Interview mit Florian Haas vom Deutschen Mietkautionsbund e.V.
Unser Interview des Monats September haben wir mit Florian Haas, Vorstand des Deutschen Mietkautionsbund e.V. geführt.
Hallo Herr Haas.
Können Sie für unsere Leser kurz erklären was der Mietkautionsbund ist?

Der Mietkautionsbund e.V. (München) hat sich zum Ziel gemacht, Mietern eine günstig finanzierte Miet-Bürgschaft zu vermitteln, die an Stelle der geforderten Kaution beim Vermieter hinterlegt wird. Der Grundgedanke: Es ist besser, die anstehende Mietkaution günstig zu finanzieren, als das laufende Konto weiter zu belasten. Gerade junge Familien oder all die Mieter, die wegen des anstehenden Umzuges besonders finanziell beansprucht sind, fällt es schwer, mehrere Kaltmieten als Kaution zu hinterlegen. Nicht selten muss in diesem Fall das Girokonto überzogen werden. Das ist nicht nur teuer, sondern oftmals der Einstieg in die Überschuldungs-Spirale. Um dies zu verhindern, vermittelt der Deutsche Mietkautionsbund nach einer Prüfung eine Bürgschafts-Finanzierung über einen der größten Deutschen Kreditversicherer. Der Zinssatz beträgt 4,7 Prozent – der Bürgschafts-Höchstbetrag liegt bei 10.000,- Euro. Voraussetzung hierfür: Mitgliedschaft im Deutschen Mietkautionsbund e.V. für einmalig 9,90,- Euro.
Wie kamen Sie auf die Idee diesen Service anzubieten?
Es ist wie so oft im Leben: Auf die besten Ideen kommt man im Alltag und dann auch meist nur durch Zufall. Mein Partner Frank Liepner und ich halfen bei dem Umzug eines guten Freundes, der in München mit seiner Familie in eine größere Wohnung zog. Nach getaner Arbeit saßen wir zusammen und unser Freund begann aufzulisten, welche finanziellen Hürden im Rahmen eines Umzuges zu stemmen sein. Möbelwagen, Renovierung, neue Möbel – und dann noch die Mietkaution an den neuen Vermieter in Höhe von drei Kaltmieten. Da kamen Summen zusammen, die das Girokonto unseres Freundes sehr strapazierten und er seinen Dispo in Anspruch nehmen musste. Das war die geistige Geburtsstunde des Deutschen Mietkautionsbundes e.V.
Wie ist die Reaktion von Vermietern auf Ihr Konzept?
Im großen und ganzen gibt es nur sehr wenige Vermieter, die eine Bürgschaft über den Deutschen Mietkautionsbund e.V. nicht akzeptieren. Aber selbstverständlich gibt es Vermieter, die der Auffassung sind, dass nur eine auf einem Sparbuch hinterlegte Kaution die nötige Sicherheit bietet. Es setzt sich aber immer mehr die Erkenntnis durch, dass eine Bürgschaftslösung auch für den Vermieter eigentlich nur Vorteile bringt. Im Schadensfall muss er sich nicht mit dem Mieter direkt ärgern, sondern kommuniziert direkt mit unserem Versicherer oder mit uns. Das verhindert eine unnötige Emotionalisierung. Zum anderen bieten wir Vermietern deutschlandweit die erste echte Mietnomadenversicherung und damit eine umfassende Absicherung gegen Schäden und Mietausfälle. Das freut natürlich die Vermieter.
In Deutschland wird ja im Vergleich zu anderen Ländern sehr viel mehr gemietet als gekauft - auch deswegen füllt der Mietkautionsbund hier eine wichtige Marktlücke. Haben Sie eine Erklärung dafür, dass viele Deutsche Mieten dem Haus- oder Wohnungskauf vorziehen?
Die relativ geringe Eigentumsquote hat in Deutschland auch historische Gründe. Nach den flächendeckenden Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde der Sozialwohnungsbau sehr stark gefördert und damit erst einmal das Grundbedürfnis nach bezahlbaren Wohnungen befriedigt. Erst relativ spät setzte in Deutschland die gezielte Förderung von Wohneigentum ein. Länder wie etwa Spanien oder Großbritannien haben da eine ganz andere Historie. Dies drückt sich auch heute noch statistisch in der relativ geringen Eigentumsquote aus. Tatsache ist jedoch auch, dass es besonders in den deutschen Großstädten für Normalverdiener derzeit nur sehr schwer ist, Wohneigentum zu erwerben. Da bleibt oftmals nichts anderes übrig als zu mieten. Auf dem „flachen Land“ wird sich in den kommenden Jahren die Eigentumsquote deutlich erhöhen – da bin ich sicher.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!







