Interview mit Klaus Bechtold von GPSies
Diesen Monat haben wir Klaus Bechtold von GPSies zum Interview gebeten. GPSies ist eine Seite die sich an Besitzer von GPS-fähigen Geräten richtet und hat eine stetig wachsende Community von internationalen Nutzern.
1. Hallo Klaus! Du betreibst ja GPSies jetzt schon seit ein paar Jahren sehr erfolgreich. Kannst du für unsere Leser kurz erklären wie du auf die Idee kamst und was genau GPSies eigentlich ist?Ganz kurz gesagt: GPSies ist ein Internet-Portal für Outdoor- und Sportstrecken. Bis heute wurden 250.000 Strecken von der Community gesammelt, gespeichert und auf den Karten dargestellt. Naja, das war die Kurzfassung. GPSies ist stark auf die Verwendung mit GPS-Geräten ausgerichtet und bietet als Highlight neben dem Strecken-Editor auch einen Online-GPS-Konverter, der sogar Höhendaten "on-the-fly" in den GPS Track einweben kann – technologisch eine wahre Herausforderung.
Aufgrund der offenen Schnittstellen können auch mobile Geräte, wie z.B. iPhone, BlackBerry oder Android an GPSies angeschlossen werden und Strecken austauschen. Die stark praxisorientierten Funktionen von GPSies werden von der Community geschätzt und geliebt, das Feedback ist überwältigend. Auf die Idee bin ich gekommen, weil ich genau so ein Tool gesucht und nicht gefunden hatte. Ich bin selbst Läufer und hatte im Jahr 2006 eine kostenlose Möglichkeit gesucht, wie ich meine aufgezeichneten GPS-Strecken visualisieren konnte - da gab es damals noch nicht viel, eigentlich gar nichts. Da ich neben Hobby-Läufer auch noch Software-Entwickler bin, fing ich an, GPS zu verstehen und das System zu entwickeln. Dass GPSies mal so groß werden würde, ist einfach passiert, das war so nie geplant :-)
2. In unserem Blog berichten wir immer wieder gerne über das OpenStreetMap Projekt. Inwiefern ist das für dich interessant und was hältst du davon?
Ich liebe OpenStreetMap (OSM) - das ist die beste Erfindung nach GPSies ;-)! Spaß beiseite, OSM steht bei GPSies stark im Vordergrund. Zurzeit werden zwei verschiedene OSM Karten bei GPSies angeboten: die Standard-OSM Karte und die eine spezielle Fahrrad-Karte. Die Karten sind super und teilweise genauer als die kommerziellen - hier in Berlin ist das die beste und aktuellste Karte. GPSies leistet selbst aktiven einen Beitrag zur Unterstützung von OSM. Jeder Benutzer der GPSies Community kann entscheiden, ob er seine Strecke einfach per Knopfdruck an OSM sendet. Das machen mittlerweile sehr viele und somit ist GPSies sogar weltweit an Platz 15 der " OpenStreetMap Top 50 users for uploads of GPS data".
3. Was ist für dich momentan die interessanteste Entwicklung im Internet? Was könnte deiner Meinung nach "the next big thing" werden?
Die interessantesten Entwicklungen für mich sind die immer stärker zusammenwachsenden Dienste. Beispielsweise das Senden von Strecken per API an OSM, das Holen von Picasa Bildern auch via API und Einbinden in die GPSies Karte, das Senden neuer Strecken via Twitter-API, usw. Wir Portal-Betreiber kooperieren immer mehr und daraus werden individuelle und nützliche Funktionen, die man sich vorher nie vorstellen konnte. Mein Augenmerk liegt zurzeit stark im mobilen Bereich. GPSies gibt es auch als mobile Variante und ich bemerke auch dort einen starken Anstieg der Nutzung. Auch die von mir entwickelte Android Version wird immer mehr wahrgenommen und installiert (3.500 Installationen seit Juni 2009). Android ist übrigens mein neuestes Steckenpferd, die GPSies Android Version wird um weitere Funktionen ausgebaut. Im Bereich von Streckenportalen werden sicherlich noch einige nützliche lokal-basierte Dienste hinzukommen (Live-Tracking, Verknüpfung von POI-Diensten wie Qype, servergesteuerte Trainingshilfen, usw.)
4. Was ist deine Erfahrung mit der deutschen Internetcommunity? Im Interview mit Christian Heilmann und Victor Henning erwähnen beide, dass die Sprachbarriere durchaus Hindernis sein kann, da Neuigkeiten oft im englischen Sprachraum veröffentlicht werden. GPSies ist ja inzwischen auch über Deutschland hinaus bekannt. Was sind deine Erfahrungen in Bezug auf Deutschland und die internationale Community?
Für mich gibt es keinen Unterschied, ob ich mit der deutschen oder internationalen Internetcommunity kommuniziere. Die Internetcommunity von GPSies besteht durchweg aus sehr freundlichen und aufgeschlossenen Menschen. In den drei Jahren habe ich schon sehr viele Freundschaften geschlossen, teilweise haben wir uns auch schon gegenseitig besucht. Ich war schon mal in Luxemburg eingeladen, dann mal in Österreich und da Berlin eine sehr große Anziehungskraft hat, hatte ich schon sehr viele Benutzer hier mal auf ein Bier oder zu einem gemeinsamen Lauf getroffen.
Ganz am Anfang der GPSies-Zeit hatte ein großes portugiesisches Mountainbike-Forum die Site entdeckt. Ich kam über die Log-File Analyse drauf und klinkte mich in die Diskussion ein. Die hatten echt super Ideen, darauf wäre ich als Läufer nie gekommen. Da ich die Ideen regelmäßig einen Tag später schon umsetzte, waren die natürlich voll euphorisch und fingen an, mich mit Forums-Karma zu überschütten. Am Schluss versuchten sie sogar einen Flug von Berlin nach Lissabon und ein Mountainbike zu organisieren, damit ich bei einer Challenge mitfahren sollte. Sie hatten sogar schon Ausreden überlegt, mit denen ich meine Frau besänftigen sollte, mal ein paar Tage alleine zu verreisen.
Da ich bei GPSies jeden mit „du“ anspreche, haben wir sehr geringe Kommunikationshürden. Viele der Benutzer sind 50 Jahre und älter, sehr viele Rennrad-Fahrer und Wanderer sind über 70, selbst mit dieser Gruppe lässt sich so umgehen, als ob ich mit einem 20-jährigen kommuniziere. Das liegt aber auch an der Sport-Community, uns verbindet der gleiche Geist. Als Dankeschön für die kostenlosen Dienste von GPSies bekomme ich regelmäßig Post mit Weinflaschen, Rennrad-Trikots oder Laufsocken.
5. Wie stellst du dir die Zukunft von GPSies vor?
Hm, das ist eine gute Frage, die ich gar nicht so leicht beantworten kann. Rein technisch und funktional wird GPSies ständig erweitert, das ist noch einfach zu artikulieren. Zurzeit forciere ich wieder die Android Version. Darauf will ich aber jetzt gar nicht eingehen.
Daneben gibt es aber noch einen anderen Punkt: ich betreibe GPSies ja nur nebenberuflich, quasi als Hobby. Die stark gewachsene Community ist neben meinem Hauptjob und meiner Familie, ich habe 2 Kinder, nur noch schwer zu betreuen. Da GPSies immer noch sehr stark wächst muss bald eine Entscheidung her - die kritische Masse ist schon lange erreicht. Mittlerweile habe ich zumindest in der Administration Unterstützung - ein befreundeter Admin hilft mir für ein kleines Salär bei der System-Betreuung. So kann ich mich zumindest um das Marketing, um die Community und um die Weiterentwicklung kümmern. Wenn GPSies jedoch weiter so stark wächst, dann habe ich jetzt schon Bedenken, wie ich das nächste Frühjahr/Sommer bewältigen soll.
Der Betrieb von GPSies (Server-Farm, IVW-Zählpixel, Admin) trägt sich selbst durch die Schaltung von Werbung - jedoch kann ich mit damit alleine nicht in das Risiko der Selbständigkeit begeben. Das Risiko kann ich meiner Familie nicht aufbürden. Ich habe schon mal über einen anteiligen Verkauf von GPSies nachgedacht - da könnte ich als "Kopf" dabei bleiben und das operative Geschäft abgeben. Mal sehen - Anfragen in dieser Richtung hatte ich schon. Ich möchte aber unbedingt, dass alle Funktionen von GPSies kostenlos bleiben. Strecken sind aus meiner Sicht allgemeingut und dürfen nicht verkauft werden.
Vielen Dank für das Interview, Klaus, und viel Erfolg weiterhin mit GPSies!