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Interview mit Yule Schmidt, Internationalisierungsspezialistin bei Twitter

Unser Interview für den Februar haben wir mit Yule Schmidt geführt, die die deutsche Übersetzung von Twitter, die vor kurzem live gegangen ist, koordiniert hat. Zusammen mit vielen anderen Twitter-Nutzern habe auch ich dabei geholfen die Seite zu übersetzen.

yule_schmidt

Yule Schmidt, Twitter

Hallo Yule. Du arbeitest bei Twitter und warst u.a. für die deutsche Übersetzung der Seite zuständig. Kannst du kurz erklären was du genau bei Twitter so machst?

Ursprünglich wurde ich als Inter- nationalisierungsspezialistin für Deutsch angestellt. Mein Job bestand darin, die Übersetzung der Plattform durch unsere Übersetzer zu koordinieren, sowie einige Dokumente, wie die AGB und Datenschutz- bestimmungen selbst zu übersetzen (wir wollten unsere Übersetzer nicht mit so langen, komplizierten Seiten verschrecken!). Jetzt bin ich hauptsächlich für den Unterhalt der Webseite, sowie die Übersetzung der Hilfsartikel verantwortlich. Ich antworte auch auf alle Hilfsanfragen von deutschen Benutzern. Zur gleichen Zeit arbeiten die anderen Übersetzer und ich immer noch mit den Technikern, um den Übersetzungsprozess für künftige Sprachen mit einem verbesserten Übersetzungs-Tool zu vereinfachen.

Die Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen wurden crowdsourced, d.h. mit Hilfe der Nutzer erstellt. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, statt professionelle Übersetzer anzuheuern?

Erstens wollten wir die Ideen unserer Benutzer unbedingt in unsere Übersetzung integrieren – es sind letzten Endes die Benutzer, die die Plattform benutze. Durch die Debatten im Übersetzungsforum hatte ich ein bißchen Einblick in die Wünsche der Benutzer bekommen – natürlich konnte ich nicht jeden Wunsch erfüllen, aber ich habe versucht, einen Mittelgrund zu erreichen. Ursprünglich wollte ich unbedingt das Wort “Follower” übersetzen – ich dachte, eine Übersetzung wäre tausend Mal besser als das Englische Wort. Aber im Forum (und auch im Tool – denn ich konnte sehen wie viele Leute eine bestimmte Übersetzung gewählt haben) habe ich schnell gemerkt, dass die Benutzer lieber das englische Wort beibehalten wollten, also heißt es heute immer noch “Follower”.

Zweitens wollten wir nicht nur die Webseite ins Deutsche (und Französische, Italienische und Spanische) übersetzen, wir wollten ein wirksames Übersetzungs-Tool entwickeln, das wir für künftige Sprachen benutzen können. Twitter ist jetzt in fünf Sprachen außer Englisch verfügbar, aber für jede Übersetzung hatten wir interne Übersetzungshilfen. Der Übersetzungsleiter(in) für jede Sprache hat alle Übersetzungen überprüft und bearbeitet. Hoffentlich ist unsere Übersetzungsplattform bald für hundert Sprachen verfügbar, aber wir können einen derartig intensiven Übersetzungsprozess nicht für alle künftige Sprachen  beibehalten. Stattdessen wollen wir das Tool einfach perfektionieren. Dann können Leute überall auf der Welt die Plattform in ihre Sprache übersetzen, ohne dass sie unsere Steuerung brauchen.

Wie ist das Projekt gelaufen, glaubst du, dass ihr im nachhinein wieder dieselbe Entscheidung treffen würdet?

Meinerseits war das Projekt wirklich fantastisch; eine tolle Erfahrung.  Natürlich war der ganze Prozess nicht perfekt, aber die FIGS Sprachen waren ja unsere ersten Übersetzungsversuche mit dem Übersetzungs-Tool. Die einzige Sache, die ich in der Zukunft ändern würde, ist die Leistungsanerkennung für  unsere Helfer (also die Benutzer). Wie schon gesagt, habe ich die AGB und Datenschutzbestimmungen alleine übersetzt, weil wir fürchteten, es sei zu mühsam für die Benutzer: Die Übersetzung sollte Spaß machen  und nicht belastend sein. Hoffentlich können wir für die Übersetzer ein bißchen mehr anbieten als ein Abzeichen auf ihrer Profilseite, damit sie uns auch mit solchen Dokumenten helfen werden.

Aber wenn Du gemeint hast, ob ich persönlich die gleichen Übersetzungen wählen würde, kann ich ehrlich “Ja” sagen. Direkt nach dem Start der deutschen Seite dachte ich, dass ich einen furchtbaren Fehler mit meinen Übersetzungsauswahlen gemacht habe, denn ich habe ziemlich viel negatives Feedback von den Übersetzern bekommen. Aber jetzt, da unser User-Basis sich schwer vegrößert und verbreitet hat, beklagen sich Leute viel weniger darüber. Vielleicht hätte ich mich für einige andere Übersetzungen entscheiden sollen, aber ich glaube wirklich, dass die deutsche Plattform ziemlich gut aussieht.

Die Diskussionen unter den Übersetzern waren ja mitunter sehr leidenschaftlich – wie ist denn das Feedback von den deutschen Twitter-Nutzern?

Das Feedback von neuen Twitterern war überwältigend positiv. Ich freue mich riesig, wenn ich positive Erwähnungen von @twitter_de sehe. Du hast aber Recht, dass die Debatten im Forum manchmal ein bißchen aus dem Rahmen fielen. Ich habe viele negative E-Mails wegen der “Du”-Entscheidung erhalten – ich werde immer noch von “Du”-Alpträumen geplagt! Aber andererseits fand ich es eigentlich toll, mit wie viel Leidenschaft die Benutzer sich dem Projekt gewidmet haben. Hoffentlich twittern sie immer noch so, trotz der Übersetzungsentscheidungen. :-)

Was ist für dich die interessanteste Entwicklung im Internet in den letzten Jahren und was müsste noch erfunden/verbessert werden?

Ich bin wirklich vom Echtszeitsinformation-Phänomen angetan,Twitter natürlich eingeschlossen. Es ist erstaunlich, dass man jetzt Informationen erhalten kann mit irgendeinem Apparat, überall auf der Welt und zur gleichen Sekunde, in der es geschieht. Es ist, als ob die ganze Welt auf einmal miteinander kommuniziert. Das finde ich großartig und sehr ermächtigend. Zum Beispiel wird Twitter schon von dem United States Geological Survey (USGS) eingesetzt, weil sie durch Twitter-Benutzer schneller als mit einem Seismographen feststellen können,  wo ein Erdbeben passiert ist und wie stark es war – Leute twittern darüber in dem Moment, in dem es passiert. Das ist der Aspekt von Echtszeitkommunikation, den  ich wirklich aufregend finde – die Technologie ist zwar hervorragend und wir stellen eine tolle Plattform zur Verfügung, aber es sind die Benutzer, die die Inhalte beitragen.

Aber die Ära der Echtzeitkommunikation fängt ja erst an. Zwar steht jetzt viel Information zur Verfügung, aber es ist, meiner Meinung nach, immer noch viel zu viel – eine Informationswelle. Echtszeitskommunikationsanbieter wie Twitter müssen wirklich hart daran arbeiten, irgendwelche Filter zu entwickeln, um den Benutzer einige Einschränkungsmöglichkeiten anzubieten. Sonst ersaufen wir einfach alle in einer Informationsflut. Man kann ja nur so viele Tweets auf einmal verarbeiten . :-)

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg noch bei der Internationalisierung von Twitter! Nestoria findet man bei Twitter übrigens unter @nestoria.

Interview mit Josh Devins, Nokia

Ich freue mich hier in unserem Blog ein Interview mit Josh Devins von Nokia präsentieren zu dürfen. Er ist Software Architekt in Nokias Map and Explore Gruppe, die unter anderem für Ovi Maps zuständig ist. Das Interview wurde ursprünglich auf English in unserem Nestoria UK Blog veröffentlicht, ich habe es übersetzt. Die Mobilbranche ist eine der am schnellsten wachsenden der letzten Zeit, umso mehr freuen wir uns, dass unser erster Interviewgast des Jahres jemand ist, der bei einem der größten Unternehmen in Bereich arbeitet.

Josh ist seit 2008 bei Nokia Berlin, vorher arbeitete er in Vancouver, Kanada in einer Reihe von Internetfirmen. Er hat einen Abschluss in Computer Sciences der Simon Fraser University in Burnaby, Kanada. Nokia Berlin konzentriert sich vor allem auf lokalisierte Dienste.

Josh, schön dass wir die Chance haben, mit dir über die Innovationen bei Nokia zu sprechen.

1. In den letzten Jahren ist Nokia stark in den Bereich der Kartographie vorgestoßen – der Kauf von Navtaq, der Start von Ovi Maps – und sich im Grunde vom Image der traditionellen Handyfirma gelöst. Erzähl uns ein bisschen was über die Entwicklung.

Vor ungefähr zwei Jahren kreierte Nokia das Dienstleistungs Unit, das Kunden zusätzliche Vorteile bieten sollte. Der Schritt vom führenden Handyhersteller zum Dienstleister ist natürlich eine großer, doch Nokia ist eine Firma die daran wächst sich neu zu erfinden. Es gab eine Zeit, in der Nokia Gummistiefel hergestellt hat, die Firma weiß also das ein oder andere über Veränderung. Der Ankauf von Navteq und der Vorstoß in den Bereich Kartographie sind Reaktionen auf die Rolle, die mobile Geräte allmählich im Alltag der Leute einnehmen. Das Gerät wird immer mehr zu einem Tor zu einer viel größeren Welt und wir arbeiten hart daran, ganz vorne dabei zu sein wo die virtuelle Welt auf die physische Welt trifft. Kartographie und Ortung im allgemeinen sind eigentlich die ultimative Manifestation einer Person in ihrer Welt. Es geht darum Geräte, Mobilität und Beziehungen zurück in die physische Welt der Menschen zu holen.

2. Wir haben dich vor kurzem beim ersten Scale Camp in Großbritannien sprechen hören. Du erwähntest, dass einer der schwersten Aspekte beim bauen von Ovi Maps nicht technischer Natur ist, sondern eher mit der internen Umstellung auf eine neue Arbeitsweise zusammenhängt. Kannst du das ausführen?

Während es natürlich definitiv viele komplizierte technische Hürden gibt ist eines der ersten Dinge die Leute an unserer Gruppe auffällt, dass wir sehr untypisch für einen Gerätehersteller sind. Wir versuchen unseren Laden mit Agile und Scrum Teams zu führen, mit einer sehr flachen Hierarchie und Offenheit sowohl gegenüber dem Rest von Nokia als auch in Bezug auf die Entwicklergemeinschaft als Ganzes. Als eine der jüngsten “Server Side” Gruppen bei Nokia gehen wir die Situation an, indem wir versuchen,  als gutes Beispiel voranzugehen. Traditionell verlangt der Herstellungsprozess für die Geräte ein hohes Maß an sehr strengen Kontrollen, Prozessen, Planung, Investition und Voraussicht. Auf Seite der Dienstleister müssen wir denselben genauen Ansprüchen gerecht werden, aber auch in der Welt der Internetgeschwindigkeit, häufigen Releases und Lieferung von Funktionalitäten leben. Diese Art von Verschiebung passiert organisch, von innen nach aussen. Aber weil wir sind wer wir sind ist es auch sehr wichtig, dass wir Teams und Funktionalität schnell skalieren. Diese manchmal gegensätzlichen Kräfte stellen sich als große organisatorische Herausforderung heraus, es ist schwierig die richtige Balance zu finden.

3. Vor ein paar Monaten hat Nokia das ebenfalls in London basierte Start-Up Dopplr gekauft, das sich auch mit Geographie beschäftigt, und einige Mitglieder des Teams stoßen jetzt zum OviMaps Projekt hinzu. Kannst du uns irgendwelche Details verraten?

Was ich sagen kann ist, dass wir uns sehr darüber freuen, dass dieses talentierte Team zu uns stößt! Ich habe mit einigen von ihnen in den letzten Monaten täglich zusammengearbeitet, und sie stecken voller großartiger Ideen. Kleine Firmen wie diese zu kaufen, die aus solchen erfinderischen und offenen Menschen bestehen, bringt eine sehr wertvolle und frische Perspektive in unsere Arbeit. Natürlich versuchen wir diese Talente so gut wie möglich einzusetzen. Sie nach Berlin zu locken war auch ziemlich einfach!


4. Eine Sache die wir hier im Blog oft erwähnen, worüber wir aber trotzdem immer wieder erstaunt sind, ist die phenomenale Geschwindigkeit in der sich die Online-Kartografie entwickelt. Google Maps, Bing, Cloudmade, OpenStreetMap und jetzt Ovi – Nutzern und Entwicklern steht immer mehr Auswahl zu Verfügung. Was glaubst was in den nächsten Jahren noch so passieren wird?

Ich glaube wir erleben grade nur die Spitze des Eisbergs und es gibt zwei Dinge die ich für wegweisend halte.

Zunächst, es gibt eine derartig phenomenale Menge an Information da draußen, von der keiner weiß, was er damit anfangen soll.  Von Adressen, POI-Daten, Reise und Routen bis hin zu sozialen Kontexten und “community commentary”. Manche Produkte wählen die Wühlkisten herangehensweise und schmeißen dem Nutzer einfach alles hin und lassen ihn selber aussortieren. Der Erwerb von Navteq hat uns wirklich in das Informations-Wettrennen katapultiert, wir haben die Möglichkeit sehr eng mit einer Firma zusammenzuarbeiten, die Menschen vor Ort hat, die POI verifizieren können und sehr genaue Daten liefern. Was Kartografie auf dem Gerät angeht sind Einfachheit und Genauigkeit am wichtigsten. Wenn wir Dienste erschaffen können, die dem Konsumenten die genaueste Information bieten können dann werden wir der erste Ansprechpartner auf dem Gerät. Mit offenen API für Geräte und Dienste glauben wir, dass wir die nutzbarsten Ortsinformationen bauen und verbreiten können und ein ortszentriertes Ökosystem drumherum aufbauen können.

Der zweite Punkt ist meiner Meinung nach Entdeckung. Wir haben relativ klare traditionelle Arten Orte auf der Welt zu finden – Adressen, Geokoordinaten, Regionen etc. – aber die Leute brauchen mehr. Sei es “finde interessante neue Orte die mir gefallen könnten” oder Spiele die auf Lokalisierung basieren, wir müssen einen Weg finden den Spaß und das Abenteuer zurück ins Entdecken von neuen Orten zu bringen. Dienste wir Dopplr geben Leuten einen Anreiz hinaus zu gehen, ihr Leben zu teilen und die Welt zu erforschen, um neue Orte zu entdecken. Wir tun unser Bestes diese Ideen weiterzuführen und auf ihnen aufzubauen, um den Leuten etwas zu geben das wertvoll ist und gleichzeitig Spaß macht.

Danke Josh – es freut uns zu sehen, dass ein weiteres Schwergewicht auf dem Markt die Online-Kartografie weiterentwickelt. Um mehr zu erfahren folgen Sie Josh auf Twitter @joshdevins.

Interview mit Andreas Bogen von Opportuno

Der Oktober hat begonnen und es wird Zeit für ein neues Interview.

Diesen Monat interviewen wir Andreas Bogen, einen der Geschäftsführer von Opportuno, der Job-Suchmaschine für Deutschland.

opportuno

1. Hallo Andreas! Ihr bei Opportuno macht für Stellenangebote was Nestoria für Immobilien macht – ihr findet Stellenangebote im Internet und stellt sie übersichtlich auf eurer Seite dar.
Kannst du unseren Lesern kurz erklären was Opportuno ausmacht und wie ihr auf die Idee gekommen seid, eine Suchmaschine für Stellenangebote anzubieten?

Die ersten Ideen für Opportuno entstanden vor ca. 5 Jahren. Uns ist damals aufgefallen, dass man auf Firmenwebsites meist viel mehr Stellenangebote findet als in den gängigen Jobbörsen. Zunächst haben wir ein kleines Tool für den Eigenbedarf entwickelt, das die Stellenangebote von mehreren Firmenseiten in einer Suche zusammenfasst. Aus diesem Hobbyprojekt wurde in den letzten Jahren eine ausgereifte Suchmaschine. Heute durchsuchen wir über 1.500 Firmenwebsites und Jobbörsen nach Jobs, wobei Firmenseiten nach wie vor unsere Spezialität sind. Wir können fast jede Website in kurzer Zeit anbinden und crawlen auch Daten aus dem sog. “Deep Web”, das für herkömmliche Suchmaschinen unerreichbar ist.

2. Ihr seid in Deutschland ansässig. Man hört ja oft, dass es für IT Start-ups in Deutschland nicht unbedingt einfach ist. Wie nehmt ihr das wahr?

Fakt ist: die USA bieten einige unbestreitbare Vorteile für Internet-Startups. Ein homogener Markt von 300 Mio Menschen mit nur einer Sprache, einem Rechtssystem und einer Medienlandschaft erlaubt Skaleneffekte, von denen wir nur träumen können. Dementsprechend fallen Finanzierungen und Erlöse auch um einiges größer aus als in Deutschland. Und mit prall gefüllten Kassen lassen sich größere Risiken eingehen und ausländische Märkte leichter erobern. Das soll jedoch nicht heißen, dass der Standort Deutschland unattraktiv wäre. Gerade in unserer Branche gibt es viele nationale Eigenheiten, die einer globalen “one size fits all” Strategie entgegenstehen. Gleichzeitig ist Deutschland groß genug, um auch hier zu wachsen. Wer mit seinem Startup die Welt verändern möchte, ist aber vermutlich im Silicon Valley besser aufgehoben.

3. Was ist deiner Meinung nach wichtiger für eine Suchmaschine, der Inhalt der Datenbank oder die visuelle Darstellung der Ergebnisse?

Beides ist wichtig. Wenn die Darstellung schlecht ist, wird niemand die verborgenen “Schätze” entdecken – egal wie gut die Datenbank ist. Ein elegantes Interface kann auf der anderen Seite keinen guten Content ersetzen. Die Qualität der Datenbank ist dabei nicht zu verwechseln mit der Quantität. Einige Jobsuchmaschinen werben mit der schieren Größe ihres Indexes. Diese Zahl lässt sich jedoch leicht manipulieren und sagt nichts über die Qualität der Daten aus. Cuil hatte angeblich auch einen größeren Index als Google…

4. Yahoo und Microsoft schicken sich ja grade an Google Druck zu machen, indem sie sich zusammengeschlossen haben. Gleichzeitig entstehen immer mehr vertikale Suchmaschinen wie Nestoria und Opportuno, die sich auf bestimmte Themen spezialisieren. Wie siehst du diese Entwicklungen?

Google ist mit einem geschätzten Marktanteil von über 90% in Deutschland ganz klar der Gatekeeper, an dem niemand vorbeikommt. Egal ob Onlineportal, Nachrichtenseite oder vertikale Suchmaschine, jeder ist abhängig von Google. Diese Abhängigkeit ganzer Branchen von einem einzigen Unternehmen birgt enorme Risiken. Insofern begrüßen wir den Vorstoß von Yahoo und Microsoft, auch wenn sich in naher Zukunft nicht viel an den Kräfteverhältnissen ändern wird.

5. Was sind die interessantesten Entwicklungen oder Applikationen momentan im Internet? Was fehlt dir, was muss noch erfunden werden?

Unser besonderes Interesse gilt natürlich den Stellenmärkten. Hier sehen wir zwei Trends, die den Markt langsam aber stetig verändern: zum einen werden Suchmaschinen, sowohl allgemein als auch vertikal, als Trafficquellen immer wichtiger. Zum anderen drängen Businessnetzwerke wie Xing und LinkedIn mit eigenen Stellenmärkten in den Markt. Es gibt also auf der einen Seite einen Trend zur breiten Streuung über Suchmaschinen, auf der anderen Seite zur gezielten Kandidatenansprache in der geschlossenen Welt der Businessnetzwerke. Spannend wird die Verknüpfung dieser zwei Trends, die bislang noch niemand erfolgreich umgesetzt hat.

Außerhalb des Jobmarktes finde ich vor allem die Entwicklungen im Mobile Commerce Bereich interessant. Ich warte noch auf ein Handy mit Barcode-Scanner, das mir wirklich einfach und zuverlässig zu jedem beliebigen Produkt Preise, Tests, Erfahrungsberichte, Nährwertangaben (bei Lebensmitteln) und den günstigsten Anbieter in meiner Nähe anzeigt. Es gibt bereits erste Applikationen, die in diese Richtung gehen. Reif für den Massenmarkt sind diese allerdings noch nicht.

Interview mit Klaus Bechtold von GPSies

Diesen Monat haben wir Klaus Bechtold von GPSies zum Interview gebeten. GPSies ist eine Seite die sich an Besitzer von GPS-fähigen Geräten richtet und hat eine stetig wachsende Community von internationalen Nutzern.

GPSies

1.
 Hallo Klaus! Du betreibst ja GPSies jetzt schon seit ein paar Jahren sehr erfolgreich. Kannst du für unsere Leser kurz erklären wie du auf die Idee kamst und was genau GPSies eigentlich ist?

Ganz kurz gesagt: GPSies ist ein Internet-Portal für Outdoor- und Sportstrecken. Bis heute wurden 250.000 Strecken von der Community gesammelt, gespeichert und auf den Karten dargestellt. Naja, das war die Kurzfassung. GPSies ist stark auf die Verwendung mit GPS-Geräten ausgerichtet und bietet als Highlight neben dem Strecken-Editor auch einen Online-GPS-Konverter, der sogar Höhendaten “on-the-fly” in den GPS Track einweben kann – technologisch eine wahre Herausforderung.

Aufgrund der offenen Schnittstellen können auch mobile Geräte, wie z.B. iPhone, BlackBerry oder Android an GPSies angeschlossen werden und Strecken austauschen. Die stark praxisorientierten Funktionen von GPSies werden von der Community geschätzt und geliebt, das Feedback ist überwältigend.
 Auf die Idee bin ich gekommen, weil ich genau so ein Tool gesucht und nicht gefunden hatte. Ich bin selbst Läufer und hatte im Jahr 2006 eine kostenlose Möglichkeit gesucht, wie ich meine aufgezeichneten GPS-Strecken visualisieren konnte – da gab es damals noch nicht viel, eigentlich gar nichts. Da ich neben Hobby-Läufer auch noch Software-Entwickler bin, fing ich an, GPS zu verstehen und das System zu entwickeln. Dass GPSies mal so groß werden würde, ist einfach passiert, das war so nie geplant :-)

2. 
In unserem Blog berichten wir immer wieder gerne über das OpenStreetMap Projekt. Inwiefern ist das für dich interessant und was hältst du davon?

Ich liebe OpenStreetMap (OSM) – das ist die beste Erfindung nach GPSies ;-) ! Spaß beiseite, OSM steht bei GPSies stark im Vordergrund. Zurzeit werden zwei verschiedene OSM Karten bei GPSies angeboten: die Standard-OSM Karte und die eine spezielle Fahrrad-Karte. Die Karten sind super und teilweise genauer als die kommerziellen – hier in Berlin ist das die beste und aktuellste Karte.
 GPSies leistet selbst aktiven einen Beitrag zur Unterstützung von OSM. Jeder Benutzer der GPSies Community kann entscheiden, ob er seine Strecke einfach per Knopfdruck an OSM sendet. Das machen mittlerweile sehr viele und somit ist GPSies sogar weltweit an Platz 15 der ” OpenStreetMap Top 50 users for uploads of GPS data”.

3. 
Was ist für dich momentan die interessanteste Entwicklung im Internet? Was könnte deiner Meinung nach “the next big thing” werden?

Die interessantesten Entwicklungen für mich sind die immer stärker zusammenwachsenden Dienste. Beispielsweise das Senden von Strecken per API an OSM, das Holen von Picasa Bildern auch via API und Einbinden in die GPSies Karte, das Senden neuer Strecken via Twitter-API, usw. Wir Portal-Betreiber kooperieren immer mehr und daraus werden individuelle und nützliche Funktionen, die man sich vorher nie vorstellen konnte. Mein Augenmerk liegt zurzeit stark im mobilen Bereich. GPSies gibt es auch als mobile Variante und ich bemerke auch dort einen starken Anstieg der Nutzung. Auch die von mir entwickelte Android Version wird immer mehr wahrgenommen und installiert (3.500 Installationen seit Juni 2009). Android ist übrigens mein neuestes Steckenpferd, die GPSies Android Version wird um weitere Funktionen ausgebaut.
Im Bereich von Streckenportalen werden sicherlich noch einige nützliche lokal-basierte Dienste hinzukommen (Live-Tracking, Verknüpfung von POI-Diensten wie Qype, servergesteuerte Trainingshilfen, usw.)

4. Was ist deine Erfahrung mit der deutschen Internetcommunity? Im Interview mit Christian Heilmann und Victor Henning erwähnen beide, dass die Sprachbarriere durchaus Hindernis sein kann, da Neuigkeiten oft im englischen Sprachraum veröffentlicht werden. GPSies ist ja inzwischen auch über Deutschland hinaus bekannt. Was sind deine Erfahrungen in Bezug auf Deutschland und die internationale Community?

Für mich gibt es keinen Unterschied, ob ich mit der deutschen oder internationalen Internetcommunity kommuniziere. Die Internetcommunity von GPSies besteht durchweg aus sehr freundlichen und aufgeschlossenen Menschen. In den drei Jahren habe ich schon sehr viele Freundschaften geschlossen, teilweise haben wir uns auch schon gegenseitig besucht. Ich war schon mal in Luxemburg eingeladen, dann mal in Österreich und da Berlin eine sehr große Anziehungskraft hat, hatte ich schon sehr viele Benutzer hier mal auf ein Bier oder zu einem gemeinsamen Lauf getroffen.

Ganz am Anfang der GPSies-Zeit hatte ein großes portugiesisches Mountainbike-Forum die Site entdeckt. Ich kam über die Log-File Analyse drauf und klinkte mich in die Diskussion ein. Die hatten echt super Ideen, darauf wäre ich als Läufer nie gekommen. Da ich die Ideen regelmäßig einen Tag später schon umsetzte, waren die natürlich voll euphorisch und fingen an, mich mit Forums-Karma zu überschütten. Am Schluss versuchten sie sogar einen Flug von Berlin nach Lissabon und ein Mountainbike zu organisieren, damit ich bei einer Challenge mitfahren sollte. Sie hatten sogar schon Ausreden überlegt, mit denen ich meine Frau besänftigen sollte, mal ein paar Tage alleine zu verreisen.

Da ich bei GPSies jeden mit „du“ anspreche, haben wir sehr geringe Kommunikationshürden. Viele der Benutzer sind 50 Jahre und älter, sehr viele Rennrad-Fahrer und Wanderer sind über 70, selbst mit dieser Gruppe lässt sich so umgehen, als ob ich mit einem 20-jährigen kommuniziere. Das liegt aber auch an der Sport-Community, uns verbindet der gleiche Geist. Als Dankeschön für die kostenlosen Dienste von GPSies bekomme ich regelmäßig Post mit Weinflaschen, Rennrad-Trikots oder Laufsocken.

5.
 Wie stellst du dir die Zukunft von GPSies vor?

Hm, das ist eine gute Frage, die ich gar nicht so leicht beantworten kann. Rein technisch und funktional wird GPSies ständig erweitert, das ist noch einfach zu artikulieren. Zurzeit forciere ich wieder die Android Version. Darauf will ich aber jetzt gar nicht eingehen.

Daneben gibt es aber noch einen anderen Punkt: ich betreibe GPSies ja nur nebenberuflich, quasi als Hobby. Die stark gewachsene Community ist neben meinem Hauptjob und meiner Familie, ich habe 2 Kinder, nur noch schwer zu betreuen. Da GPSies immer noch sehr stark wächst muss bald eine Entscheidung her – die kritische Masse ist schon lange erreicht. Mittlerweile habe ich zumindest in der Administration Unterstützung – ein befreundeter Admin hilft mir für ein kleines Salär bei der System-Betreuung. So kann ich mich zumindest um das Marketing, um die Community und um die Weiterentwicklung kümmern. Wenn GPSies jedoch weiter so stark wächst, dann habe ich jetzt schon Bedenken, wie ich das nächste Frühjahr/Sommer bewältigen soll.

Der Betrieb von GPSies (Server-Farm, IVW-Zählpixel, Admin) trägt sich selbst durch die Schaltung von Werbung – jedoch kann ich mit damit alleine nicht in das Risiko der Selbständigkeit begeben. Das Risiko kann ich meiner Familie nicht aufbürden. Ich habe schon mal über einen anteiligen Verkauf von GPSies nachgedacht – da könnte ich als “Kopf” dabei bleiben und das operative Geschäft abgeben. Mal sehen – Anfragen in dieser Richtung hatte ich schon. Ich möchte aber unbedingt, dass alle Funktionen von GPSies kostenlos bleiben. Strecken sind aus meiner Sicht allgemeingut und dürfen nicht verkauft werden.

Vielen Dank für das Interview, Klaus, und viel Erfolg weiterhin mit GPSies!

Interview mit Victor Henning von Mendeley

Victor Henning

Victor Henning

Und schon ist der August da und es ist Zeit für unser Interview des Monats. Diesen Monat haben wir mit Victor Henning gesprochen, einem der Gründer von Mendeley. Mendeley ist ein Service, mit dem Akademiker Informationen zu Quellen und Publikationen teilen können und wird im Internet als “das Last.fm für akademische Recherche” bezeichnet.

Mendeley hat ja in den letzten Monaten einiges an Lob einheimsen können. Kannst du unseren Lesern kurz beschreiben wie die Idee zu dem Projekt entstand und wie euer Service funktioniert?
Gerne! Ende 2004 hatten mein Mitgründer Jan Reichelt und ich gerade angefangen zu promovieren – ich an der Bauhaus-Universität Weimar über die Rolle von Emotionen in der Entscheidungstheorie, Jan an der Uni Köln über strategisches Informationsmanagement. Das Doktorandenleben war so großartig wie erwartet, bis auf eine Ausnahme: Literaturrecherche und -verwaltung. Die bestehenden Tools waren derart altbacken, dass man fast dachte, man müsste sie mit Lochkarten füttern.

Wir machten uns also Gedanken, was eine moderne Literaturverwaltungssoftware können sollte, um unsere Forschungsarbeit einfacher zu machen. Die Software sollte unsere Artikel-Sammlung automatisch in eine strukturierte Datenbank verwandeln, indem sie automatisch die Autor, Titel, Jahr, Journal, Keywords etc. ausliest; sie sollte automatisch Bibliographien erstellen; man sollte Artikelsammlungen einfach mit Co-Autoren synchronisieren können; und wir wollten damit PDFs lesen, markern und kommentieren.

Dann ging uns irgendwann ein Licht auf: Wenn man die individuellen Artikel-Datenbanken jedes Nutzers anonym aggregiert, tun sich ganz neue Möglichkeiten auf! Man kann Statistiken über aktuelle Forschungstrends erstellen: Welche Artikel werden gerade gelesen, an welchen Themen arbeiten die Leute? Man kann Empfehlungen generieren: Leute mit den gleichen Forschungsinteressen wie Du lesen gerade diese fünf Artikel, die Du noch nicht kennst – und ein Doktorand in den USA arbeitet an einem ähnlichen Thema wie Du, vielleicht solltet Ihr zusammenarbeiten. Der gleiche Gedanke steckt ja hinter dem Musikdienst Last.fm: Der erfasst, welche Musik die Nutzer gerade hören, und daraus generiert Last.fm Trend-Statistiken und personalisierte Radio-Streams; ebenso kann man Leute mit ähnlichem Musikgeschmack entdecken.

Ein Freund von mir, Paul Foeckler, hatte an der Bauhaus-Universität gerade seine Informatik-Diplomarbeit über Empfehlungssysteme geschrieben und passte daher perfekt ins Konzept: Wir holten ihn als dritten Gründer mit an Bord und legten mit der Entwicklung eines Prototypen los, den wir outgesourced in Weissrussland entwickeln liessen. Mit diesem Prototypen sind wir Mitte 2007 zu Stefan Glänzer gegangen – ehemaliger Ricardo.de-Gründer, zu dem Zeitpunkt Chairman von Last.fm, und einer der erfolgreichsten Business Angels in Europa.

Zum Glück für uns stand gerade der Verkauf von Last.fm an CBS für $280 Millionen Dollar an, so dass Stefan auf der Suche nach einem neuen Projekt war – und so wurde er unser erster Investor, Mitgründer und Chairman. Anfang 2008 siedelten wir die Firma in London an, bauten unser eigenes Entwicklungsteam auf, und sind seit Ende 2008 mit der ersten Public Beta-Version unserer Software am Markt. Eine Übersicht über die Features gibt’s hier: Mendeley Bibliography Manager.

Die Entwicklung dieses Jahr ist vielversprechend: Unsere fünf größten Nutzergruppen sind (in dieser Reihenfolge) MIT, Stanford, University of Michigan, Harvard und Cambridge – wir erreichen also die Forscher an den Top-Unis. Zudem haben wir den Plugg 2009 “Start-Up of the Year“ Award gewonnen, wurden bei den TechCrunch Europe Awards 2009 als “Best Social Innovation Which Benefits Society“ ausgezeichnet und waren Finalisten bei The Next Web 2009.

Mendeley Desktop Programm

Mendeley Desktop

Obwohl alle Gründer eurer Firma aus Deutschland kommen seid ihr in London ansässig. Christian Heilmann hat in unserem Interview letzten Monat davon gesprochen, dass in Deutschland die Sprachbarriere durchaus eine Rolle in der Entwicklung neuer IT-Produkte spielt, da die meisten neuen Informationen auf Englisch veröffentlicht werden. Warum habt ihr euch dafür entschieden eure Firma in Großbritannien zu Gründen? Ist die Situation im wissenschaftlichen Bereich ähnlich und hat das einen Einfluss auf die Entscheidung gehabt?

Die Sprachbarriere war tatsächlich ein Grund: Wissenschaft spielt sich vor allem auf Englisch ab, und unsere wichtigsten Märkte sind in den USA und UK, was bedeutete, dass wir auf Englisch entwickeln mussten. Das ist mit englischen Programmierern natürlich leichter.

Es gab aber noch mehr gute Gründe: Paul und Stefan waren damals bereits in London, einige der besten Unis weltweit sind direkt in der Nähe (Cambridge, Oxford, King’s College, Imperial College, UCL, LSE etc.), London ist die Venture Capital-Hauptstadt Europas, die meisten großen Internetkonzerne haben ihre Europazentralen hier, und man wird auch auf dem amerikanischen Markt anders wahrgenommen. Unser neuer Research Director, Jason Hoyt, der in Stanford in Genetik promoviert und selber ein Forschungs-Start-Up im Silicon Valley gegründet hat, wäre zum Beispiel nicht zu uns gekommen, wenn wir in Deutschland sitzen würden.

Akademiker, vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich, sind ja im allgemeinen nicht grade dafür bekannt technologieaffin zu sein. Dabei ist das Internet ein perfekter Rahmen für internationale Zusammenarbeit und gegenseitige Bereicherung von Forschung. Kannst du da einen Wandel feststellen und welche Rolle spielt euer Service dabei?

Ich glaube nicht, dass sich der Prozentsatz der Early Adopter unter Wissenschaftlern stark von dem in der Gesamtbevölkerung unterscheidet – was ja eigentlich auch erstaunlich ist, da man eigentlich einen höheren Geek- und Nerd-Faktor erwarten würde. Aber dennoch gibt es in jeder Wissenschaftsdisziplin Early Adopter – ein gutes Drittel unserer Nutzer stammt aus dem sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich.

Die meisten Tech- und Internet-Initiativen kommen aber doch aus den Life Sciences, vor allem Computational Biology und Chemie. Es gibt Trends hin zu mehr Offenheit, z.B. arbeitet die “Open Notebook Science”-Bewegung daran, alle von ihren Labormaschinen generierten Daten automatisch auf öffentliche Labor-Blogs zu übertragen und somit wertvolle Rohdaten für andere Wissenschaftler zugänglich zu machen. Einige mit uns befreundete Mediziner und Chemiker sind unter den ersten Google Wave-Hackern. Auch die Open Access-Bewegung, die von Physikern mit arXiv angeführt wurde, hat durch die Public Library of Science (PLoS)-Journals extrem an Qualität gewonnen.

Mendeley versucht ebenfalls, einen Beitrag zu besserer Vernetzung von Daten zu leisten: Wir möchten es einfacher machen, Literatur zu verwalten und auszutauschen, und durch Tagging, semantische Analyse und Forschungstrend-Charts Zusammenhänge zwischen Artikeln und Wissenschaftsdisziplinen zu verdeutlichen. Aus dieser Datenvernetzung kristallisieren sich dann auch Verbindungen zwischen Wissenschaftlern heraus, die an ähnlichen Themen arbeiten.

Google versucht ja mit Google Books Bücher einfacher über das Internet verfügbar zu machen. Wie stehst du zu diesem Ansatz und glaubst du, dass es da Berührungspunkte mit eurem Konzept gibt?

Grundsätzlich finde ich das super – ich habe schon häufiger Dinge in Google Books gefunden, auf die ich sonst keinen einfachen Zugriff gehabt hätte. Interessanterweise gab es aber einige Spannungen zwischen Google und den US-Universitätsbibliotheken, die ihre Bücher zum Scannen bereitgestellt haben. Die Bibliothekare fühlten sich bei Kommunikation und Datenzugriff aussen vor gelassen, nachdem Google ihre Bücher digitalisiert hatte und die Bibliotheken danach nicht mehr brauchte.

Berührungspunkte zu Mendeley gibt es durchaus – aber vielleicht eher im E-Book-Sektor. Wir konzentrieren uns vor allem auf wissenschaftliche Journals und weniger auf Fachbücher, aber viel Content wird in den nächsten Jahren über Amazons Kindle, Sonys E-Reader, den Plastic Logic-Reader etc. verfügbar sein, was die Vertriebsstrukturen im Academic Publishing-Sektor verändern wirbeln wird. Wir wurden schon häufiger von Verlagen angesprochen, ob sie ihren Content nicht über Mendeley verkaufen können – die Vorteile wären ein direkter Zugang zum Workflow des Wissenschaftlers, adaptives Pricing und niedrigere Kauf-Barrieren durch weniger Drop-Off-Points – und daran arbeiten wird. Ebenso haben einige unserer Nutzer uns gebeten, doch mit E-Reader-Herstellern zu kooperieren, damit sie ihre Mendeley-Artikelsammlung auch auf ihrem Reader verwalten können.

Was sind für dich die momentan spannendsten Entwicklungen im Internet? Was fehlt dir noch?

Ui, schwierig. Wie sich das Web weiter auf das iPhone und andere mobile Geräte anpassen wird, finde ich spannend – kein anderes Gerät hat mein Web-Nutzerverhalten so stark beeinflusst wie das iPhone. Und wenn ich Google Wave, HTML5, Google Gears und Adobe Air sehe, verschwimmen die Grenzen zwischen verschiedenen Webseiten, Datenbanken, Desktop- und Web-Apps, On- und Offline immer weiter – wir sind ja auch mit einer Cross-Platform-Desktop-Software und einer Website unterwegs, werden unsere Forschungstrend-Daten über eine API bereitstellen, und Mendeley-Literatursammlungen lassen sich jetzt schon auf anderen Seiten einbetten. Das finde ich faszinierend und nervenaufreibend zugleich: Wir stecken auch mittendrin im Strudel und müssen durchpaddeln.

Was mir noch fehlt: Neulich hatte ich aber die Idee für einen Kochlöffel mit integrierter elektronischer Zunge und gespeicherten Rezepten, der mir sagt, welche Zutat ich jetzt noch hinzufügen muss. Meine Freundin hat mich aber ausgelacht.

Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit Mendeley weiterhin!

Interview mit Carsten Germann von Immobild

Der Juli ist da und damit wird es wieder Zeit für unser Interview des Monats. Dieses Mal haben wir mit Carsten Germann vom Immobilien-Blog Immobild.de gesprochen.

Hallo Carsten! Du bist verantwortlicher Redakteur für das Blog Immobild. Kannst du unseren Lesern bitte kurz erklären worum es bei euch geht?

Mit Immobild wollen wir allen Nutzern, die sich für das Thema Immobilien interessieren, tagesaktuell neue Entwicklungen innerhalb der Branche näher bringen. Das Themenspektrum reicht dabei von interessanten Marktdaten, der Präsentation von aktuellen Mietspiegeln und Mietpreis-Indizes über Reportagen zu verschiedenen Immobilienmärkten in Deutschland und Europa bis hin zu signifikanten Trends im Bereich Immobilienfinanzierung. Wie steht es um das Zinsniveau bei der Baufinanzierung? Welches sind die attraktivsten Bürostandorte in Deutschland? Welche Entwicklung nehmen beispielsweise die Immobilienpreise in Hamburg und wo findet man Mietwohnungen? Dies sind nur einige von vielen spannenden Fragen, die unsere Nutzer interessieren und die wir bei Immobild in Form von solidem Infotainment behandeln.

Die ImmoStudie 2009 hat ja bestätigt, dass der Online-Immobilienmarkt auf dem Vormarsch ist und Kleinanzeigen an Wichtigkeit verlieren. Wie siehst Du diese Entwicklung und welche Veränderungen erhoffst du dir in naher Zukunft auf diesem Sektor?

Für das Internet als wichtigstes Vermarktungsmedium für Immobilien ist dies natürlich positiv. Das Internet, so zeigt es u. a. die ImmoStudie 2009, hat seine Vormachtstellung im Vergleich zum Vorjahr noch weiter ausbauen können und wird auch langfristig der wichtigste Vermarktungskanal für Immobilienprofis, aber auch das wichtigste Suchmedium für Immobilieninteressierte bleiben. Eine Prognose über die weitere Nutzung von Zeitungen erscheint mir schwierig, denn in diesem Bereich muss man vor allem abwarten, wie lange die Wirtschafts- und Finanzkrise für Zurückhaltung der Inserenten in den Rubrikenmärkten der Tageszeitungen sorgt.

In UK und den USA hat die Finanzkrise den Immobilienmarkt ja gehörig ins Wanken gebracht. Welche Auswirkungen hat die Krise deiner Meinung nach auf den Online-Markt in Deutschland?

Der Online-Markt in Deutschland kann als Gewinner aus der Krise hervorgehen. Voraussetzung dafür sind steigende Insertionen seitens der Immobilienanbieter bei den großen Immobilienportalen. Ein entsprechend großes Angebot an Immobilien online lockt auch immer mehr Interessenten auf führende Immobilienseiten. Hinzu kommt, und das belegen auch aktuelle Erhebungen wie die ImmoStudie 2009, dass der Stellenwert von Immobilienportalen auf Anbieterseite immer höher wird. Wenn man sieht, dass mehr als 90 Prozent der innerhalb der ImmoStudie befragten Anbieter Immobilienportale als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ einstufen, dann spricht das eindeutig für das Medium Internet als ideale Vermarktungs- und Präsentationsplattform für Immobilien.

Was sind für dich die spannendsten Entwicklungen im Internet im Moment?

Ich finde die sogenannten „Social Networks“ wie Facebook oder wer-kennt-wen.de äußerst spannend aber auch die Fortschritte, die das mobile Internet in jüngerer Vergangenheit gemacht hat. Beim mobilen Internet begeistert mich vor allem die intensive und persönliche Beschäftigung des Nutzers mit den Inhalten. Hier stehen Unterhaltung, Nachrichten und Sport ebenso hoch im Kurs wie die Suche nach Immobilien. Diese Entwicklung zu verfolgen, macht einfach Spaß.

Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg weiterhin mit Immobild.de!

Interview mit Christian Heilmann

Unser Interview für Juni haben wir mit Christian Heilmann geführt. Er ist International Developer Evangelist bei Yahoo und hat u.a. an Yahoo Maps Europe und Yahoo Answers gearbeitet. Heute reist er durch die Welt und hält Vorträge zum Thema Webentwicklung und Mashups. Ausserdem ist er Autor von mehreren Büchern über JavaScript und Ajax.

1. Du bist International Developer Evangelist bei Yahoo. Erklär uns doch bitte kurz was das ist und was genau du machst.

Mein Job ist es mit Entwicklern zu kommunizieren. Das ist schwieriger als man denkt da die normalen Kommunikationskanäle in und von Firmen nicht funktionieren. Marketing und PR sprechen nicht die gleiche Sprache wie Entwickler und der Erfolg einer Firma die Entwicklerprodukte erstellt hängt davon ab, wie einfach es ist diese anzuwenden. Meine Aufgabe ist es Dokumentation und Präsentationen zu erstellen um die ersten Schritte von Entwicklern einfacher zu gestalten. Im Umkehrschluss bin ich auch das Sprachrohr für Entwickler und erkläre deren Ideen und Probleme den Yahoo Entwicklern und Management. Intern bin ich auch einer der Ausbilder für neu eingestellte Entwickler.

2. Die letzten fünf Jahre waren eine sehr innovative Zeit für das Internet, vor allem was “Frontend-Engineering” betrifft. Fass die Neuigkeiten für unsere Leser bitte kurz zusammen. Was sind die Auswirkungen dieser neuen Technologien? Was sind die neusten Projekte die du derzeit spannend findest?

Das beste was in den letzten Jahren passiert ist, ist das unsere Entwicklungsumgebungen viel professioneller wurden. Neuere Browser haben weniger konfuse Fehler und mit Erweiterungen wie Firebug, YSLow, DragonFly und ähnlichem können wir endlich ohne Schwierigkeiten herausfinden was denn die Ursache von Fehlern ist. Bibliotheken wie YUI, JQuery, Dojo und Prototype machen es Entwicklern einfacher funktionierende Seiten und Applikationen zu erstellen ohne sich gross Gedanken über Browserunterschiede machen zu müssen und CSS Lösungen wie YUI Grids, 960 oder Blueprint machen es viel einfacher, Layouts zu erstellen.

Generell ist das was mir derzeit am meisten Spass macht zu beobachten wie sich das Web von einzelnen Seiten zu einer weltweiten Datenbank entwickelt. Anstatt einfach nur Seiten zu erstellen erlauben mehr und mehr Firmen Entwicklern auch mittels APIs an diese Daten zu gelangen, um neue und andere Applikationen mit diesen Daten zu erstellen. Das Web war für begabte Entwickler schon immer eine Fundgrube von Daten und mittels APIs und Systemen wie Pipes, YQL, Google App Engine, Gnip, Amazons S3 und EC2 und so weiter ist es immer einfacher neue Zusammenstellungen von Daten zu erstellen.

Ich arbeite derzeit viel mit Universitäten, Museen, Zeitungen und Firmen um diese Idee Entwicklern in diesen Institutionen näher zu bringen und hatte schon einige Erfolge.

Wenn es um Technologien geht bin ich schwer von Canvas, HTML5 und Aria begeistert, da diese es uns ermöglichen, funktionierende, semantische und barrierefreie Applikationen zu erstellen ohne diese in HTML, CSS und JavaScript simulieren zu müssen. Als “old-school” JavaScript Entwickler bin ich auch sehr glücklich darüber das immer mehr APIs JSON als Ausgabeformat anbieten und serverseitiges JavaScript auch immer mehr eine sinnvolle Alternative darstellt.

Geolocation ist auch ein sehr heisses und interessantes Thema. Mit Systemen wie dem iPhone und Browsern die mittels Geocode, FireEagle, Plazes oder anderen Systemen mir sagen können wo ich bin habe ich einen Bezugspunkt zur realen Welt, den ich mittels Geodaten dann auch die richtigen Ergebnisse liefern kann. Wenn mir mein Handy sagen kann welche Cafes in der Umgebung offen sind und wie gut sie bewertet wurden, dann hab ich mehr Spass in einer neuen Stadt.

3. Welches Modell glaubst du wird gewinnen -  von grossen Firmen wie Yahoo! gesteuerte Projekte wie YUI oder OpenSource Projekte wie JQuery? Warum?

Hmm, es ist immer wieder faszinierend zu sehen wie viele Entwickler meinen es gibt einen riesen Unterschied zwischen diesen Systemen. Das stimmt nicht. YUI ist open source und kann von jedem verwendet, gehostet und geändert werden. YUI3 ist sogar als branch auf Github.

JQuery wird von mehreren Firmen unterstützt, genauso wie Dojo und ist nicht nur ein Untergrund/Geek Projekt. YUI hat einen Vorteil gegenüber anderen Bibliotheken: Yahoo braucht YUI und erstellt die eigenen Sachen damit. Daher kann man sicher gehen das die offiziellen Widgets auf allen Browsern die Yahoo unterstützt funktionieren. Wer für mehrere hundert Millionen Besucher entwickelt hat dann doch ein paar gute Gründe das auch gut zu testen und in mehreren Sprachen und Märkten zu verwenden.

Man kann nicht wirklich sagen, was denn besser ist, da jQuery und YUI verschiedene Philosophien verfolgen. YUI ist ein Framework das von Interface Patterns ueber CSS Lösungen, JavaScript Komponenten und Widgets bis hin zu Testwerkzeugen wie einem Logger, Profiler und Testframework reicht. jQuery will das Entwickler schnell und sicher etwas in so wenig Kode wie möglich erstellen können. Für mich ist YUI eine bessere Lösung wenn man in grösseren Teams und internationalen Produkten arbeitet, jQuery ist dahingegen unschlagbar darin, schnell, viel zu erstellen.

Ich finde es klasse das es viele erfolgreiche Bibliotheken gibt und das die verschiedenen Teams nicht miteinander im Wettbewerb stehen, sondern sich gegenseitig helfen und Fehlerinformationen und Lösungen untereinander austauschen.

4. 2005 erschien Google Maps und die ersten Anwendungen die auf den Karten basierten (Mashups) waren eigentlich unerlaubte da Google keine Schnittstelle hatte und den Zugriff auf die Karten gar nicht direkt erlaubte. 2006 kam dann die Mashup-Welle und jetzt gibt es schon fast 2000 solcher Anwendungen (z.B. hier)
Gibt es etwas das dir in diesem Bereich noch fehlt? Womit könnte man sich in dieser Fülle von Angeboten noch abheben?

Man kann dann doch noch viel mehr mit Karten und Kartensystemen erstellen als wir schon haben. Der Streetview von Google zeigt das schon mal auf. Interessant wird es mit Überlagerungen. Beim Open Hack in London dieses Jahr hat eine der Gruppen eine Graffiti tagging engine für Streetview erstellt mit der man seine Unterschrift in die virtuelle Welt stellen kann. Das verbunden mit Twitter der GPS location auf Handys kann richtig witzig werden. Wenn man mal eine sehr kindische und dann doch witzige Sache sehen will kann ich GPS cocks empfehlen.

Das Problem mit Karten ist, dass diese Copyright haben und daher jeder Kartenbetreiber an die Verlage zahlen muss, daher kann man nicht alles was man gerne freigeben würde auch rausgeben. Als ich an Yahoo Maps arbeitete wurde mir das zum ersten mal bewusst, als Geek und Hacker ist man dann doch immer gewohnt alles umsonst zu bekommen. Irgendeiner muss aber dafür bezahlen.

Was mich derzeit fasziniert ist Daten zu bekommen die ich vorher noch nicht hatte wie zum Beispiel mein Verkehrskamera Mashup oder auch Systeme die es mir erlauben Geo Daten aus Texten zu holen, wie zum Beispiel mein TweetLocations Mashup das Twitter updates analysiert um sie dann auf einer Karte anzuzeigen.

Ich denke das user generated content in Karten mehr und mehr interessant wird, da viele Kartendaten einfach falsch sind oder interessante Informationen die aus dem normalen Sprachgebrauch kommen wie Spitznamen von Städteteilen nicht in den offiziellen Datensätzen vorhanden sind.

In einem der Universitäts Hack Days haben Studenten aus Schottland zum Beispiel eine Lösung gelötet die es mir erlaubte, mittels einer Wii Remote Yahoo maps oder Google Earth zu navigieren, und das konnte was.

5. Als Deutscher der ins Ausland gegangen ist und nun für einen Internet-Giganten arbeitet: Gibt es genügend Innovation in der deutschen Internet-Szene? Oder muss man Deutschland verlassen um an wirklich interessanten Projekte zu arbeiten?

Gute Frage, ich bin seit zehn Jahren nicht mehr in Deutschland und Teil meiner Karriere ist wohl auch das ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war und kein Problem damit hatte mal schnell umzuziehen. Was mich in Deutschland immer zurückgehalten hat war das man für alles eine Lizenz braucht oder erstmal offiziell ausgebildet werden muss. Ich wär wahrscheinlich in Deutschland arbeitslos da ich weder einen Uni Abschluss noch eine Berufsausbildung habe.

Es gibt ne Menge schlauer Entwickler in Deutschland die das Herz auf dem richtigen Fleck haben, ich merke das immer wieder wenn ich mit Webkrauts spreche oder auf Konferenzen wie die EfA oder die Flashforum Konferenz mich mit Leuten unterhalte. Das Problem scheint zu sein das Firmen weniger auf ihre Mitarbeiter und mehr auf die Medien hören. Die Sprachbarriere ist natürlich auch ein Problem. Neueste Informationen gibt es nun einmal erst auf Englisch, da muss man sich dran gewöhnen. Das ist keine amerikanische oder englische Arroganz, es ist einfach so das weltweit Entwickler englisch miteinander kommunizieren (und auch programmieren).

Man muss also nicht Deutschland verlassen um an interessanten Projekten zu arbeiten. Was man machen muss ist die Augen offen zu halten und sich einfach mal trauen etwas Neues zu entwickeln, ohne zu wissen wo das denn genau endet oder ob es ein Erfolg wird. Wenn man ein weltweites Produkt erstellt ist das sogar überaschend einfach, da amerikanische Entwickler sich mit mehrsprachigen Produkten um einiges schwerer tun als Europäer oder Asiaten.

Was mich richtig nervt ist das fast jedes tolle Web 2.0 Produkt aus Amerika dann auch als deutsche Kopie erstellt wird anstatt das man an dem schon etablierten Netzwerk teilnimmt. Ich hatte einige Angebote doch nach Deutschland zu kommen um “ein deutsches Twitter” oder “das deutsche Slideshare” zu erstellen. Da hätte ich mal gar keinen Spass dran, da kopieren dann doch wenig mit Innovation zu tun hat.

6. Warum gibt es 140 Fotos von einem Duzend Leute auf Flickr mit dem
Tag “ The Hair of Christian Heilmann“. Ist das ein Kult?

Weniger, das nennt sich verschrobener englischer Humor. Mein jetzt Ex-Kollege (hatte nichts damit zu tun das er die Firma verlassen hat) Mark “Norm” Norman Francis hat das einfach mal als Tag verwendet um seine Überraschung kund zu tun, dass es doch dann einfach sei mich in einer Gruppe zu finden. Dann hat das Wellen geschlagen und mehr und mehr Flickr Nutzer machten das Gleiche. Interessant werden dann die Zufälle wenn man sieht das die Abgeordnete der Bayernpartei aus meiner Heimatstadt dann doch nicht weit davon entfernt ist.

Nestoria Interview – Stephan Uhrenbacher, Gründer von Qype

Wir fühlen uns sehr geehrt, heute mit Stephan Uhrenbacher zu sprechen, dem Gründer der innovativen lokalen Bewertungsseite Qype, die es mittlerweile europaweit gibt und die seit kurzem zu Nestorias Partnern gehört. Qype ist nicht nur eine großartige Seite, sondern auch technisch und geschäftlich eine faszinierende Firma, die es schafft, gleichzeitig mit Problemen wie Suche, Geodaten, benutzererstellten Inhalten und Internationalisierung umzugehen. Vor Qype hat Stephan weitreichende Online-Erfahrungen gesammelt, indem er bei DocMorris.de (einer Online-Apotheke), Bild und einer der Supermarken des Web 1.0 in Europa, LastMinute.com, gearbeitet hat.

Stephan, vielen Dank für das Gespräch. Wir haben einige Fragen an dich:

1. Qype hat kürzlich Geldmittel beschafft. Was sind eure Pläne? Weitere geographische Expansionen? Ankäufe? Mehr wilde Partys für loyale Qype-Nutzer?

Die lokale Sparte ist sehr hart umkämpft. Wir führen unseren Kurs weiter, eine großartige Lösung für unsere Nutzer bereitzustellen, die das Gute ihrer Stadt mit anderen teilen möchten.
Gleichzeitig entwickeln wir verschiedene interessante mobile Produkte, wie das neue Qype Radar für das iPhone.
Ausserdem erweitern wir weiterhin unsere Kundenbasis aus regionalen Geschäften, die auf einer sehr kostenwirksamen Art und Weise Kunden über Qype anziehen können.

2. Denkst du, dass kleine Geschäfte bei dem aktuellen ökonomischen Klima neue Modelle wie Qype bereitwillig annehmen, um mehr Kunden zu gewinnen, oder halten sie sich lieber an altbewährte Methoden?

Es ist auf jeden Fall schwieriger, Leute zu überzeugen, etwas Neues auszuprobieren. Aber da Qype die Kosten für lokale Geschäfte, die neue Kunden anlocken wollen, radikal senkt, erleben wir nach einem phänomenalen Start in Deutschland auch eine großartige Aufnahme unter anderem  in Großbritannien.

3. Innerhalb des letzten Jahres hat die mobile Sparte durch Apple’s iPhone und der Übernahme Navteqs durch Nokia enorme Innovationen auf dem Gebiet der lokalen Dienste gesehen. Was sind Qypes Pläne auf diesem Gebiet?

Wir bereiten zur Zeit den Launch von Qype Radar für das iPhone vor. Damit bekommt man ein genaues Bild davon, was um einen herum gut oder nicht so gut ist. Ausserdem haben wir eine erste Version unseres API herausgebracht, das manche Anbieter dazu benutzen, Dienste für andere mobile und Navigationsgeräte zu integrieren.

4. Qypes Standardverzeichnis wird durch Bewertungen von Nutzern stark angereichert. Nutzer schreiben anscheinend gerne über z.B. ihre Lieblingsrestaurants. Welche Möglichkeiten siehst du für Bewertungen oder Nutzer-Inhalte für weniger häufig genutzte Dienste, wie Immobiliensuche?

Wir denken, dass alles von der Häufigkeit der Nutzung und der Größe der Seite abhängig ist. Natürlich bekommen wir deshalb mehr Bewertungen von Restaurants als von weniger frequentierten Diensten. Aber bei der aktuellen Größe der Seite, 7 Millionen Unique Users per Monat, sehen wir eine sehr solide Bewertungsbasis auch bei weniger benutzten Diensten.

Danke für deine Zeit, Stephan! Wer an Qypes Fortschritten interessiert ist, sollte deren Blog lesen und über Stephan kann man sich bei Twitter auf dem Laufenden halten. Bei Nestoria freuen wir uns über die Partnerschaft mit Qype und wir denken, dass auch unsere Nutzer große Freude daran haben werden.

Nestoria Interview – Albert Warnecke, Shoptrex

Wir freuen uns, diesen Monat mit Albert Warnecke, einem der Gründer von Shoptrex, zu sprechen

Shoptrex wurde von Albert Warnecke und Stephan Brambach gegründet. Die Idee zu Shoptrex stammt von Albert, der vorher unter anderem im Gründungsteam von Yahoo! Deutschland gearbeitet hat und Experte im Bereich Business Development und Marketing ist.
Nach einjähriger Entwicklungszeit startete Shoptrex Ende Oktober 2008 in die Pilotphase.

Albert, danke dass du dir Zeit für uns genommen hast!

1) Erkläre doch bitte kurz, was Shoptrex ist und wie die Idee dafür zustande kam.

Shoptrex ist eine Empfehlungsmarketing-Plattform für Online-Händler mit spezialisiertem Angebot. Geboren wurde Shoptrex aus der Erkenntnis, dass es kleine Händler schwer haben, Kundschaft zu finden. Auf den Suchmaschinen konkurriert man mit den tiefen Taschen der großen Anbieter, bei Preisportalen geht es nur um den Preis und Affiliate-Marketing kann sehr aufwändig werden. Empfehlungsmarketing ist anerkanntermaßen eine ausgezeichnete und  sehr wirksame Form der Kundengewinnung. Aber in der Praxis eben auch sehr mühsam. Jeder Kunde muss einzeln gewonnen werden. Empfehlungsmarketing und Reichweite – das ging bis jetzt schlecht zusammen.

Mit Shoptrex bieten wir eine Plattform an, die beides verknüpft: Die Qualität des Empfehlungsmarketings mit der Reichweite von “normaler Werbung”. Unser Ziel ist es, die “operative Mühsal” aus dem Prozess herauszubekommen und Empfehlungsmarketing zu einer Zeit-effizienten Marketingmethode zu machen.

Die Grundidee: Händler, die eine gemeinsame Zielgruppe bedienen, aber mit unterschiedlichen Produkten handeln, schließen sich zu einem Empfehlungs-Netzwerk zusammen. Jeder Händler empfiehlt nach dem Kauf seinen Kunden einen Besuch bei seinen Partnern.
Vorteil für die Kunden: Sie lernen neue – potentiell interessante – Shops kennen.
Vorteil für die Händler im Netzwerk: Die neuen Besucher gehören zur Zielgruppe, die Streuverluste sind minimal.

2) Welche Vorteile bietet Shoptrex gegenüber konventioneller Bannerwerbung?

Die drei wichtigsten Vorteile Shoptrex gegenüber anderen Werbekanälen:

1) Groß in Mode bei der Bannerschaltung: Targeting. Mit allen möglichen Tricks wird versucht, die Streuverluste klein zu halten. Bei Shoptrex gibt’s das Targeting “gratis” dazu. Weil immer nur Händler kooperieren, die die gleiche Zielgruppe ansprechen ist das Targeting garantiert und Streuverluste werden systematisch klein gehalten.

2) Außerdem ist Shoptrex Empfehlungsmarketing. Da der Händler seine Partner sorgfältig auswählt  – schließlich will er nicht irgendwelche Banner auf seinem Shop haben – kommen die Partner als Empfehlung und nicht als Werbung rüber. Werbung nervt, eine nette Empfehlung nimmt jeder gerne entgegen.

3) Es werden Menschen angesprochen, die auch wirklich im Internet einkaufen.

3) Wie stellst du dir zukünftige Online-Geschäftsmodelle vor? Welche Veränderungen wird es auf dem Markt geben?

Offen gesagt mit Free, Freemium und reiner Abo haben wir alle Geschäftsmodelle beisammen. Da wird sich meiner Meinung nach nichts ändern.
Ein Angebot
- ist entweder komplett werbefinanziert, also frei für die Nutzer
- besteht aus einem eingeschränkten Basisdienst und einem kostenpflichtigen aber ohne Einschränkungen zu nutzenden Premiumdienst (so wie Shoptrex)
- ist nur gegen Geld zu haben (Recherche- und Datenbank-Services im B2B-Bereich)

4) Wie siehst du die Zukunft auf dem Immobilienmarkt im Internet? Wie werden Geschäftsmodelle hier aussehen, insbesondere was Dienste wie Nestoria angeht?

Für mich sind Dienste wie Nestoria extrem disruptiv. Dienste wie Nestoria verschieben das Kräftegleichgewicht vom Makler zum Kunden. Man kann jetzt als Immobilienkäufer oder Mieter die Aussagen des Maklers selbst überprüfen und zwar ohne Recherche vor Ort. Das Mashup aus Immobilien. Google Earth plus Qype-Daten und dem öffentlichen Nahverkehr ist für mich eine Immobilien-Plattform der zweiten Generation. Hier bekomme ich mehr als nur eine Wohnraumliste. Eine Plattform wie Nestoria hilft mir bei der Entscheidungsfindung.

Was die Geschäftsmodelle angeht: Ich denke es wird schwierig werden, den Nutzer dazu zu bewegen für Nestoria zu bezahlen. Was ich für möglich halte wäre ein Premium-Dienst, den ich monatlich buchen kann und bei dem mir nach genauen Kriterien gefilterte Angebote zugeschickt werden. Außerdem wäre es wichtig, dass diese neuen Immobilien-Angebote nicht sofort in der Nestoria-Datenbank auftauchen, sondern für – sagen wir  – 48 Stunden exklusiv für Premium-Mitglieder sind. So kann man als Premium-Mitglied in Ruhe den Verkäufer kontaktieren.

Albert, vielen Dank für das Interview! Interessante Antworten von jemandem, der sich wirklich mit Online-Werbung auskennt. Wer genauer wissen möchte, wie Shoptrex funktioniert, kann auf der Webseite alles über das Prinzip und die praktische Umsetzung erfahren. Wir von Nestoria wünschen diesem hervorragenden Service viel Erfolg!

Nestoria Interview – Simon Baker – Property Portal Watch

Wir freuen uns, diesen Monat im Nestoria Interview mit Simon Baker zu sprechen, Autor von Property Portal Watch und ehemaliger Geschäftsführer von REA (u.a. Besitzer der bedeutenden europäischen Portale – und Partner von Nestoria – PropertyFinder und Casa.it). Er ist Direktor von 3eep und Redbubble und Vorsitzender von Arts Hub. In seiner Freizeit schreibt Simon auch MyCEOLife, ein Blog über die Herausforderungen eines jetsettenden Geschäftsführers.

Simon, großartig, dass du Zeit gefunden hast, mit uns zu reden.

1. Was sind deine Ziele mit Property Portal Watch?

Die Vision von Property Portal Watch ist es, die Anlaufstelle für Informationen über Immobilienportale weltweit zu erstellen. Die Seite wird Übersichten, Neuigkeiten, Analysen, Klatsch und Tratsch und anderes über Portalseiten, die Firmen, die diese besitzen und wichtige Personen in der Branche bereitstellen. Unsere Zielgruppen sind the Immobilienportale selbst, Mitwirkende, Analysten, Medien und Investoren der Branche sowohl als die Agenten selbst.

Wir glauben, dass wir Property Portal Watcher erfolgreich machen können, indem wir das tiefgehende Wissen, die Beziehungen und die Erfahrung, die geholfen haben, die REA-Gruppe aufzubauen, nutzen und während wir Schwung holen planen wir, auf dem Markt zusätzliche Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

2. In vielen Ländern Europas gibt es eine dominante regionale Nummer Eins: (Rightmove, ImmobilienScout24, Fotocasa). Bei REA schienst du eine multinationale Strategie zu verfolgen, indem du in PropertyFinder und Casa.it investiert hast. Welche Vorteile bietet eine multinationale Strategie?

Als ich die REA-Gruppe geleitet habe, war es klar, dass eine multinationale Strategie eine Reihe von Vorteilen hat.

Erstens kann es sehr von Vorteil sein, der Marktführer in einem Land zu sein. Deshalb wird Ihre langfristige PROFITABILITY steigen, wenn Sie in der Lage sind, den Marktführer in mehreren Ländern zu kaufen oder zu erstellen. Ausserdem verringert sich das Geschäftsrisiko, was ein Binnenmarktversagen angeht, wenn man in mehreren Ländern ist. Wir haben hier für Länder mit etablierten und entstehenden Märkten einen Portfolio-Ansatz gewählt.

Zweitens glaube ich, dass es einige Vorteile gibt, die dadurch entstehen, mehrere Seiten zu betreiben. Diese beinhalten Umfang des Nutzwerts der Technologie (baue eins, benutze es mehrmals) und des Marketings – insbesondere bei dem Angebot, dass man einem Makler macht, kann man sagen: “Gib mir deine Annoncen und wir können sie auf Großbritanniens Seite Nr. 2 veröffentlichen und in einem Netzwerk von 10 Millionen Hauskäufern und Investoren weltweit.” Dies ist ein klarer Unterschied zu den Firmen, die nur in einem Land agieren.

3. Welche neuen Trends siehst du aufkommen, als jemand der verschiedene Märkte der Welt beobachtet? Welche Evolution werden wir in den nächsten 12 Monaten sehen?

Es gibt eine Reihe starker Trends, von denen ich denke, dass sie in den nächsten 12-14 Monaten eintreten werden:

Erstens wird sich die Professionalität der Immobilienportal-Branche verbessern. Was meine ich mit Professionalität? Im Moment gibt es da draussen hunderte Seiten, die Maklern eine riesige Palette an Werbeprodukten und Dienstleistungen anbietet. Das ganze Marketing dieser Seiten beruht jedoch auf deren eigene Statistiken und dies sind normalerweise Statistiken, die groß klingen aber für einen Makler unbedeutend sind. Deshalb denke ich, dass unabhängige online Dienste auftauchen werden, die Immobilien verfolgen und Maklern übergreifende Portalvergleiche über die Effizienz derer Marketingausgaben bereitstellen werden,

Zweitens werden Makler, so bald sie mehr von ihre Marketing-Effizienz verstehen (d.h. wo ihre Leads herkommen), mehr und mehr ihrer Ausgaben in diese Richtung ausgeben zum Nachteil von Zeitungen und einigen der kleineren Portale.

Drittens denke ich auch, dass das Modell “annonciere für einen kleinen Beitrag, bezahle für ein Upgrade” scheitern wird, da Makler sich mit dem Konzept schwer tun und es für die Seiten deshalb schwer ist, Geld zu verdienen. Einige werden von größeren Firmen aufgekauft werden und in ein bezahltes Angebot eingebunden werden.

Zuletzt werden in Märkten, wo es eine Reihe bezahlter Seiten gibt (wie Großbritannien), Konzernbildungen stattfinden, wenn finanzieller Druck ursprüngliche Gegner dazu zwingt, mit einander zu reden und zu fusionieren.

4. Was sind deine Gedanken zu Innovationen im Gebiet der Immobiliensuche innerhalb der letzten 1-2 Jahre, besonders was reine Aggregatoren wie Nestoria angeht?

Das Gebiet der Immobiliensuche befindet sich noch im Anfangsstadium und ich denke, dass viele neue Modelle in den nächsten Jahren ausprobiert werden. Einige davon werden erfolgreich sein, die meisten jedoch scheitern.

Wir werden denke ich folgende Arten der Innovation sehen:

1) Bessere und intuitivere Interfaces für Nutzer, die wirklich dafür sorgen, dass diese die richtigen Suchergebnisse erhalten. Dies wird wichtiger und wichtiger werden, während die Anzahl der Annoncen auf den jeweiligen Seiten steigen wird.

2) Es wird Innovationen in den zu Grunde liegenden Werbemodellen geben und während Makler mehr und mehr vom Internet verstehen werden, werden sie ihre Investitionen in die Modelle erhöhen, die die erwünschten Resultate liefern. Ich denke, dass es weiterhin ein Modell sein wird, in dem für Werbung gezahlt wird. Ich weiss nur nicht, ob dies CPM-basiert (geradlinige Werbung) oder mehr Zahlung für Leistung sein wird.

Vielen Dank, Simon. Interessante Ansichten von jemandem mit tiefen Enblicken und internationaler Perspektive. Als Service, der mit mehr als 30 Immobilienportalen in ganz Europa zusammenarbeitet, begrüßen wir hier bei Nestoria den Schritt in Richtung erhöhte Effektivität und rationale Bemessung von Marketing-Ausgaben auf dem Markt.

Vorherige Nestoria Interviews: Stefan Weber, Florian Mann und Jochen Topf.