Nestoria Interview - Andy Allan, OpenCycleMap
Im ersten Nestoria Interview 2009 haben wir das Glück gehabt, mit Andy Allan sprechen zu können, der einer der Schöpfer von OpenCycleMap.org ist. OpenCycleMap (OCM) ist ein Paradebeispiel der Möglichkeiten, die durch den öffentlichen Zugang von Geodaten entstehen und es basiert auf Daten von OpenStreetMap. Wenn Andy nicht an OCM arbeitet, kümmert er sich um die Technik bei CloudMade.
1. Was ist OpenCycleMap und wie kam die Idee dafür zustande?
OpenCycleMap ist eine individualisierte Onlinekarte für Radfahrer, die auf Daten von OpenStreetMap basiert. Sie zeigt Dinge, die für Radfahrer interessant sind, wie z.B. markierte Fahrradwege, Geländeradwege, Fahrradläden und Fahrradparkplätze - und natürlich Hügel - während wir andere Dinge, die weniger interessant sind, wie. z.B. Autobahnen, auf der Karte reduzieren. Ich hatte schon etwa ein Jahr für OpenStreetMap kartiert, als manche anfingen, über individualisierte Karten zu reden. Ich hab einfach losgelegt und habe mich im Juli 2007 an die Fahrradkarte gewagt - ein Hobby, das seitdem lawinenartig gewachsen ist.
2. Was sind einige der technischen Herausforderungen des Projekts?
Die zwei größten technischen Herausforderungen waren, zu begreifen, wie alles funktioniert - von räumlichen Datenbanken über Geoprocessing bis hin zu Mapnik-Style-Regeln - und ein riesiges weltweites Projekt zu bewältigen. Die Cycle Map gab es anfangs nur in Großbritannien, hat sich aber stetig ausgebreitet, erst in Europa, dann in der ganzen Welt. Dies nimmt aber riesige Mengen Speicherplatz in Anspruch, besonders die Höhendaten, die für die Konturen und die Farbgebung der Berge gebraucht werden. Es dauert ewig, das jede Woche neu zu rendern und die Popularität von OCM frisst immer mehr Bandbreite. Und als wäre das alles noch nicht genug, fügen die 81.000 OSM-Freiwilligen immer neue Daten hinzu, mit denen ich mich beschäftigen muss!
3. Wie war die Resonanz der Nutzer?
Überwältigend positiv. OCM wird ständig als Beispiel dafür benutzt, was möglich ist, wenn die zugrundeliegenden OSM-Geodaten verfügbar gemacht werden. Aber OCM ist nicht nur kreativ anders als eine standard Webkarte, es ist auch als Fahrradkarte an sich ernst zu nehmen und ziemlich praktisch. Das Beste ist eindeutig das Feedback von Leuten aus anderen Ländern Europas und der Welt, denen es Spaß gemacht hat OCM zu benutzen. Aber die Arbeit hört nie auf, da fast jedes Lob mit dem Satz endet: "Es wäre toll, wenn man bei euch auch..."
4. Was können wir 2009 von OCM und generell von anderen Projekten, die auf OSM aufgebaut sind, erwarten?
Meine Pläne für OpenCycleMap sind relativ überschaubar - ich möchte das Rendering der Karte weiter verbessern, mehr Details hinzufügen und die Dokumentation aufpolieren, um mehr Leute zu überzeugen, mitzumachen. Aber ich bin viel gespannter auf die Projekte, die die Karten, die ich generiere, nehmen und darauf aufbauen - Ich habe einige Vorschauen einer großartigen Reiseplanungsseite gesehen, die bald veröffentlicht wird. Es gibt einige Nebenprojekte, wie Fahrradkarten für Garmin GPS-Einheiten und Karten für Wanderrouten, an denen ich im Hintergrund arbeite und von denen hoffentlich alle irgendwann profitieren werden. Was OSM generell angeht, denke ich, dass 2009 das Jahr sein wird, in dem OSM-Projekte richtig anfangen, die Phantasie der Leute anzuregen. Ich habe in den letzten sechs Monaten die Akzeptanz von OSM in technologisch versierten Kreisen wachsen sehen und mehr und mehr Leute denken sich interessante Anwendungen aus, die standardmäßig OSM verwenden, besonders für mobile Geräte. Bei CloudMade arbeiten wir an verschiedenen API's, die es einfacher machen, coole Anwendungen zu entwickeln und im Laufe von 2009 wird man darüber mehr von uns erfahren.
5. Es gibt eine OSM-Version von Nestoria und wir haben darüber nachgedacht, in einigen gut abgedeckten Gebieten, wie z.B. Berlin und London, komplett zu OSM zu wechseln. Welchen Rat würdest du uns da geben?
Macht das! Ihr wärt nicht die ersten. Flickr! haben Ähnliches mit ihren Karten gemacht, wo OSM in vielen Teilen der Welt besser ist als ihre anderen Kartenanbieter. Peking ist das berühmteste Beispiel, aber auch Orte wie Sydney befinden sich darunter. Jeder in eurer Position sollte überlegen, was die Nutzer von den Karten auf eurer Seite erwarten. Wenn es nur um eine vage Orientation geht, unterscheiden sich die verschiedenen Karten vom kartographischen Stil abgesehen nicht sehr. Wenn ich aber bei Nestoria nach einer neuen Wohnung suche, interessiere ich mich viel mehr für die ganzen Sachen, die nur OSM zeigt: wo die nächsten Kneipen und Supermärkte sind oder ob es in der Nähe Industriegebiete oder große Grünflächen mit vielen Wegen gibt und insbesondere interessiert mich natürlich, ob es am Bahnhof Fahrradparkplätze gibt!
Danke, Andy! Du hast absolut Recht, dass relevante örtliche Informationen wichtig für Leute sind, die ein neues zu Hause suchen. Wir werden im Laufe des Jahres 2009 weiterhin experimentieren um bei Innovationen im Gebiet der Online-Kartographie ganz vorne mit dabei zu sein. Wer sich für OCM interessiert kann Andy's Fortschritte auf dessen Blog verfolgen - vorausgesetzt, dass er nicht gerade auf dem Rad unterwegs ist.