Unser letztes Interview 2010 haben wir mit Stefan Wehrmeyer geführt. Er ist Entwickler der Seite Mapnificent, über die wir hier im Blog schon berichtet haben.
Hallo Stefan. Kannst Du unseren Nutzern kurz erklären was Mapnificent ist und wie Du auf die Idee gekommen bist die Seite zu machen?
Mapnificent zeigt einem auf einer Karte alle Orte, die man mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln in einer bestimmten Zeit erreichen kann. Mapnificent gibt es für viele Städte in den USA und weltweit, leider sind in Europa momentan nur London und Berlin verfügbar. Inspiriert ist Mapnificent von Mapumental, die eine solche Anwendung für ganz Großbritannien veröffentlichen wollen, leider aber immer noch in private beta sind.
Du nutzt für Mapnificent Google Maps. Nestoria ist ein großer Fan von OpenStreetMap - gab es Überlegungen OSM für Dein Projekt zu nutzen, warum hast du dich für Google Maps entschieden?
Die Google Maps API ist sehr gut dokumentiert, lädt schnell und ich finde Googles Karten-Tiles übersichtlicher als die Standard-OSM-Tiles. Dass ich die Google API benutze, heißt aber nicht, dass man Mapnificent nicht mit freiem Kartenmaterial benutzen kann: mit einem Klick auf "OSM" oben rechts lassen sich die Tiles von OpenStreetMap laden. Ich bin ein Fan von OpenStreetMap und von dem noch sehr jungen Transiki – das ÖPNV-Äquivalent zu OSM.
Was waren die größten Herausforderungen bei der Arbeit an dem Projekt?
Am Anfang gab es zwei technische Herausforderungen: die effiziente Routen-Berechnung und die Visualisierung der Routen, beide ließen sich komplett im Browser lösen. Die momentane Herausforderung ist ungleich schwerer: mehr Städte hinzufügen. Betreiber von öffentlichen Verkehrsmitteln sind gerade in Deutschland sehr rückständig, wenn es darum geht, maschinenlesbare Daten und nicht nur PDF-Haltestellenfahrpläne mit der Öffentlichkeit zu teilen. In den USA kann man sich für alle großen Städte auf Google Maps auch für den Nahverkehr eine Route berechnen lassen kann, weil diese Städte ihre Daten zur Verfügung stellen. In Deutschland gibt es keinen mir bekannten ÖPNV-Betreiber, der seine Daten veröffentlicht. Die Nahverkehrs-Daten von Berlin musste ich selber zusammensuchen und nutze sie nur inoffiziell.
Inzwischen deckt Mapnificent 25 Städte ab und hat auch eine API. Was kann man mit der API machen?
Mit der API kann man Google Maps-Anwendungen mit einer Mapnificent-Ebene ausstatten und so zum Beispiel die Erreichbarkeit einer Gegend als Heatmap einblenden. Das kann für viele bestehende Karten-Anwendungen wie etwa die Wohnungssuche sehr nützlich sein: wo kann ich wohnen, damit ich nur 20 Minuten zur Uni brauche? Die Visualisierung einer solchen Information zusammen mit anderen Daten kann ein sehr hilfreicher Mehrwert für Nutzer sein.
Wie sehen die Zukunftspläne für Mapnificent aus? Arbeitest du weiter an der Ausdehnung des Projekts oder hast du schon etwas neues in Arbeit?
Mapnificent ist leider nur ein Nebenprojekt und die Liste neuer Ideen wird immer schwerer abzuarbeiten. Momentan schreibe ich viele Mails an ÖPNV-Betreiber mit der Bitte ihre Daten entweder überhaupt oder aber nicht nur mit Google zu teilen. Die geniale Seite GTFS-Data-Exchange sammelt diese öffentlichen Transit-Daten und ich werde helfen sie dort zu verwalten. Ich habe noch einige andere Projekte in Planung, Mapnificent wird aber nicht zu kurz kommen.
Vielen Dank für das Interview, Stefan, und weiterhin viel Erfolg mit Mapnificent!