Eigenbedarf entwickelt, das die Stellenangebote von mehreren Firmenseiten in einer Suche zusammenfasst. Aus diesem Hobbyprojekt wurde in den letzten Jahren eine ausgereifte Suchmaschine. Heute durchsuchen wir über 1.500 Firmenwebsites und Jobbörsen nach Jobs, wobei Firmenseiten nach wie vor unsere Spezialität sind. Wir können fast jede Website in kurzer Zeit anbinden und crawlen auch Daten aus dem sog. "Deep Web", das für herkömmliche Suchmaschinen unerreichbar ist.
2. Ihr seid in Deutschland ansässig. Man hört ja oft, dass es für IT Start-ups in Deutschland nicht unbedingt einfach ist. Wie nehmt ihr das wahr?
Fakt ist: die USA bieten einige unbestreitbare Vorteile für Internet-Startups. Ein homogener Markt von 300 Mio Menschen mit nur einer Sprache, einem Rechtssystem und einer Medienlandschaft erlaubt Skaleneffekte, von denen wir nur träumen können. Dementsprechend fallen Finanzierungen und Erlöse auch um einiges größer aus als in Deutschland. Und mit prall gefüllten Kassen lassen sich größere Risiken eingehen und ausländische Märkte leichter erobern. Das soll jedoch nicht heißen, dass der Standort Deutschland unattraktiv wäre. Gerade in unserer Branche gibt es viele nationale Eigenheiten, die einer globalen "one size fits all" Strategie entgegenstehen. Gleichzeitig ist Deutschland groß genug, um auch hier zu wachsen. Wer mit seinem Startup die Welt verändern möchte, ist aber vermutlich im Silicon Valley besser aufgehoben.
3. Was ist deiner Meinung nach wichtiger für eine Suchmaschine, der Inhalt der Datenbank oder die visuelle Darstellung der Ergebnisse?
Beides ist wichtig. Wenn die Darstellung schlecht ist, wird niemand die verborgenen "Schätze" entdecken - egal wie gut die Datenbank ist. Ein elegantes Interface kann auf der anderen Seite keinen guten Content ersetzen. Die Qualität der Datenbank ist dabei nicht zu verwechseln mit der Quantität. Einige Jobsuchmaschinen werben mit der schieren Größe ihres Indexes. Diese Zahl lässt sich jedoch leicht manipulieren und sagt nichts über die Qualität der Daten aus. Cuil hatte angeblich auch einen größeren Index als Google...
4. Yahoo und Microsoft schicken sich ja grade an Google Druck zu machen, indem sie sich zusammengeschlossen haben. Gleichzeitig entstehen immer mehr vertikale Suchmaschinen wie Nestoria und Opportuno, die sich auf bestimmte Themen spezialisieren. Wie siehst du diese Entwicklungen?
Google ist mit einem geschätzten Marktanteil von über 90% in Deutschland ganz klar der Gatekeeper, an dem niemand vorbeikommt. Egal ob Onlineportal, Nachrichtenseite oder vertikale Suchmaschine, jeder ist abhängig von Google. Diese Abhängigkeit ganzer Branchen von einem einzigen Unternehmen birgt enorme Risiken. Insofern begrüßen wir den Vorstoß von Yahoo und Microsoft, auch wenn sich in naher Zukunft nicht viel an den Kräfteverhältnissen ändern wird. 5.
Was sind die interessantesten Entwicklungen oder Applikationen momentan im Internet? Was fehlt dir, was muss noch erfunden werden?
Unser besonderes Interesse gilt natürlich den Stellenmärkten. Hier sehen wir zwei Trends, die den Markt langsam aber stetig verändern: zum einen werden Suchmaschinen, sowohl allgemein als auch vertikal, als Trafficquellen immer wichtiger. Zum anderen drängen Businessnetzwerke wie Xing und LinkedIn mit eigenen Stellenmärkten in den Markt. Es gibt also auf der einen Seite einen Trend zur breiten Streuung über Suchmaschinen, auf der anderen Seite zur gezielten Kandidatenansprache in der geschlossenen Welt der Businessnetzwerke. Spannend wird die Verknüpfung dieser zwei Trends, die bislang noch niemand erfolgreich umgesetzt hat.
Außerhalb des Jobmarktes finde ich vor allem die Entwicklungen im Mobile Commerce Bereich interessant. Ich warte noch auf ein Handy mit Barcode-Scanner, das mir wirklich einfach und zuverlässig zu jedem beliebigen Produkt Preise, Tests, Erfahrungsberichte, Nährwertangaben (bei Lebensmitteln) und den günstigsten Anbieter in meiner Nähe anzeigt. Es gibt bereits erste Applikationen, die in diese Richtung gehen. Reif für den Massenmarkt sind diese allerdings noch nicht.